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10 Jahre Intel Extreme Masters: Grandiose Siege, Titel und Rekorde

Pawel Ksiazek Writer

2006 wurde erstmals eine neue, inzwischen äußerst renommierte Gaming-Competition ausgetragen, die den Standard im E-Sport neu definieren sollte: Die Intel Friday Night Games. Das Turnier, das in Moskau, Paris, Stockholm, Hamburg und Leipzig Station machte, umfasste zwei der damals populärsten Games: Counter-Strike 1.6 und Warcraft III. Das Saisonfinale fand schließlich im Rahmen der CeBIT in Hannover statt, wo auch in den folgenden sechs Jahren die Weltmeisterschaft der Intel Extreme Masters (IEM) ausgetragen werden sollte.

Die ersten Titelgewinner in der Geschichte der IEM waren Yoan „ToD“ Merlo in Warcraft III und das polnische Gaming-Team Pentagram G-Shock, das sich im Finale gegen das dänische Team H2k-Gaming durchsetzen konnte. Das Event wurde zum vollen Erfolg, was sich auch in der Begeisterung und Leidenschaft sowohl bei den Teilnehmern als auch dem Publikum vor Ort sowie der großen Anzahl an Online-Fans manifestierte. Dieser erste Wettkampf war jedoch erst der Auftakt zu einer grandiosen Serie, im Zuge derer sich die Intel Extreme Masters zur renommiertesten Veranstaltung dieser Art in der Welt des E-Sports entwickelt haben.

 

 

Der E-Sport-Boom

Erstmals ein Turnier in World of Warcraft ausgetragen

Nachdem die erste Saison derart erfolgreich verlaufen war, wurde es Zeit, die Intel Extreme Masters weiter zu entwickeln. Im darauffolgenden Jahr wurde der Wettbewerb in drei Städten ausgetragen: Los Angeles, Jönköping und erneut Hannover. Es wurde erstmals ein Turnier in World of Warcraft – dem zu der Zeit weltweit populärsten Computerspiel – organisiert. Den Weltmeistertitel bei der IEM 2007 holte sich erstmals ein Koreaner. Mit seinem Sieg in Warcraft III markierte der Gamer Park „Lyn“ June den Beginn einer Ära, in der asiatische E-Sportler die internationale Szene dominieren sollten.

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In den beiden darauffolgenden IEM-Saisons wurde der Umfang der Wettkampfserie Schritt für Schritt erweitert. Im Zeitraum 2008/2009 wurden die Intel Extreme Masters im Rahmen von insgesamt neun Events auf drei Kontinenten, darunter erstmals Kanada, China und Südkorea, ausgetragen. In der vierten Saison wurde die Liste der offiziellen Spiele durch den Titel Quake Live vervollständigt, der derzeit auf der Beliebtheitsskala nach Warcraft III an zweiter Stelle rangierte. Shane „Rapha“ Hendrixson, der als bester Quake-Gamer in der Geschichte der IEM gilt, spielte seine Überlegenheit deutlich aus. Der Amerikaner siegte an drei Austragungsorten und holte sich 2010 und 2011 den WM-Titel. In der vierten Saison fand in der chinesischen Stadt Chengdu zusätzlich ein spezielles Defence of the Ancients (DotA)-Turnier statt, womit sich DotA als fünftes Spiel der Intel Extreme Masters etablierte.

Der Beginn einer neuen Ära

Der E-Sport legte auch im Westen an Dynamik zu

Als das neueste Blizzard-Game StarCraft 2 im Jahr 2010 seine Premiere feierte, legte die E-Sport-Szene auch im Westen an Dynamik zu. Die Professionalisierung des E-Sports gewann an Tempo, insbesondere dank der Streaming-Plattform Twitch.tv. Die Seite, auf der seither alle IEM-Events verfolgt werden können, brach alle bisherigen Rating-Rekorde. Ihren internationalen Charakter behielten die IEM bei: Die Turniere wurden weiterhin auf drei Kontinenten ausgetragen und beeinflussten die Szene auf der ganzen Welt.

