Technische Innovation

Kampf gegen Wilderer: Überwachungs-Technik schützt Tiere in Afrika

Zum Schutz von Elefanten- und Nashornpopulationen gegen Wilderer setzen Naturschützer und Technikunternehmen auf Überwachungssysteme.

Wenn die Hitze des Tages verschwindet und die Nacht sich über die afrikanische Savanne legt, durchstreifen die Tiere das Land. Im Schutz der Nacht beginnen aber auch Wilderer ihre Jagd – manche mit Schlingen und Macheten, andere mit Gewehren und Kettensägen. Sie schlachten Elefanten und Nashörner, um die Stoßzähne aus Elfenbein und die Hörner aus Keratin verkaufen zu können. Die Kadaver wie auch die Überreste anderer Tiere, die im Kreuzfeuer getötet werden, lassen sie verrotten.

Naturschützer des World Wildlife Fund (WWF) und die Unternehmen FLIR und Google haben Wilderern den Kampf angesagt. Dazu rüsten sie Ranger in afrikanischen Naturschutzgebieten mit fortschrittlicher Anti-Wilderer-Technik aus. Durch den Einsatz von Wärmebildkameras, Personenerkennungssoftware und Drohnen haben Ranger seit Einführung des Programms im vergangenen Jahr über 100 Wilderer festgenommen – mit abschreckender Wirkung.

Wilderer können sich nicht mehr verstecken

„Wilderer können nun nicht mehr den Schutz der Dunkelheit zu ihrem Vorteil nutzen und Ranger erhalten jetzt die Unterstützung, die sie so dringend benötigen“, sagt Colby Loucks, Leiter des Wildlife Crime Technology Projects von WWF. „Dank dieser bahnbrechenden Technik sind sie in der Lage, Wilderer rund um die Uhr aus einer Entfernung von über eineinhalb Kilometern und in absoluter Dunkelheit aufzuspüren“, erklärt er weiter. „Das verschafft uns einen klaren Vorteil im Kampf gegen Wilderei in der Region.“

Colby Loucks präsentiert das FLIR-Kamerasystem im Masai Mara National Reserve.
Colby Loucks präsentiert das FLIR-Kamerasystem im Masai Mara National Reserve. © James Morgan/WWF-US

Laut TRAFFIC, einem Netzwerk zur Überwachung des Wildtierhandels, fallen jährlich ungefähr 30.000 Elefanten Wilderern zum Opfer. In nur zehn Jahren hat sich dadurch die Elefantenpopulation in Zentralafrika um 64 Prozent verringert. Deshalb stehen die Tiere jetzt auf der Roten Liste der Internationalen Union zur Bewahrung der Natur und natürlicher Ressourcen (IUCN).

Ein Elefant in der Masai Mara, Kenia.
Ein Elefant in der Masai Mara, Kenia. © James Morgan/WWF-US

Das Horn der Nashörner soll gegen Krebs helfen

Die Nashornpopulation ist gleichermaßen betroffen. Nach dem Jahr 2007, in dem nur 13 Nashörner getötet wurden, ist die Wilderei aufgrund der Nachfrage aus Vietnam drastisch angestiegen. In dem südostasiatischen Land werden den Hörnern medizinische Eigenschaften zugeschrieben – einschließlich den Fähigkeiten, bei Kater und sogar bei Krebs zu helfen. Dies ist aber wissenschaftlich nicht belegt.

Ein Nashorn in einem Naturschutzgebiet in Zentralkenia.
Ein Nashorn in einem Naturschutzgebiet in Zentralkenia. © James Morgan/WWF-US

Laut Angaben von TRAFFIC haben Wilderer im Jahr 2014 1.299 Nashörner getötet. Im darauffolgenden Jahr waren es bereits 1.305 Tiere. Deshalb wird das weiße Nashorn nun als „potenziell gefährdet“ und das schwarze Nashorn als „kritisch gefährdet“ eingestuft.

Technik als Retter in der Not

Im Jahr 2012 erhielt der WWF eine Förderung von rund 4,7 Millionen Euro aus der gemeinnützigen Stiftung von Google. Für dieses Geld sollte eine Lösung entwickelt werden, mit der die Krise in Angriff genommen werden kann. In Zusammenarbeit mit FLIR entwickelte das Team Technologien, einschließlich Wärmebildkameras und Personenerkennungssoftware, mit denen Wilderer bereits frühzeitig erkannt werden. Auf diese Weise lassen sich die zuständigen Behörden rechtzeitig alamieren.

