eSports

Frauen im E-Sport: So spielen die Gamerinnen von heute

Mit herausragenden technischen Fähigkeiten, ihrer Persönlichkeit und großem Talent prägen Frauen die Zukunft des E-Sports.

Auch wenn reine Damenturniere im E-Sport in der Vergangenheit kontroverse Debatten ausgelöst haben: In der Szene führende Köpfe betonen die positiven Effekte dieser Turniere weiterhin. Denn sie geben den Gamerinnen das Gefühl, willkommen zu sein und eröffnen ihnen die Möglichkeit, sich in der Szene zu etablieren. Um sich in der von Männern dominierten Welt des Wettkampf-Gamings durchzusetzen, haben die Damen unter den Profis damit begonnen, on- und offline eigene Communitys zu gründen, wo sie sich auf das konzentrieren können, was wirklich zählt: das Spielen.

„Im Videospieljargon gibt es den Ausdruck ‚Wie ein Mädchen spielen‘“, erzählte Matilde „Mattye“ Wiik vom LGB-Damenteam Intel im vergangenen Oktober. „Unserer Ansicht nach gibt es im E-Sport keinen Unterschied zwischen Frauen und Männern und daher wollen wir, dass diese Redensart positiv verstanden wird,“ sagte sie. Ihr Team gehört zu einer größeren Bewegung, die es sich zum Ziel gesetzt hat, mehr Frauen zur Teilnahme an E-Sport-Wettkämpfen zu ermutigen, da dort immer noch wesentlich mehr Männer als Frauen vertreten sind.

wenige frauen im professionellen e-sport

Nur fünf Prozent der Profi-Gamer sind Frauen, verdeutlicht Morgan Romine von AnyKey, einer Initiative, die sich für mehr Diversität im E-Sport einsetzt. Diese Tatsache macht es weiblichen Gamern deutlich schwerer, sich in gemischten Wettkämpfen, die öffentlich beworben werden, durchzusetzen. Laut Romine, die zu den ersten Mitgliedern des inzwischen aufgelösten Damenteams Frag Dolls gehörte, fehlt es Mädchen nicht an Interesse oder Talent, sondern an Beachtung und Inklusion.

Matilde „Mattye“ Wiik gehört zu den erfolgreichen Frauen im E-Sport.
Matilde „Mattye“ Wiik gehört zu den erfolgreichen Frauen im E-Sport.

„Wenn man unter den Personen, die an Wettkämpfen teilnehmen und dabei Erfolg haben, niemanden sieht, der einem ähnlich ist, ist es schwer, selbst Ambitionen zu entwickeln“, erklärte Romine kürzlich bei einer GDC-Podiumsdiskussion in San Francisco. „Wenn wir wollen, dass Mädchen in der obersten Liga mitspielen, müssen wir die nötigen Grundvoraussetzungen dafür schaffen.“

mädchen unterstützen sich gegenseitig

Reine Damenturniere und Initiativen, die Mädchen das Gefühl geben, dass sie bei Wettkämpfen willkommen sind, könnten das Blatt wenden, so Lee Machen, Director of Developer Relations bei Intel. „Wenn jemand Interesse hat und ein Event besucht, dort aber keine Gleichgesinnten trifft, stellt sich schnell das Gefühl ein, von den Anwesenden nicht willkommen geheißen zu werden“, so Machen. „In diesem Fall findet diese Person normalerweise schnell eine andere Beschäftigung.“ Wettkämpfe für Frauen könnten seiner Meinung nach eine förderliche Umgebung schaffen, den Profis unter den Damen mehr Sichtbarkeit verleihen und ihr Engagement für das Wettkampfgeschehen unterstreichen.

Erfolgreiche Profi-Gamerinnen sind wichtige Vorbilder für Mädchen.
Erfolgreiche Profi-Gamerinnen sind wichtige Vorbilder für Mädchen.

Auf die Frage, ob sie sich an die Momente erinnern, in denen es ihnen mit den Wettkämpfen erstmals ernst wurde, geben viele Profi-Gamerinnen eine ähnliche Antwort: Als sie mit anderen Mädchen im E-Sport gespielt haben. Wiik war erstmals 2013 Mitglied eines reinen Damenteams. Mit anderen Gamerinnen zu spielen hat ihr geholfen zu erkennen, wie Mädchen an Wettkämpfen teilnehmen und wie sie diese gewinnen können, erklärt sie. „Das inspirierte mich, weiter zu spielen, meine Leistungen zu verbessern und an mehr Turnieren teilzunehmen“, fügt sie hinzu.

