Computerspiele

Demonz: Reale Räume werden zum digitalen Spielplatz

Sabine Berger Autorin, Hemd & Hoodie

Die audio-visuelle Installation Demonz der tschechischen Kreativ-Plattform INITI vereint virtuelle und reale Welt zu einem interaktiven Erlebnis.

Wie bei anderen Computergames ist das Ziel auch bei Demonz, möglichst viele der animierten Figuren und beweglichen Objekte zu treffen. Doch ausnahmsweise benötigen die Spieler dazu weder Tastatur noch Controller, sondern einen echten Ball und vollen Körpereinsatz. Denn die einzigartige audio-visuelle Installation lässt die digitale mit der analogen Welt verschmelzen und verwandelt einen echten Raum in ein interaktives Spielfeld.

Demonz ist eine Entwicklung von INITI, einer tschechischen „Kreativ-Plattform für audio-visuelle Forschung“. Das Kollektiv, das sich aus Künstlern, Sound-Designern und Programmierern zusammensetzt, hat sich auf Projekte spezialisiert, die reale Umgebungen durch visuelle und akustische Effekte erweitern. Dadurch verwandeln sich diese in interaktive Räume, in denen das Publikum zum Gestalter der semi-virtuellen Welt wird.

Kombination hochentwickelter Technologien

Für die Realisierung des digitalen Spielplatzes Demonz kombiniert das INITI-Team zwei verschiedene Technologien: Projektionsmapping und Bewegungserfassung (Motion Capture). Für Ersteres muss die reale Umgebung zunächst millimetergenau ausgemessen werden. Auf Basis dieser Angaben lassen sich Projektionen so im Raum platzieren, dass sie exakt mit der Architektur sowie echten Objekten wie Fenstern und Möbeln übereinstimmen.

Bei Demonz verschmelzen reale und virtuelle Welt.
Bei Demonz verschmelzen reale und virtuelle Welt. Cover-Foto: INITI – Demonz

Als zweites Element kommt die großflächige Bewegungserkennung zum Einsatz, wie sie auch die Intel RealSense Technik ermöglicht. Diese nutzt verschiedene Sensorfunktionen für die Tiefenerfassung, 3D-Bildverarbeitung und die Vermessung von Räumen. So kann bei Demonz jeder einzelne Ballwurf genau erfasst und auf das Treffen eines virtuellen Ziels in Echtzeit mit einer optischen Änderung reagiert werden. Dadurch wirkt der Effekt des „Abschießens“ sehr real und macht den großen Spaß-Faktor des Spiels aus. Um das Game noch echter wirken zu lassen, werden die Projektionen zudem mit Tonelementen untermalt.

Verschmelzen von realer und virtueller Welt

Mit seinen Installationen glänzte INITI bereits bei verschiedenen Events wie der Ars Electronica in Linz, der Nuit Blanche in Brüssel oder dem Handball Cup 2016 in Prag. Den Machern zufolge ist Demonz nun so weit ausgereift, dass es in verschiedenen Umgebungen, ob drinnen oder draußen, eingesetzt werden kann. In seinen Dimensionen ist der digitale Spielplatz laut seinen Erschaffern nicht begrenzt – theoretisch könne er sogar mehrere Kilometer lang sein.

Das Entwicklerkollektiv hat angekündigt, bald weitere Spiele wie Demonz zu präsentieren. Ob die Technik irgendwann auch für den Privatgebrauch erhältlich sein wird, ist leider bisher nicht bekannt. Aktuelle technische Entwicklungen wie Virtual Reality (VR) oder Merged Reality zeigen aber ohne Zweifel auf, dass in den Games der Zukunft echte und digitale Welt immer mehr – und immer enger – miteinander verschmelzen.

Cover-Foto: INITI – Demonz – Montage

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