Einer der unvergesslichsten Momente in der IEM-Geschichte fand in der fünften WM-Saison mit dem Einzug des polnischen Teams Frag eXecutors ins große Finale statt. In einem erbitterten Kampf besiegten die „Golden Five“ im Halbfinale das schwedische Team SK Gaming, das vom legendären GeT_RiGhT angeführt wurde. Nach dem schwierigen Sieg war das polnische Team vor Freude völlig außer sich – die Freudentränen der Gamer sind wohl bis heute nicht nur polnischen Fans, sondern auch Zuschauern rund um den Globus in guter Erinnerung.

Neue Spiele und historische Momente

Die Zeit war reif, um dem Spiel Lebewohl zu sagen

In der sechsten Saison der Intel Extreme Masters, die 2011/2012 stattfand, stand Counter-Strike 1.6 das letzte Mal auf der Liste der ausgetragenen Spiele. Der Community war klar, dass der Zeitpunkt gekommen war, um dem alten Spiel Lebewohl zu sagen und mit der Zeit zu gehen. An seine Stelle trat League of Legends, was nicht nur die zahlreichen Fans des Riot-Games-Titels freute, sondern auch die Streams des Spiels in den Rankings ganz nach oben katapultierte.

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Für die siebte IEM-Saison wurde auch ein Event im polnischen Kattowitz angekündigt. In Anbetracht der Vorstellung, dass in der Spodek-Arena von Kattowitz eine so gigantische Weltmeisterschaft abgehalten werden sollte, zeigten sich einige polnische E-Sport-Fans zunächst skeptisch. Aber wie sich herausstellte, gab es keinen Grund zur Besorgnis. Denn die IEM in Kattowitz wurden ein voller Erfolg. Die Veranstaltung bewies erneut, dass der E-Sport durchaus seriös und ernst zu nehmen ist. Der Kattowitzer Wettkampf ging dank eines unvergesslichen Zugs eines der Spieler in die IEM-Geschichte ein: Enrique „xPeke“ Cedeño Martínez beendete das Spiel gegen SK Gaming im Alleingang. Bis heute ist dieses Highlight im Westen die beliebteste Aufzeichnung in der Geschichte des E-Sports – bislang haben bereits über sieben Millionen User diesen unvergesslichen Moment auf YouTube angeschaut.

Die polnische Fangemeinde

Nur in Korea ist das Interesse noch größer

ESL-Chef Ralf Reichert bestätigte, dass das Interesse am E-Sport nur in Korea noch größer ist als in Polen. Die Zahlen untermauern diese Aussage: Die in Kattowitz ausgetragenen IEM-Wettkämpfe brachen sämtliche Rating-Rekorde. Die polnischen Übertragungen wurden von einer derart großen Fangemeinde angeschaut, dass Besucher aus dem Ausland kaum glauben konnten, wie beliebt der E-Sport in Polen ist.

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Die bisher größte Revolution fand in der achten IEM-Saison statt, denn damals wurde die Weltmeisterschaft erstmals nicht mehr im Rahmen der CeBIT, sondern in Kattowitz ausgetragen. In der Saison 2013/2014 umfasste der Wettkampf mit den Spielen StarCraft 2 und League of Legends zwei Titel, die überall auf der Welt an Beliebtheit gewannen. Und die WM in Kattowitz stellte wahrlich einen historischen Moment dar: Das Event brach wiederum alle Rating-Rekorde und Kim „sOs“ Yoo Jin erhielt für seinen WM-Sieg in StarCraft 2 gigantische 100.000 US-Dollar Preisgeld. Bis heute ist diese Summe die höchste, die in der Geschichte der IEM an einen Einzelteilnehmer ausbezahlt wurde. Nach seinem Sieg erhielt der Koreaner den Beinamen „Hundred Thousand Dollar Man“. Darüber hinaus triumphierten auch seine Landsleute in League of Legends, denn zum zweiten Mal in Folge gingen die Goldmedaillen in den Finals ausschließlich an Koreaner.