Nach Fertigstellung der Technik tat sich die Gruppe für Feldversuche mit Rangern des Mara Conservancy in Kenia und dem Kenya Wildlife Service zusammen. Im März 2016 wurde das Programm im Masai Mara National Reserve und in weiteren Gebieten Kenias umgesetzt. „Die Ranger sind begeistert von der neuen Technik“, so Loucks. „Sie macht ihre Arbeit sicherer, da sie wissen, auf was sie sich einstellen müssen – beispielsweise, ob die Wilderer mit Schusswaffen ausgestattet sind oder nicht.“

Installation einer Solaranlage für das FLIR-Kamerasystem.
Installation einer Solaranlage für das FLIR-Kamerasystem. © James Morgan/WWF-US

Software erkennt Wärmesignaturen

Mit dem Überwachungssystem können die Ranger nächtliche Aktivitäten im gesamten Gebiet in Echtzeit über Monitore in mobilen Einheiten beobachten. Infrarotkameras auf den Fahrzeugdächern übertragen Live-Bilder von sich bewegenden Körpern, die Wärme abgeben. Die Software unterscheidet dabei zwischen tierischen und menschlichen Wärmesignaturen.  So sind die Ranger auch nachts darüber informiert, wie sie sich den Wilderern nähern müssen.

Ein Ranger der Anti-Wilderer-Einheit testet das neu installierte mobile FLIR-Kamerasystem.
Ein Ranger der Anti-Wilderer-Einheit testet das neu installierte mobile FLIR-Kamerasystem. © James Morgan/WWF-US

„Es ist wirklich bemerkenswert, dass unsere Ranger in der Lage sind, potentielle Wilderer auf große Entfernung auszumachen“, so Brian Heath, Leiter des Mara Conservancy. „Die letzten drei Wilderer, die unser Team festgenommen hat, waren von der Art und Weise, wie sie aufgespürt wurden, vollkommen überrumpelt“, sagt er. „Normalerweise schleichen sie sich einfach davon, wenn sie in einen Hinterhalt geraten. Jetzt erfassen wir ihre Wärmesignaturen und nehmen sie fest.“

Drohnen als Augen im Himmel

Innerhalb von neun Monaten konnten die Ranger dank des Überwachungssystems über zwei Dutzend Wilderer im Masai Mara und zwei weitere in einem zweiten Gebiet festnehmen. Laut Loucks hat sich laut den Aussagen der Ranger ihre „Stärke vervielfacht“, seit die Kameras ihnen einen größeren Überblick verschaffen. „Die Technik arbeitet so effizient, dass die Ranger durch bestimmte Bereiche des Parks nicht mehr patrouillieren müssen“, führt er aus. „Es hat sich gezeigt, dass es eine überaus abschreckende Wirkung auf Wilderer hat.“

Ranger der Anti-Wilderer-Einheit der Mara Conservancy im Masai Mara National Reserve.
Ranger der Anti-Wilderer-Einheit der Mara Conservancy im Masai Mara National Reserve. © James Morgan/WWF-US

Im Oktober 2016 führte WWF ein zweites Pilotprojekt in Simbabwe und Malawi ein. Dabei kommen Drohnen mit Wärmebildkameras zum Einsatz, die von professionellen Drohnen-Piloten gesteuert werden. Sie sind bisher über tausend Einsätze geflogen und haben so zur Bekämpfung von Wilderei beigetragen. Da es sich bei diesen technischen Anstrengungen um Pilot-Programme handelt, sammelt WWF noch Daten, um deren Wirkung in Zahlen fassen zu können. Bisher wurden mithilfe des Überwachungssystems mehr als 100 Wilderer festgenommen. Loucks erläutert, dass der nächste Schritt darin bestehe, diese Modelle weiterzuentwickeln, um die Technik in weiteren Wildparks und Naturschutzgebieten einzusetzen. „Über kurz oder lang hoffen wir, das Modell zuerst auf ganz Afrika und anschließend auf Asien zu erweitern“, so Loucks. „Unser Ziel ist es, Tiere mithilfe von Technik auf der ganzen Welt zu retten.“

Artikel empfehlen

Zugehörige Themen

Technische Innovation

Als Nächstes lesen