Sport

5G: Auf der Zielgeraden nach Pyeongchang 2018

Ein neuer Standard, große Partnerschaften und erfolgreiche Tests bringen 5G schneller voran als gedacht. Bei der Olympiade in Pyeongchang steht nun der Härtetest an.

Wenn Eiskunstläufer und andere Athleten in diesem Winter sportliche Höchstleistungen vollbringen, sollen Zuschauer die Darbietungen hautnah verfolgen können – auch, wenn sie nicht vor Ort sind. Intel und Partner aus dem 5G-Umfeld wollen den künftigen Funkstandard im Februar bei den 23. Olympischen Winterspielen in Pyeongchang in Südkorea für Medienstreaming einsetzen und so Wintersport intensiver erlebbar machen. Dank zahlreicher, über 5G-Technik vernetzter Ultra-High-Definition-Kameras können Fans die Sportler dann aus neuen Blickwinkeln erleben.

Damit soll gezeigt werden, wie hoch das Leistungsvermögen und die Zuverlässigkeit der künftigen Wireless-Technik ist und welche Nutzungsszenarien bestehen, so Robert Topol, General Manager von 5G Business and Technology bei Intel. Sein Team wird die Interoperabilität verschiedener Geräte mit der neuen Netzwerktechnik testen. Diese ist deutlich schneller und kann mehr Daten mit geringerer Latenz übertragen als aktuelle 4G-Netze.

FORTSCHRITTE DURCH 5G-STANDARD

„In den vergangenen Monaten konnten wir beobachten, wie die 5G-Entwicklung mit einem schnelleren Tempo voranschreitet“, sagt Topol. Ausschlaggebend hierfür ist die erste Einführung des 5G-Standards, genannt Non-Standalone (NSA) New Radio (NR), im Dezember 2017. Er legt das Fundament für 5G – so, wie es LTE für 4G getan hat. Der NSA-Standard, der im Dezember finalisiert wurde, soll die kommerziellen Tests und Implementierungen von 5G beschleunigen, während die Entwicklung des Standalone-5G-NR-Standards voranschreitet. Dieser soll gegen Mitte 2018 einsatzbereit sein, so Topol.

Die Standardisierung und erfolgreiche Tests bewirken ein schnelles 5G-Wachstum. Marktforscher prognostizieren, dass es in fünf Jahren weltweit eine Milliarde 5G-Verbindungen geben wird. Damit wird 5G diesen Meilenstein deutlich schneller erreichen als 4G. 2025 könnte es bereits 2,6 Milliarden 5G-Anschlüsse geben. 2017 konnte die Branche große Fortschritte bei Tests und Standardisierung erzielen, erklärt der Analyst Geoff Blaber.

PARTNERSCHAFTEN HELFEN WEITER

Dies könnte nach seiner Einschätzung dazu führen, dass 5G bereits vor dem ursprünglich anvisierten Start 2020 eingeführt werden kann. „Wenn ein Standard verfügbar ist, können Chip- und Infrastrukturhersteller ihre technischen Roadmaps anpassen und die Markteinführungsphase für neue Produkte verkürzen.“ Blaber zufolge lag der Schwerpunkt der 5G-Tests 2017 auf Funkzugangsnetzen – der Übertragung zwischen stationären Punkten. Die Branche wollte in erster Linie herausfinden, wie unterschiedliche Technologien zusammenarbeiten.

 5G könnte vielleicht schon vor dem ursprünglich anvisierten Start 2020 bereit sein.
5G könnte vielleicht schon vor dem ursprünglich anvisierten Start 2020 bereit sein.

Im September schloss Intel Partnerschaften mit Netzwerk- und Telekommunikationsunternehmen in Europa, um einige der ersten öffentlichen Live-5G-Netzwerke in dieser Region zu demonstrieren. Im Rahmen eines Tests wurde zu rund 2.000 Passagieren eines Kreuzfahrtschiffs, das im Hafen von Tallinn in Estland lag, eine 5G-basierte Datenverbindung hergestellt. Für einen anderen Test wurde ein gewaltiger Bagger über eine 5G-Netzwerkverbindung ferngesteuert. Dieses Szenario zeigte, wie sich Maschinen bei Einsätzen in einer gefährlichen Umgebung aus der Ferne bedienen lassen.

