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E-Sport und Fitness: So halten sich Gamer in Form

Roy Graham Writer from Kill Screen

Gesundheitsexperten und Profi-Gamer sprechen darüber, wie E-Sportler sich fit halten und gesund bleiben, um Turniere erfolgreich bestreiten zu können.

In traditionellen Sportarten wie Fußball oder Basketball sind Verletzungen nicht nur gang und gäbe, sondern sogar absehbar. Und während in einem E-Sport wie League of Legends der Großteil der Action in der digitalen Welt abläuft, entwickelt sich der Fitnessgrad in der echten Welt immer mehr zu einem wesentlichen Faktor für das Durchhaltevermögen von Gaming-Wettkämpfern. Als Gegenpol zur intensiven Konzentration und den sich ständig wiederholenden Bewegungen, die für direkt aufeinanderfolgende Turniertage nötig sind, spielt die Kondition eine wesentliche Rolle.

„Die meisten Gamer, die ich kenne und die auf höchstem Wettkampfniveau spielen, machen bereits regelmäßig Sport oder andere Dinge, um gesund zu leben. Allen anderen gebe ich definitiv den Rat, gleich damit zu beginnen. Denn damit verbessern sie nicht nur ihre Trainingsqualität, sondern ihre gesamte Denkweise“, so Starcraft-2-Gamer Samayan ‚BlinG‘ Kay vom Team Dignitas in einem Interview mit Red Bull.

Gamer auf höchstem Wettkampfniveau treiben regelmäßig Sport, um sich fit zu halten. Bildrechte: Helena Kristiansson

 

Gamer und ihre Achilles-Versen

Für alle, die in einem Team spielen, ist es keinesfalls ungewöhnlich, zwischen 12 und 14 Stunden pro Tag zu trainieren – was wenig Zeit für gesunde Mahlzeiten und ausreichend Schlaf lässt. Diese Lebensweise kann sogar der Auslöser sein, dass sich Spitzenspieler ernsthaft verletzen. So musste Lee „Flash“ Young Ho 2011 eine Sehnenscheidenentzündung chirurgisch behandeln lassen und Clinton „Fear“ Loomis, einer der besten DOTA-2-Spieler Nordamerikas, 2014 wegen eines Tennisellbogens auf die Reservebank geschickt werden.

Viele Beschwerden bei Gamern entstehen durch übermäßige Hand- und Handgelenksbewegungen. Bildrechte: Helena Kristiansson

„Wenn über einen längeren Zeitraum immer wieder schnelle, gleichförmige Bewegungen ausgeführt werden, kann dies eine Entzündung verursachen“, sagt Dr. Daniel Polatsch, Co-Director des New York Hand and Wrist Center. Polatsch hat bereits viele Verletzungen behandelt, die durch die übermäßigen Hand- und Handgelenksbewegungen, wie sie im Profi-Gaming üblich sind, verursacht wurden. „Die Steuerung der Finger erfolgt über Sehnen, die die Muskeln mit den Knochen verbinden. Wenn wir immer wieder dieselbe Bewegung ausführen, kann dies eine Entzündung und in der Folge auch Schmerzen und eine Verengung der Sehnenkanäle verursachen“, erklärt er. Das kann zwar schmerzvoll sein, ist aber keine ernsthafte Verletzung – sofern die Entzündung nicht unbehandelt bleibt.

Durch schnelle, gleichförmige Bewegungen erleiden viele Gamer Entzündungen und Verengungen der Sehnenkanäle. Bildrechte: Jeroen Weimar

 

Auch Gamer müssen es mal langsam angehen lassen

Polatsch zufolge können verletzte Spieler, die sich weiterhin zu viel abverlangen, die Situation verschlimmern. Aus Schmerzen, die sich mit entzündungshemmenden Medikamenten behandeln lassen würden, wird dann eine Erkrankung, die den Gang zu einem Handchirurgen erfordert. Aber glücklicherweise können sich die Spieler mit verschiedenen Möglichkeiten schützen. Um gesund zu bleiben und gleichzeitig anstrengende Trainingseinheiten absolvieren zu können, gibt es laut Polatsch ein simples Geheimnis: Die Gamer müssen ihr Vorhaben langsam angehen.

Gamer An „Balls“ Van Le hält sich durch regelmäßige Besuche im Fitness-Center in Form.

So wie sich Läufer auf einen Marathon vorbereiten, müssen auch Wettkampf-Gamer ihre Toleranzschwelle und Ausdauer über einen längeren Zeitraum aufbauen und trainieren. „Solange ein Spieler langsame Fortschritte macht und auf ergonomische Aspekte achtet – etwa mit geradem Rücken auf einem geeigneten Stuhl zu sitzen und die Füße auf dem Boden zu halten -, gibt es normalerweise kein Problem“, so Polatsch. Tägliches Fitnesstraining kann auch als Vorsorgemaßnahme Wunder wirken und Wettkampf-Gamern sogar einen Vorteil verschaffen. „Sehnen, die die richtige Versorgung erhalten, tendieren weniger zu Problemen“, erklärte Polatsch. „Kraft- und Cardio-Trainingseinheiten können uns dabei helfen, geschmeidiger zu bleiben, und sie verringern das Risiko von RSI-Syndromen.“

Tägliches Training für besseres Energie- und Gaming-Level

Sportliche Betätigung verbessert sogar die für einen Wettkampf nötigen Fertigkeiten, so An „Balls“ Van Le, aktueller Ersatzspieler und ehemaliger aktiver Spieler des League-of-Legends-Teams Cloud9. Le geht regelmäßig ins Fitness-Center und entspricht mit seiner Lebensweise keineswegs dem typischen Image bewegungsmüder Gamer. Trotz seines intensiven Trainingsplans – und zusätzlichem Gaming-Spaß in der Freizeit – vergeht kaum ein Tag, in dem Le nicht im Fitnessstudio anzutreffen ist.

Seinen Erfolg verdankt Gamer An „Balls“ Van Le seinem aktiven Lebensstil.

„Das Training verbessert meinen Energielevel“, erklärt er. „Danach fühle ich mich wacher und bereit für die Trainingsspiele. Ich kann dann klarer denken.” Bislang konnte Le Handgelenksverletzungen vermeiden, die ihn außer Gefecht setzen würden. Seiner Meinung nach verdankt er dies dem jahrelangen Tennistraining, bei dem er durch das Festhalten des Schlägers seine Handmuskeln stärkte. Le zufolge verbessert der aktive Lebensstil nicht nur seinen Gaming-Erfolg, sondern sorgt auch dafür, dass er seine Zeit nicht in Arztpraxen verbringt – sondern bei Turnieren.

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