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JetSmarter: App macht Privatflugzeuge zum Taxidienst

Hans-Martin Durst Autor, Hemd & Hoodie

Heute muss niemand mehr Millionär sein, um exklusiv verreisen zu können. Denn JetSmarter vermittelt per App ungenutzte Plätze in Privatflugzeugen.

Lange Schlangen an den Sicherheitskontrollen von Flughäfen und anstrengende Sitznachbarn in der Maschine können dafür sorgen, dass die Reiselaune vergeht. Deshalb vermittelt das Start-up JetSmarter per App Restplätze in Privatjets und will so das Fliegen wieder zu einem Vergnügen machen. An diese Idee glauben sowohl der Rapper Jay-Z als auch die saudische Königsfamilie, die zusammen mit anderen Geldgebern kürzlich rund 100 Millionen Euro in das Unternehmen investierten.

Dessen Geschäftsmodell beruht auf dem Sharing-Economy-Gedanken, bei dem es darum geht, teilweise oder vollständig ungenutzte Ressourcen möglichst komplett auszuschöpfen. Bekannt ist dieses Prinzip unter anderem durch die Mitfahrzentralen und den erfolgreichen Fahrdienstvermittler Uber. JetSmarter operiert ähnlich, denn das Unternehmen besitzt selbst keine Flugzeuge und tritt durch seine App nur als Vermittler auf.

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Die App bietet Nutzern vier Buchungsoptionen

Diese bietet vier Service-Optionen: Mit JetShuttle können Nutzer freie Plätze auf privaten Linienflügen buchen, die regelmäßig zwischen zwei Orten verkehren. JetDeals bietet die Möglichkeit, spontan Leerflüge zu nutzen, die der Verlegung von Maschinen oder Luftfahrtpersonal an einen anderen Einsatzort dienen. Start- und Zielflughafen selbst bestimmen können Nutzer, die mittels PrivateCharter ein komplettes Flugzeug für sich und ihre Freunde buchen. Bleiben dabei Plätze unbesetzt, lassen sich diese per SharedCharter an die anderen Nutzer von JetSmarter vermitteln, wodurch der Preis sinkt.

JetSmarter bietet seinen Kunden vier Möglichkeiten, Privatflugzeuge zu nutzen.
JetSmarter bietet seinen Kunden vier Möglichkeiten, Privatflugzeuge zu nutzen. Bild: Jet Smarter – (montage)

Letzterer ist wie bei regulären gewerblichen Flügen abhängig von Reiseziel, Flugzeugtyp und Menge der gebuchten Plätze. Entscheiden sich die App-Nutzer jedoch zur Zahlung eines festen Mitgliedsbeitrags, können sie alle Linienflüge ohne Zusatzkosten nutzen. Zwar schlägt eine Mitgliedschaft mit rund 14.000 Euro im ersten Jahr und jeweils 10.350 Euro in den Folgejahren zu Buche. Doch kann sich eine solche Investition für Vielflieger lohnen.

JetSmarter will Normalverbraucher als Kunden

So spart der Pendler Noah Traisman mit dem Angebot von JetSmarter laut Eigenaussage fast 40 Stunden pro Woche. „Wenn ich mich verspäte, kann ich einfach anrufen und das Flugzeug wird aufgehalten“, erklärt der Nutzer German Yakubov. Momentan bedient JetSmarter 50 feste Flugrouten weltweit und hat sein Angebot auch in Europa ausgebaut. Mit den jüngsten Investitionen will das Unternehmen nach Indien, China und Südamerika expandieren.

Künftig sollen auch Freunde von Mitgliedern das JetSmarter-Angebot nutzen können.
Künftig sollen auch Freunde von Mitgliedern das JetSmarter-Angebot nutzen können. Bild: Flickr Stuart Mike – (CC BY 2.0)

Zudem ist der Test eines Programms geplant, bei dem Mitglieder Außenstehende auf private Linienflüge einladen können. Deren Preis könnte laut Firmengründer und Geschäftsführer Sergey Petrossov bis auf 280 Euro sinken, wenn genügend Mitreisende zusammenkommen. Allerdings bedeutet dieses Vorgehen einen Balanceakt. Denn JetSmarter muss zwar gegen Konkurrenten wie Stratajet oder JetSuite bestehen, dabei aber darauf achten, den Nimbus der Exklusivität von Privatflügen nicht durch Massenangebote zu zerstören.

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