Ein Rekord nach dem anderen

Eine weitere Saison voller magischer Momente

In der neunten Saison wurde mit Hearthstone ein weiteres Blizzard-Game auf die Liste der Spiele gesetzt. Die Veranstaltung in der chinesischen Stadt Shenzhen wurde zum Triumph für Jason „Amaz“ Chan, einem Spieler aus Hongkong, der allen Kartenspielfans wohlbekannt ist. Auch diese Saison war voller magischer Momente: Nachdem Lee „Flash“ Young Ho, der in Korea den Beinamen „Gott des E-Sports“ trägt, in Toronto siegte, sagten seine Fans seine Rückkehr in die großen Ligen voraus. In San Jose ging der dritte Titel an Kim „herO“ Joon Ho, der in StarCraft 2 antrat. In Köln erzielte das Team Gambit Gaming, das seinen Platz an der Spitze trotz zahlreicher Personalwechsel verteidigen konnte, einen ähnlichen Erfolg.

herO ist nach wie vor der einzige Einzelteilnehmer, der in der IEM-Serie drei Goldmedaillen gewinnen konnte. Die Weltmeisterschaft kehrte zum zweiten Mal in Folge nach Kattowitz zurück, wo Fans erstmals den Preistopf für die Wettbewerbe in League of Legends und StarCraft 2 selbst aufstocken konnten. Die Spitzenplatzierung gingen an das amerikanische Team SoloMid, das mit seinem Sieg der asiatischen Gewinnserie mit einem phänomenalen Wettkampfstil ein Ende setzte, und an Joo „Zest“ Sung Wook.

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Die Intel Extreme Masters, die 2015 in Kattowitz ausgetragen wurden, waren zweifelsohne das größte Event in der Geschichte des E-Sports. Zu Spitzenzeiten wurden alleine auf dem Twitch-Stream über eine Million User gemessen. Zudem kamen über 100.000 Zuschauer in die Kattowitzer Spodek-Arena und das International Convention Center, darunter viele internationale Besucher, die die elektrifizierende Atmosphäre in Polen selbst miterleben wollten. Das 2015er-Event war auch deshalb so bedeutend, da auf diesem Level erstmals Weltmeisterschaften in Counter-Strike: Global Offensive (CS:GO) für Frauenteams ausgetragen wurden. Das Interesse der Frauen am E-Sport wächst und diese Zielgruppe wird immer wichtiger. Deshalb werden die Gamerinnen auch bei zukünftigen Events wie etwa der zweiten „Intel Challenge Katowice 2016“ deutlich mehr Aufmerksamkeit erhalten.

Das Saisonjubiläum

Valve-Games gewinnen weltweit an Stellenwert

Noch immer wachsen die Intel Extreme Masters weiter: Beim zehnjährigen IEM-Jubiläum war zusätzlich Heroes of the Storm vertreten und auch Fans von Counter-Strike konnten sich freuen, da sie nach vier langen Jahren endlich wieder die Top-Scorer in Action erleben durften. Die Einführung von CS:GO auf der IEM-Hauptbühne war ein großartiges und spannendes Event, das den weltweit wachsenden Stellenwert von Valve-Games untermauerte.

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Das IEM-Event in San Jose war ein einzigartiges Demo-Match, unter dessen Spielern sich auch der Milliardär Mark Cuban und Intels CEO Brian Krzanich befanden. Ziel des Matchs, bei dem auf beiden Seiten Profi-Gamer von League of Legends mitspielten, war es, Geld für karitative Projekte zu sammeln. Für die CyberSmile Foundation kamen so über 38.000 US-Dollar zusammen.

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Seit Beginn der IEM-Serie vor zehn Jahren wurden Preisgelder von über 4.600.000 US-Dollar an die weltweit besten E-Sportler ausbezahlt. Dieses Geld hat das Leben vieler Teilnehmer verändert. Führende Wettkämpfer, die sich mit ihren exzellenten Leistungen in den Intel Extreme Masters einen Platz im Olymp des E-Sports gesichert haben, sind heute internationale Stars mit mehreren Tausend Fans. Einschließlich der aktuell laufenden zehnten IEM-Saison wurden bisher 56 Events in Form von Wettkämpfen und Weltmeisterschaften abgehalten. Damit sind die Intel Extreme Masters die längste und aktivste Serie professioneller E-Sport-Wettkämpfe in der Welt. Die langjährige Unterstützung von Intel und anderen Sponsoren sowie das enorme Vertrauen von Profi-Spielern und Zuschauern haben die IEM zu der bekanntesten Marke in der Welt des E-Sports gemacht.

 

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