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TracoVino: Mit dem Internet der Dinge zum vollendeten Wein(genuss)

Marek Hoffmann Autor, Hemd & Hoodie

Südhang, Jahrgang, Abgang – Wein ist in fast aller Munde. Zwar ist Bier nach wie vor das mit großem Abstand beliebteste alkoholische Getränk in Deutschland. Seit der Jahrtausendwende wächst die Fangemeinde des Rebensaftes aber stetig an, während sich die des Gerstensaftes minimiert. Was die beiden Getränke jedoch gemeinsam haben, ist die ihnen jeweils eigene, sie auszeichnende Zutat, die sie zu dem macht, was sie sind: Die „Seele des Bieres“ ist der Hopfen, das „Herz des Weines“ die Traube.

Daher ist die hohe Ernte-Qualität dieser natürlichen Ingredienzen auch so enorm wichtig. Und die war seit 2003 für die Hopfenbauern nicht mehr so schlecht wie in diesem Jahr, in dem Hitze und extreme Trockenheit für Ernteeinbußen von bis zu 27 Prozent im Vergleich zum Vorjahr sorgten. Eine Leidensgeschichte, die Weinbauer weltweit fast auswendig aufsagen können und mit der sie sehr viel häufiger geplagt sind. Mit TracoVino – dem Internet der Dinge (IoT) für Winzer – könnte sich das nun schon bald ändern.

Der smarte Weinberg

Echtzeit-Informationen über Boden- und Klimaverhältnisse

Dieses solarbetriebene IoT-System kommt aktuell in einem Pilotprojekt im schönen Moseltal zum Einsatz, das im Juli dieses Jahres gestartet ist. Es wurde vom Nürnberger Unternehmen MyOmega entwickelt, und basiert auf dessen IoT-Plattform My NeXt Generation – kurz: MYNXG –, in dem Intel-Technologie zum Einsatz kommt. Die Plattform verbindet auf innovative Weise Sensornetzwerke, Smartphones, Netzwerkelemente des Mobilfunks sowie die Cloud. Die IoT-Komponenten von Intel sorgen dabei dafür, dass die gewünschten Daten ihren Weg nicht nur schnell, sondern zuverlässig und sicher vom Rebstock in den MYNXG-Controller, die Wolke oder das Smartphone der Winzer finden.

Hierdurch wird es den Weinbauern ermöglicht, in Echtzeit detaillierte Informationen über die Boden- und Klimaverhältnisse im Weinberg abzurufen: dazu zählen Angaben zur Feuchtigkeit und Temperatur von Luft und Boden sowie zur Intensität der Sonnenstrahlung und der Lichtstärke. Weitere Sensoren geben zudem Auskunft über die Blattfeuchte und die im Boden vorherrschenden PH- und Nährstoffwerte. Auf Basis dieser Daten können wichtige Analysen und Voraussagen erstellt und rechtzeitig notwendige Maßnahmen ergriffen werden, um die optimale Qualität der Reben zu garantieren. “Die verschiedenen Sonden geben mir schnell eindeutige Informationen, die mir helfen zum Beispiel das Wassermanagement zeitnah umzusetzen beziehungsweise einen Abgleich der Daten mit den Erfahrungen aus den Kenntnissen des natürlichen Bewuchses zu Erstellen”, so Theo Hart vom Weingut Haart, der zu den frühen Testern des Systems gehört.

