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Dating-Apps: Diese Frauen definieren die Spielregeln neu

Kristin Houser Writer & Editor, LA Music Blog

Mit ihren Dating-Apps hinterfragen junge Unternehmerinnen klassische Rollenbilder und wollen damit Frauen auch im Berufsleben stärken.

Bei der Nutzung von Dating-Apps können eine ganze Reihe an Fragen aufkommen: Wie lange sollte ein Single warten, bevor er oder sie einem potenziellen Dating-Partner eine Nachricht schickt? Wer von beiden sollte eine Konversation beginnen? Und welche Gesprächsthemen sind bei der ersten Verabredung tabu? Eine junge Unternehmerin will diese starren Dating-Regeln nun mit einer innovativen Idee aufbrechen. „Ich war schon immer daran interessiert, mich kreativ auszudrücken und neue Dinge auszuprobieren“, sagt Whitney Wolfe, Mitgründerin und ehemalige Vizepräsidentin von Tinder, das fast schon als Königin der Dating-Apps bezeichnet werden kann.

„Ich empfand diese antiquierte Rollenverteilung beim Dating immer als unheimlich frustrierend“, erklärt sie. „Das brachte mich auf die Idee, Frauen dazu zu bringen, den ersten Schritt zu machen.“ Nach ihrem in den Medien vieldiskutierten Ausstieg bei Tinder gründete Wolfe Bumble, eine neue Online-Dating-App, die die traditionellen Geschlechterrollen in Frage stellt.

Dating-apps mit neuen spielregeln

Auch bei Bumble werden den Usern zu ihren Kriterien passende Dating-Partner vorgeschlagen, die bei Interesse mit einem Wisch nach rechts markiert werden können. Wählen sich zwei Personen dadurch gegenseitig aus, entsteht ein „Match“. Aber anders als bei Tinder können darin nur die Frauen eine Konversation starten, bei gleichgeschlechtlichen Personen kann jeder den ersten Schritt machen.

Wenn eine Benutzerin innerhalb von 24 Stunden mit einer Person in ihrem „Bienenstock“ – der Liste all ihrer Matches – keine Unterhaltung begonnen hat, verfällt diese Verlinkung für immer. Männer haben jedoch die Möglichkeit, einen Match pro Tag um 24 Stunden zu verlängern und dadurch ihr besonderes Interesse an einer Frau zu verdeutlichen.

Bei der Dating-App Bumble können nur Frauen den Kontakt aufnehmen.
Bei der Dating-App Bumble können nur Frauen den Kontakt aufnehmen.

der erfolg spricht für sich

Mit Bumble will Wolfe vielerorts etablierte Dating-Normen durchkreuzen. Das Modemagazin Glamour bezeichnete die App als „feministische Version von Tinder“ und Wolfe ist glücklich, Frauen in der Welt des Online-Datings mehr Kontrolle zu geben. „Eine ganze Reihe von Miesmachern versuchte mir zu erklären, warum dieser Ansatz nicht funktionieren würde“, erklärte sie in einem Interview mit der britischen Vogue. „Annähernd zwei Jahre später ist offensichtlich, dass unser Ansatz gut ankommt.“ Seit dem Launch haben sich Schätzungen zufolge etwa sieben Millionen Benutzer registriert und pro Tag starten über 250.000 Frauen Chats in der App.

Der große Erfolg von Bumble spricht für sich.
Der große Erfolg von Bumble spricht für sich.

Bumble verschafft nicht nur seinen Userinnen mehr Kontrolle über ihr Dating-Leben. Das Unternehmen selbst beschäftigt fast ausschließlich Frauen und bietet der traditionellen Geschlechterverteilung in der IT-Branche damit die Stirn – laut einem Bericht von CNET betrug der Frauenanteil dort im letzten Jahr gerade einmal 30 Prozent. Darüber hinaus gehört Bumble zu den 18 Prozent der Start-ups, die von Frauen gegründet wurden.

Frauen bestimmen das Dating-Game

Neben Whitney Wolfe engagieren sich noch weitere Frauen für mehr Abwechslung im Dating-App-Geschäft. Shannon Ong – Gründerin von The Catch – wünschte sich eine App, in der es um mehr als um das Aussehen geht. Deshalb integrierte sie ein Gaming-Element in ihre Anwendung, das an die Fernsehshows „The Dating Game“ und „Die Bachelorette“ anknüpft.

Bei The Catch erhalten Userinnen jeweils vier Vorschläge für potenziell passende männliche Partner. Diesen Männern können sie drei für alle einheitliche Fragen stellen. Indem die Antworten anonym übermittelt werden, erfährt die Frau erst, welche Aussage von welchem Mann stammt, wenn sie einen davon als „Gewinner“ auswählt.

The Chatch integriert Gaming-Elemente in die Dating-App.
The Chatch integriert Gaming-Elemente in die Dating-App.

digital trifft auf analog

Für Matches bei der App Antidate sorgen keine Wischgesten, sondern reale Standorte. „Unser Ziel war es, eine Dating-App für all jene zu kreieren, die Dating-Apps eigentlich nicht mögen“, so die beiden Gründerinnen Hatty Kinsgley-Miller und Mo Saha. „Hatty und ich sind alt genug, um uns an die Zeit zu erinnern, als Verabredungen noch spontan und aufregend waren“, fügt Saha hinzu, „aber auch jung genug, um zu wissen, wie mobile Technologien all dies erleichtern können.“

Bei der App Antidate ist Spontaneität gefragt.
Bei der App Antidate ist Spontaneität gefragt.

Das Konzept hinter Antidate besteht darin, dass Benutzer darüber in Echtzeit herausfinden können, wer in einer Bar, einem Café oder anderen Locations ein Single ist. Anschließend können sie entscheiden, ob sie mit diesen Personen sofort persönlich in Kontakt treten wollen. Frauen haben die Möglichkeit, die App anonym zu nutzen, wodurch sie zusätzliche Kontrolle darüber bekommen, wer ihre Profilinformationen sehen kann.

starke frauen für die IT-Branche

Wie Whitney Wolfe erkennen auch Shannon Ong, Hatty Kinsgley-Miller und Mo Saha die Notwendigkeit, dass Frauen in der von Männern dominierten IT-Welt zunehmend wichtige Positionen einnehmen müssen. „Natürlich treffen wir auch immer wieder auf Zweifler“, so Saha. „Der Trick besteht darin, jede Hürde als weitere Chance zu sehen, sich zu verbessern und der Welt das Gegenteil zu beweisen.“

Das Antidate-Team besteht überwiegend aus Frauen.
Das Antidate-Team besteht überwiegend aus Frauen.

Wolfe stimmt zu, dass harte Arbeit nötig ist, um in der IT-Welt nach oben zu kommen. Aber wie bei jeder guten Beziehung spielt auch die Leidenschaft eine wichtige Rolle. „Keiner, der es in der IT-Welt zu Erfolg gebracht hat, erreichte dies nur mit Glück, sondern mit vielen Stunden unermüdlicher, undankbarer Arbeit“, sagt sie. „Und diese Menschen tun dies, weil sie es gerne tun.“

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