NÄCHSTES ZIEL: OLYMPIA 2020 IN TOKIO

„Der Umstieg von reinen Tests des 5G-Betriebs hin zur Entwicklung kommerzieller Dienste steht bevor“, sagt Topol. „Die tragende Struktur für all dies bildet leistungsstarke, für den Netzwerkrand und das Kernnetzwerk ausgelegte Computerfunktionalität, die auf Intels 5G-Technik basiert.“ Im November tat sich Intel mit anderen Branchenführern wie Toyota zusammen, um in Japan 5G-Technik und vernetzte Autos zu testen. Bei diesem Test kam die Intel GO 5G Automotive Platform zum Einsatz. Es wurden Datenübertragungsraten von bis zu einem Gigabit pro Sekunde für die 4K-Videokommunikation mit einem 30km/h schnellen Auto erzielt.

5G und Olympiade: 5G-Technik, das Design und die Funktionseigenschaften werden vernetzter Geräte verändern.
5G-Technik, das Design und die Funktionseigenschaften werden vernetzter Geräte verändern.

Im Zeitraum bis zu den Olympischen Spielen 2020 in Tokio „werden wir nicht nur die Weiterentwicklung vernetzter Autos und Smartphones, die 5G nutzen, sehen“, so Topol. „Auch anderweitige Verwendungszwecke, wie autonome Drohnenzustellung und Anwendungen für die Smart City werden kommen“, fährt er fort. „Die olympischen Stätten von Tokio werden eine neue Generation von Smart-City-Anwendungen präsentieren, und 5G wird das Fundament sein, das all dies ermöglicht.“

In Pyeongchang 5G ERLEBEN

Zu den imposantesten Möglichkeiten der 5G-Technik gehöre ihr Potenzial, die Kommunikation zwischen Maschinen zu ermöglichen und Kontextsensitivität zu schaffen, erklärt Topol. So könnte zum Beispiel eine Anzeigetafel 5G-Technik nutzen, um die angezeigten Inhalte auf die Suchen von Smartphone-Benutzern in der Nähe abzustimmen. Zudem könnte ein Netzwerk seine Kapazität automatisch an wechselnde Bedürfnisse anpassen. „Wenn ich eine Show oder ein Event auf meinem Smartphone streame, brauche ich nicht dieselbe garantierte Bandbreite und Geschwindigkeit wie ein autonomes Auto“, so Blaber. „In diesem Bereich werden 5G-Netzwerke viel intelligenter werden. Sie können Anpassungen vornehmen, um die Servicequalität mit den Bedürfnissen bestimmter Nutzungsszenarien abzugleichen.“

5Intel wird bei der Olympiade in Pyeongchang die 5G-Technik für Medienstreaming einsetzen.
Intel wird bei der Olympiade in Pyeongchang die 5G-Technik für Medienstreaming einsetzen.

Firmen lernen in jeder Testphase, wie 5G-Technik das Design und die Funktionseigenschaften künftiger vernetzter Geräte verändern könnte, erklärt Topol. Sein Team untersucht, wie Konsumenten mit der Technik interagieren und wie 5G-Funktionalität Änderungen des menschlichen Verhaltens bewirken könnte. Auch die Touchscreen-Technik hat bereits unsere Art der Interaktion mit Geräten verändert. Wenn 5G-Technik Verbindungen mit besserer Qualität und höherer Geschwindigkeit unterstützt (einschließlich direkter M2M-Kommunikation), werden Benutzer ihre Geräte vielleicht lieber mit Sprachsteuerung bedienen, sagt er.

„Wir werden früher oder später an einen Punkt gelangen, an dem Computertechnik allgegenwärtig ist und Umgebungen unsere Anwesenheit erkennen und darauf reagieren“, betont der Intel-Mitarbeiter. So wird uns zum Beispiel jede Form von Mediennutzung nahtlos begleiten – vom Heimnetzwerk zum Smartphone, unserem Auto oder dem Arbeitsplatz. Ob bei banalen Aufgaben im Alltag oder bei den Olympischen Winterspiele 2018 in Pyeongchang: Topol zufolge hat 5G das Potenzial, die Art, wie wir die Welt erleben, grundlegend zu verändern.

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