Lifestyle

Strafzettel per Klick: Digitale Jagd auf Falschparker

Sabine Berger Autorin, Hemd & Hoodie

Eine britische Parkfirma bietet eine App an, mit der Privatpersonen Falschparker anzeigen können – und dafür sogar monetär belohnt werden.

Das Missverhältnis von Autos und vorhandenen Parkflächen ist in vielen Städten ein anhaltender Grund für Ärger. Für die einen, weil sie auch nach 15 Runden um den Block keine Lücke finden, für die anderen, weil ihre Einfahrt oder ihr privater Stellplatz zugeparkt wird. Die britische Firma UK Car Park Management (CPM) will das Problem der Falschparker nun mit Hilfe eines Onlineservices lösen – könnte damit jedoch noch mehr Öl ins Feuer gießen.

Über die App „i-Ticket“ oder die Website des Unternehmens können Privatleute Halter von falsch geparkten Autos anzeigen – und das vollkommen anonym. Der Service funktioniert denkbar einfach. Nachdem sich der Nutzer registriert hat, bieten sich zwei Möglichkeiten: Entweder er meldet den gesichteten Falschparker einem CPM-Mitarbeiter vor Ort oder er lädt als Beweis ein Foto des Wagens und des Nummernschildes hoch.

Strafzettel per Mausklick

Steht das Auto auf einem von CPM betriebenen Parkplatz, hat die Firma das Recht, Strafzettel ohne Umweg über das Ordnungsamt auszustellen und wenn nötig den Abschleppdienst zu beauftragen. Der Clou an der Sache ist: Sobald der Verkehrssünder das Bußgeld von 60 GBP (ca. 70 Euro) bezahlt hat, kassiert der Zuträger eine Belohnung von zehn Pfund (ca. 11,50 Euro).

Die App von CPM ermöglicht Nutzern, Falschparker anonym anzuzeigen.
Die App von CPM ermöglicht Nutzern, Falschparker anonym anzuzeigen.

Die App richte sich insbesondere an Gewerbetreibende wie Restaurants oder Geschäfte, erklärt das Unternehmen, das englandweit Parkflächen für Krankenhäuser, Fitnessstudios oder Unternehmen wie McDonalds und Tesco betreibt. Deren Privatgrund werde in der Regel nicht von staatlicher Seite kontrolliert. Die App solle für sie eine Möglichkeit schaffen, selbst schnell und unkompliziert für Recht und Ordnung zu sorgen.

Verkehrssünder anzeigen leicht gemacht - mit der App i-Ticket.
Verkehrssünder anzeigen leicht gemacht – mit der App i-Ticket. Bild: iTunes – “UK Car Park Management LtdMontage

Der Royal Automobile Club (RAC) – das britische Pendant zum ADAC – betrachtet die Strategie von CPM allerdings äußerst kritisch. Wenn die Öffentlichkeit finanziell dazu angestachelt werde, falsch oder zu lange parkende Autofahrer anzuzeigen, sei der Ärger praktisch vorprogrammiert, befürchtet RAC-Sprecher Simon Williams. Er sieht in dem Vorgehen vielmehr das Bestreben der Firma, Kosten für eigenes Personal einzusparen und stattdessen andere die Arbeit machen zu lassen.

falschparker am pranger

Für CPM-Chef James Randall hingegen liegt das Problem nicht bei der App, sondern bei den unbelehrbaren Fahrzeughaltern. Falschparken sei Falschparken, da mache es schließlich keinen Unterschied, wer das Bild aufgenommen habe. „Jedes Beweisfoto wird zudem von einem Mitarbeiter überprüft, bevor ein Strafzettel verschickt wird“, so Randall.

Bereits einige Handyfotos reichen als Beweis für einen Strafzettel aus.
Bereits einige Handyfotos reichen als Beweis für einen Strafzettel aus. Bild: UK Car Park Management Ltd Montage

Dass Privatfirmen zivilrechliche Verfahren gegen Autohalter einleiten dürfen, ist in Großbritannien seit 2012 gesetzlich erlaubt. Obwohl dieser direkte Weg in Deutschland nicht gestattet ist, gibt es auch hierzulande ähnliche Versuche. So bietet Wegeheld.org eine App an, über die Falschparker und rücksichtslose Autofahrer gemeldet werden können. Anonym kann hierzulande aber keiner petzen, da das Ordnungsamt immer die Personalien des Zeugen benötigt – und dieser notfalls auch persönlich vor Gericht aussagen muss.

In Deutschland können Verkehrssünder über den Dienst Wegeheld gemeldet werden.
In Deutschland können Verkehrssünder über den Dienst Wegeheld gemeldet werden. Bild: Wegeheld Montage

Gerade in den sozialen Medien oder auf Plattformen wie eBay ist es heute durchaus üblich – und meist auch sinnvoll –, dass unerlaubte Tätigkeiten und Inhalte von jedem User anonym gemeldet werden können. Doch in der Gelegenheit, sich auch auf der Straße unerkannt als (vermeintlicher) Ordnungshüter zu betätigen, sehen einige sicherlich einen Freifahrtschein, um anderen das Leben schwer zu machen. Wenn dafür auch noch monetäre Anreize gesetzt werden, ist es mit der feinen englischen Art sicherlich schnell vorbei.

Artikel empfehlen

Zugehörige Themen

Lifestyle

Als Nächstes lesen