das spielen im fokus

Rein weibliche Communitys schützen Frauen vor impertinenten männlichen Wettkampfgegnern und Belästigungen im Netz. Zwar kann die Tatsache, dass eine Gamerin als einzige Frau an einem gemischten Turnier teilnimmt, durchaus die Motivation erhöhen, eine gute Leistung zu erbringen. Aber der Druck hat auch negative Seiten: „Ich muss nicht nur hervorragend spielen, sondern auch darauf achten, wie ich aussehe“, sagt Rachel „Seltzer“ Quirico, eine bekannte E-Sportlerin und ebenfalls ehemaliges Mitglied der Frag Dolls. „Ich muss freundlich sein, aber auch nicht zu freundlich. Jeder dieser kleinen Faktoren zählt und hindert mich daran, mein Bestes zu geben – und darum geht es ja letztendlich.“

Reine Frauenwettkämpfe sollen das Selbstvertrauen von Mädchen stärken.
Reine Frauenwettkämpfe sollen das Selbstvertrauen von Mädchen stärken.

Bei ihrem ersten öffentlichen Wettkampf fühlte sich auch Wiik verunsichert. Sie war schüchtern und es mangelte ihr an Selbstbewusstsein, was sich auf ihr Gameplay auswirkte. Dann entdeckte sie jedoch die Möglichkeit, bei Twitch Counter-Strike: Global Offensive (CS:GO) zu streamen. Dadurch konnte sie schließlich eine Fangemeinde aufbauen, die sie bis heute unterstützt. Ihre Angst, die gewünschte Leistung nicht erbringen zu können, sank auf ein Minimum.

stereotypen verhindern gleichberechtigung

Durch das Streamen auf Twitch, wo Wiik ihr Engagement und ihr Talent unter Beweis stellen und mit anderen Mädchen spielen konnte, erlangte sie die Kontrolle über ihren Weg als Profi-Spielerin. Sie konnte sich von negativen Stereotypen befreien und den direkten Kontakt zu ihren Fans pflegen. „Streaming veranschaulicht deutlich, dass es im E-Sport-Bereich durchaus Frauen gibt, die das Spielen sehr ernst nehmen und viel Zeit und Mühe investieren. Das hilft der weiblichen Community zusätzlich, mehr Unterstützung zu erhalten“, erklärt sie.

Die Kosten für einen leistungsstarken, für Wettkämpfe geeigneten PC ist für jeden eine Herausforderung, aber männliche Spitzenspieler können immer öfter auf Sponsoren zurückgreifen, die diese Kosten übernehmen. Zudem beobachtet Lee Machen, wie auch gesellschaftliche und kulturelle Stereotypen Mädchen davon abhalten können, ihre Gaming-Leidenschaft schon in jungen Jahren zu verfolgen. „Ich kann mir gut vorstellen, dass Eltern denken, ihr Sohn braucht unbedingt einen PC, aber nicht ihre Tochter; ähnlich wie Entscheidungen über GI Joe versus Barbie und viele andere Aspekte im Leben der Kinder“, fügt Machen hinzu.

mit leistungsstarker technik zum ziel

Bevor Wiik 2015 ihren Vertrag bei LGB unterzeichnete, hatte sie einen alten Desktop-PC mit 2011er i7-2600K, 16 GB RAM und einer Nvidia GTX 680. Er war nicht in der Lage, anspruchsvolle Games wie CS:GO auszuführen und gleichzeitig ihr Gameplay zu streamen, was für E-Sport-Wettkämpfer immer wichtiger wird. Während die heutigen Intel Core i7 Prozessoren fürs Streaming ausgelegt sind, können CPUs, die nur wenige Jahre alt sind, Gamer bereits einschränken, so Mark Chang von Intel. „Sobald man zwei oder mehr dieser Megatasks [etwa Live-Streaming bei Twitch und CS:GO] gleichzeitig ausführen will, kann das die CPU echt stressen“, erklärt er.

Leistungsstarke Gaming-Notebooks sind für den Erfolg der Mädchen entscheidend.
Leistungsstarke Gaming-Notebooks sind für den Erfolg der Mädchen entscheidend.

Wiik erinnert sich, wie sie sich anfangs Sorgen gemacht hat, dass ihr Computer abstürzen könnte und wie sich dies auf ihre Leistung auswirken würde. „Wenn ich an offiziellen Turnieren teilnahm, hatte ich immer dieses beängstigende Gefühl“, sagte sie. Nachdem sie jedoch bei LGB einen Vertrag unterzeichnete und ein upgegradetes MSI GT80 Gaming-Notebook bekam, waren sie und ihre Teamkolleginnen dafür gewappnet, bei der DreamHack im Juni 2016 ganz vorne mitzuspielen. Sie fühlten sich bereit, andere zu inspirieren und zu zeigen, wozu Frauen im männerdominierten E-Sport in der Lage sind.

 

Hier gibt es weitere Gaming-Ressourcen von Intel

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