Gesundheit

Baxter: Roboter-Steuerung per Gedankenkraft

Hans-Martin Durst Autor, Hemd & Hoodie

Der Roboter Baxter erhält Anweisungen durch Gehirnwellen eines menschlichen Beobachters. Mit dieser Technik sollen sich künftig auch Autos lenken lassen.

„Stellen Sie sich vor, Sie könnten einem Roboter Aufgaben zuweisen, ohne Befehlszeilen tippen, Knöpfe drücken oder ein Wort äußern zu müssen“, sagt Daniela Rus. Geht es nach der Informatiklabor-Leiterin des Massachusetts Institute of Technology (MIT), sollen sich Maschinen künftig viel intuitiver bedienen lassen. Denn ihrem Forscherteam ist es gelungen, einen Roboter mittels Hirnströmen zu steuern.

In einem Experiment wurde ein Proband hierzu mit einer EEG-Elektroden-Kappe ausgestattet und damit betraut, den Baxter getauften Roboter beim Einsortieren von Gegenständen nach dem Richtig-Falsch-Prinzip zu beobachten. Dabei gemachte Fehler erzeugten ein sogenanntes fehlerkorrelierendes Potential (error-related potential, ErrP) im Gehirn. Ein maschinell lernender Algorithmus interpretierte dieses ErrP-Signal in nur 10 bis 30 Millisekunden, wodurch Baxter seine Entscheidungen fast verzögerungsfrei korrigierte. „Hierbei ist es nicht nötig, sich eine bestimmte Art des Denkens anzutrainieren – die Maschine passt sich dem Menschen an und nicht umgekehrt“, erklärt Rus.

Baxter-Technik als Basis für GedankenGesteuerte Autos

So erkennt Baxter momentan bereits 70 Prozent der ErrP-Signale und soll künftig eine Genauigkeit von 90 Prozent erreichen. Die Weiterentwicklungen des Algorithmus sollen zudem dafür sorgen, dass der Roboter mehr Anweisungen als nur Richtig und Falsch versteht. „Ein solchermaßen optimierter Ansatz würde unsere Fähigkeiten verbessern, Fabrik-Roboter, fahrerlose Wagen sowie Techniken zu überwachen, die heute noch nicht mal erfunden sind“, sagt Rus.

Baxter korrigiert seine Entscheidungen mithilfe von ErrP-Signalen.
Baxter korrigiert seine Entscheidungen mithilfe von ErrP-Signalen. Gif: Youtube – MITCSAILw

Statt Maschinen mit festgelegten Aufgabenfeldern könnten in der Warenproduktion küftig humanoide Roboter zum Einsatz kommen, die sich schnell in wechselnde Funktionen einweisen lassen. Des Weiteren halten es die Wissenschaftler für möglich, dass autonome Fahrzeuge mithilfe der Technik von Baxter irgendwann Fahrtzielangaben und Richtungskorrekturen per Gedankenkraft erhalten. Zudem könnten auf dieser Basis gehirnwellengesteuerte Prothesen, Sprachmodule für Locked-in-Patienten oder Rollstühle für vollständig Gelähmte entstehen.

Cover-Foto: MIT/CSAIL – Jason Dorfman(Montage)

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