5G für alle: So erhalten entlegene Gegenden einen Internetzugang

Unter Berücksichtigung sozioökonomischer Aspekte bringen Experten ländliche Räume ohne Internetzugang ans Netz.

Smartphones sind in unserem Alltag allgegenwärtig und ein Leben ohne sie scheint kaum mehr vorstellbar. Allerdings gibt es in vielen Teilen der Welt noch immer einen sehr hohen Bevölkerungsanteil, der weder einen mobilen noch stationären Internetzugang hat. In China beispielsweise sind es 54,2 Prozent, in Thailand 71,6 Prozent und in Bangladesch sogar 93,2 Prozent. Laut einer Studie von McKinsey sind von der fehlenden Anbindung insbesondere ländliche Gebiete betroffen, da Faktoren wie etwa mangelnde Infrastrukturen eine Einführung erheblich erschweren.

Durch die Erforschung dieser Gegenden sowie den Einsatz neuer Technologien sollen nun jedoch Milliarden von Menschen ans Netz angebunden werden. Eine wichtige Rolle spielt dabei 5G, die nächste Generation der Funkverbindungen, die 2020 eingeführt werden soll. Sie ist darauf ausgerichtet, sichere Internetverbindungen für Privatgeräte und Maschinen sicherzustellen, die Cloud-Computing-Dienste in Anspruch nehmen.

Bereitstellung von Internet in ländlichen Gegenden oft unrentabel

Bislang ist es für etablierte Telekommunikations-Unternehmen jedoch wirtschaftlich eher uninteressant, ländliche Gegenden weltweit mit neuen Mobilfunkmasten zu versorgen. Aus diesem Grund befasst sich ein Team um Maria Bezaitis, einer leitenden Ingenieurin im Intel-Team für Markterkundung, mit aufstrebenden Anbietern drahtloser Internetdienste, die diese schnell und preisgünstig bereitstellen.

Internet-WiFi-
Mehr als die Hälfte der Menschheit hat keinen Zugang zum Internet.

„Diese Technologien können aktuell noch nicht mit 5G mithalten, zum Beispiel hinsichtlich der Geschwindigkeit. Aber so entstehen Infrastrukturen, die für Endverbraucher ein attraktives Service-Niveau zu niedrigen Kosten ermöglichen“, sagt Bezaitis. „Für Bevölkerungsgruppen und Gegenden mit schlechtem oder gar keinem Anschluss kann das ein sinnvoller Ausgangspunkt sein.“

Herausforderungen bei Bereitstellung einer Wireless-Infrastruktur in Indien

Ein Land, das von diesem reduzierten Ansatz profitieren könnte, ist Indien. Dort leben über drei Viertel der Bevölkerung in kleinen Dörfern, in denen es kein Breitband-Internet gibt. Um letzteres zu ändern, arbeitet Sundararajan Srinivasan, der leitende Direktor des Intel-Bereichs „Next Generation and Standards“ in Indien, gemeinsam mit dem India Institute of Technology Bombay (IIT) an einer Wireless-Infrastruktur.

Dabei gibt es einige große Herausforderungen. Zum einen leben große Teile der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze, darum muss der Betrieb des Breitbandnetzwerkes extrem kostengünstig sein. Zum anderen ist das Stromnetz in vielen Gegenden sehr unzuverlässig. Daher, so Srinivasan, müssten sowohl die Infrastruktur als auch die Endgeräte mit geringer Stromversorgung funktionieren.

Reduziertes 5G als Brückentechnologie

Um diese Hürden zu überwinden, setzt das Gemeinschaftsprojekt auf „Frugal 5G“ (reduziertes 5G), eine Aufwertung der drahtlosen 4G-Technologie. Diese ist zwar etwas langsamer, dafür aber auch weitaus kostengünstiger und immer noch in der Lage, die Bedürfnisse einer Breitband-Internet-Konnektivität abzudecken. „Wir sprechen trotzdem von 5G, da es die Kommunikation auf Gebiete ausweitet, die über keine oder nur eine sehr geringe Konnektivität verfügen“, sagt Srinivasan.

Mobilfunkmast
Das Errichten von Masten in ländlichen Gemeinden kann kostspielig sein, was die Erschließung dieser Gebiete erschwert.

Eines der zentralen Ziele des Projekts ist es zunächst Dienste zu ermitteln, die für die Dorfbewohner sein könnten. „Sobald die Dorfbewohner verstehen, was Breitband bedeutet, kann das einen positiven Kreislauf von Wachstum und Chancen in Gang setzen“, so Srinivasan.

Breitbandverbindung eröffnet zahlreiche Möglichkeiten

Ein Beispiel, an dem die Vorteile eines zuverlässigen Internets deutlich werden, ist ein im Jahr 2016 vom IIT Bombay in der Ortschaft Bahadoli eingerichteter Computer-Kiosk mit WiFi-Breitbandverbindung. Hier können die Dorfbewohner ihre Stromrechnungen bequem online bezahlen. Zuvor mussten sie zu diesem Zweck regelmäßig eine oftmals ganztägige Reise mit dem Bus zum Regionalbüro ihres Stromversorgers auf sich nehmen. Srinivasan ist sich sicher, dass von dieser Lösung noch viele weitere Dörfer in Indien profitieren könnten.

Ein Mann arbeitet mit einem Laptop
Mit einem Internetzugang könnten die Menschen auf dem Land ihre Waren und Dienstleistungen online vertreiben.

Auch dem Bildungssystem könnte eine verlässliche und erschwingliche Internetverbindung zugutekommen. Denn mit ihr könnten Lehrer in einer fernen Stadt Schüler in kleinen und abgelegenen Dörfern per Video unterrichten. Bislang müssen Schüler oft viele Kilometer bis zur nächsten Schule laufen, was laut Srinivasan zu sehr hohen Fehlquoten führt.

Internetzugang verbessert wirtschaftliche Chancen

Da Menschen in Entwicklungsländern oftmals viele kleinere Jobs haben, glaubt Susan Faulkner, leitende Forschungsassistentin im Team der Intel Markterkundung, einer Untergruppe des Bereichs „Next Generation Standards“, zudem, dass auch das Mikro-Unternehmertum in ländlichen Gebieten profitieren könnte. „Sie nutzen jede Möglichkeit, um Geld zu verdienen. Besserer Zugang zum Internet kann ihnen mehr Chancen für den Verkauf ihrer Waren oder Dienstleistungen ermöglichen.“

Mit zunehmendem Wissen um die Möglichkeiten von 5G, so die Hoffnung der Experten, würden die Menschen auf dem Land automatisch auf immer mehr Dienstleistungen drängen. Mittel- bis langfristig könne so ein Absatzmarkt entstehen, der auch für etablierte Telekommunikationsunternehmen interessant sei.

 

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