Der Winzer kann darüber hinaus jederzeit Prognosen über den Zustand seiner Weinberge, möglichen Schädlingsbefall oder die zu erwartende Qualität und Quantität abrufen und dadurch den am besten zur Düngung geeigneten Zeitpunkt oder die genau Dosis an benötigten Pflanzenschutzmitteln bestimmen – was vor allem der Umwelt zugutekommt. Zudem können kurz- und mittelfristig benötigte Ressourcen und notwendige Arbeiten mit ausreichend Vorlaufzeit geplant werden. “Durch die klimatischen Veränderungen kann man sich im Weinbau einfach nicht mehr auf den Schnitt der letzten Jahre verlassen. TracoVino kann es uns ermöglichen zeitlich besser zu planen und Arbeitsschritte sinnvoller zu gestalten. Wir sind begeistert von den Möglichkeiten und sind sehr gespannt auf erste Erfolge”, so Kilian Franzen vom Weingut Franzen. Durch das Remote Monitoring und die hierdurch in Echtzeit verfügbaren Daten können etwaige Aktion von den Winzern sogar von unterwegs veranlasst werden.

Weinrebe – die wetterfühlige Diva 

Weinbau bislang meist analoge Angelegenheit

Was für manch einen „konservativen“ Wein-Fan auf den ersten Blick wie ein Anachronismus wirken könnte, ist eine normale Entwicklung, bei der die moderne Technik in alle Bereiche des Lebens Einzug hält. Längst stampfen die Winzer die Trauben nicht mehr wie zu Cäsars Zeiten mit ihren Füßen, sondern benutzen für ihre Kellerarbeit pneumatische Membranpressen, Vakuumfilter oder temperaturgesteuerte Edelstahltanks. Und vormals isolierte Systeme vernetzen sich über das Internet.

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Der Anbau von Rebstöcken war bislang jedoch eine weitestgehend analoge Angelegenheit, bei der es vor allem auf das Wissen und die Erfahrung des Winzers ankam – und eine exakte Wettervorhersage. Denn die sensiblen Pflanzen sind dem Klima des jeweiligen Anbaugebiets ausgesetzt, dynamische Schwankungen der Witterung wirken sich auf die Menge und Qualität des Weines aus. Der Profi muss daher genau entscheiden, wie und wann er im Weinberg aktiv wird. Zu wissen, welche Eckdaten dort gerade vorherrschen, ist für ihn daher absolut entscheidend. Das Problem hierbei ist allerdings: Wenn die Wetterstation sich nicht gerade inmitten der Rebstöcke befindet, erhält der Winzer keine akkuraten Daten, eine genau Repräsentation des im Weinberg vorliegenden Klimas ist nicht möglich. Mit Hilfe von TracoVino ändern sich diese Vorzeichen jetzt zum Positiven für die Winzer.

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Intel-Technologie als ideale Basis

Leistungsstarkes Gesamtpaket befindet sich bereits im Einsatz

Denn das System stellt eine faktenbasierte und zuverlässige Informationsbasis inmitten seiner Rebstöcke dar, die ihn in seiner Beurteilung und den daraus resultierenden notwendigen Maßnahmen unterstützt. Die über Sensorplattformen erfassten Daten werden an den MYNXG-Controller übertragen und können vom Winzer von dort bequem per Smartphone-App abgerufen werden. Mit ihr werden Messstellen per Kartenansicht und Satellitenfotos dargestellt und können so schnell zugeordnet werden. Datenverläufe werden übersichtlich präsentiert und geben detaillierte Informationen zur aktuellen und historischen Situation vor Ort im Weinberg.

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Ohne Intel-Technologie wäre diese einfache, unkomplizierte und sichere Verwendung des Systems allerdings kaum möglich. MyOmega hat hierfür auf Basis der Intel XMM 7160 LTE Plattform Cloud-Services und Secure Network Connections entwickelt. Für den MYNXG-Controller dient ein Intel Atom System-on-a-Chip als Basis, das mit seinen vier Prozessorkernen nicht nur hochperformant, sondern zugleich extrem sparsam ist. Das leistungsstarke Gesamtpaket befindet sich bereits im Einsatz und wird von Weinbauern genutzt, von denen einige auf der Handelsblatt Top 66-Liste der besten deutschen Jungwinzer zu finden sind. In diesem Sinne: In (Traco)Vino veritas!

 

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