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Seasteading Institute: Erste schwimmende Stadt soll 2019 entstehen

Hans-Martin Durst Autor, Hemd & Hoodie

Gegen die Bedrohung durch steigende Meeresspiegel will das kalifornische Seasteading Institute Großstädte auf schwimmenden Plattformen errichten.

Wasser hat zwar laut Sprichwort keine Balken, dafür sollen aber schwimmende Plattformen ab 2019 ganze Städte tragen. Diesen Plan will das kalifornische Seasteading Institute in den südpazifischen Gewässern von Französisch-Polynesien umsetzen. Denn durch den steigenden Meeresspiegel könnte das aus 118 Inseln bestehende französische Überseegebiet künftig zwei Drittel seines Territoriums verlieren. Die schwimmenden Siedlungen sollen dafür sorgen, dass die Einwohner nicht aus ihrem eigenen Gebiet in andere Länder fliehen müssen.

Geschützt von einem künstlichen Riff in Ringform soll zunächst ein Netzwerk aus elf quadratischen und fünfeckigen Stahlbeton-Plattformen entstehen. Diese lassen sich laut der Planung des Seasteading Institutes immer wieder neu anordnen und können Bauten mit bis zu drei Stockwerken rund 100 Jahre lang tragen. Dafür müssen die Plattformen eine Kantenlänge von mindestens 50 Metern haben, heißt es im Machbarkeitsbericht des niederländischen Ingenieurbüros Deltasync. Neben Wohn- und Bürogebäuden, Hotels und Grünflächen wird die Stadt auch über Aquakulturen, Forschungseinrichtungen und umweltfreundliche Anlagen zur Energiegewinnung verfügen.

Seasteading Institute plant Millionenstadt

Letztere sind essenziell, denn die Umweltverträglichkeit des rund 156 Millionen Euro teuren Projekts ist Voraussetzung dafür, dass die Regierung von Französisch-Polynesien eine Baugenehmigung erteilt. Des Weiteren muss das Seasteading Institute belegen, dass es mit seinen Plänen das Wachstum der örtlichen Wirtschaft fördert. Instituts-Geschäftsführer Randolph Hencken weist deshalb darauf hin, dass die schwimmende Stadt ein Anziehungspunkt für Touristen sein wird. Außerdem sollen die verschiedenen Forschungseinrichtungen Arbeitsplätze für die Bewohner Tahitis und der anderen Inseln Französisch-Polynesiens schaffen.

Stadt-Entwürfe des Seasteading Institutes.
Stadt-Entwürfe des Seasteading Institutes. Gif: The Seatsteading Institue – Artisanopolis (Montage)

So plant das Seasteading Institute, dass 2020 bereits 250 bis 300 Einwohner in der schwimmenden Stadt leben und arbeiten. Im Jahr 2050 sollen es bereits mehrere zehn Millionen sein, die sich auf hunderte Plattformen verteilen. Kritiker wie der tahitianische TV-Moderator Alexandre Taliercio gehen jedoch davon aus, dass das Institut nicht umsonst die Finanzierung allein übernimmt. Er fürchtet, dass nicht der Umweltschutz, sondern die Vermeidung von Steuern oberstes Ziel sein könnte. Schließlich hat das von Silicon-Valley-Investor Peter Thiel unterstützte Institut angekündigt, die schwimmende Stadt auch zum Ausprobieren neuer Regierungsformen zu nutzen.

Cover-Foto: The Seasteading Institute – Roark3D (CC BY 4.0)

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