Allgegenwärtige Macher-Bewegung

Actroids: Hotel in Japan setzt auf Roboter-Personal

Marek Hoffmann Autor, Hemd & Hoodie

Es ist ja kein Geheimnis, dass im Land der aufgehenden Sonne Roboter hoch im Kurs stehen. Aber das Henn-na Hotel in Japan dürfte die Latte im kommenden Sommer noch um einiges höher legen. Denn wenn sich am 17. Juli die Türen und Hotelzimmer für die ersten Gäste öffnen, wird ein Teil der sie empfangenden Belegschaft nicht aus Menschen bestehen.

Stattdessen werden sich humanoide Roboter, sogenannte Actroids, um viele der Belange kümmern, die in einem Beherbergungsbetrieb gemeinhin so anfallen. Langfristig gesehen sollen über 90 Prozent der Hotel-Services bei Henn-na von Robotern übernommen werden, kündigt Unternehmenspräsident Hideo Sawada an und visioniert: „Wir werden das effizienteste Hotel der Welt sein”.

Maschineller Service in vier Sprachen

Erster Prototyp wurde bereits im Jahre 2003 vorgestellt

Wie hoch das Mensch-Roboter-Verhältnis im Hotel-Team tatsächlich ausfallen wird, darüber schweigen sich die Verantwortlichen noch aus. Die Schätzungen gehen aber von jeweils zehn aus: Drei Actroids werden demnach die Rezeption hüten, vier im Service tätig sein, einer über die Garderobe wachen und die anderen beiden die Zimmer auf Vordermann bringen. Für alles andere sind dann ihre zehn humanoiden Counterparts verantwortlich.

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Etwas auskunftsfreudiger zeigt man sich hingegen in Bezug auf die Herkunft der Robo-Crew. Der Actroid wurde von der Universität Ōsaka entwickelt und ein Prototyp bereits im Jahre 2003 vorgestellt, der seitdem stetig weiterentwickelt wurde. Heute können sie unter anderem Gesten mit den Händen ausführen, auf die Augenbewegungen ihres Gegenübers reagieren und neben Japanisch und Englisch auch Koreanisch und Mandarin sprechen. Für ausländische Touristen sollten also die wichtigsten Verständigungsmöglichkeiten vorhanden sein.

Vertrautes Äußeres, fremdes Wesen

Actroids sollen wie junge japanische Frauen aussehen

An der Herstellung der Roboter sind insgesamt drei Unternehmen beteiligt: Aldebaran Robotics, Yaskawa und Kokoro. Letztgenanntes gehört zu Sanrio, das wiederum das hierzulande nicht unpopuläre „Hello Kitty“-Spielzeug vertreibt. Daraus nun aber Rückschlüsse auf das Aussehen der Roboter zu ziehen, wäre angesichts ihrer tatsächlichen Erscheinung ein Fehler.

Eyes

Aber auch wenn Kokoro das Äußere nicht Kitty-like gestaltet hat, so kommt diesem Unternehmen eine spezielle Rolle in Bezug auf die Erscheinung der Roboter zu: Es stellt nämlich alle weiblichen Robos her, die als Rezeptionistinnen die Gäste begrüßen – und die sollen wie junge japanische Frauen aussehen. Die Umgangsformen dürften die Damen in Perfektion beherrschen, die Frage ist nur, wie sich die Gäste dabei fühlen werden, mit Roboter-Personal umzugehen. Positive Beispiele existieren ja bereits, negative kennen wir zu Genüge aus Science Fiction-Filmen.

Unkonventionell und günstig

Hotel nutzt eine Art eBay-Bietverfahren bei drohender Auslastung

Die Actroids stellen sicherlich die größte Besonderheit des Hotels dar, es kann aber noch mit anderen unkonventionellen Dingen aufwarten. Beispielsweise einer Solaranlage auf dem Dach, die das Hotel zusätzlich mit Strom versorgt, einer Technologie zur Gesichtserkennung, die den Zimmerschlüssel ersetzt, oder einer Art eBay-Bietverfahren bei drohender Auslastung des Hotels.

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Die potenziellen Gäste dürfen sich dann gegenseitig bei dem Preis überbieten, den sie für ein freies Zimmer zu bezahlen bereit sind. Die durchschnittlichen Kosten für ein Einzelzimmer betragen dabei im Normalfall etwa 7.000 japanische Yen, das entspricht umgerechnet 52 Euro. Ein Doppelzimmer ist knappe 15 Euro teurer.

Ungewisse Zukunft durch „Veränderung mit Spitzentechnologie“

Roboter sind nicht nur dafür da, um den Komfort zu gewährleisten

Dafür, dass sich das zweistöckige, 72 Zimmer offerierende Hotelgebäude in einem Themenpark befindet – Huis Ten Bosch in Sasebo – sind die Preise durchaus moderat. Aus naheliegenden Gründen. Denn die Roboter sind nicht nur dafür da, um den Gästen einen gleichbleibend hohen Komfort zu gewährleisten, sondern sie sollen auch dabei helfen, die Betriebskosten zu drücken.

Park

Wer also bislang ohnehin schon orakelte, dass in der Gastronomie und Hotellerie früher oder später die Technologie den Menschen ersetzen könnte, dürfte diese Entwicklung mit tiefen Sorgenfalten betrachten. Und auch wenn die Verantwortlichen bei Henn-na mit dem Namen des Hotels eine positive Konnotation verbinden – „Henn“ ist Bestandteil des japanischen Wortes für „Veränderung“ –, und eine wichtige „Veränderung mit Spitzentechnologie“ der Hotelbranche proklamiert wird: durch Actroids könnten Arbeitsplätze wegfallen. Ohne Polemik und Ironie lässt sich aber sagen: Vielleicht würde hierdurch das Niveau der Dienstleister-Mentalität hierzulande und anderswo etwas angehoben. Denn letztlich werden die Gäste darüber entscheiden, ob ihnen ein Mensch oder ein Actroid lieber ist. Für Sparfüchse hat es aber was Gutes: Trinkgeld für das Service-Personal können sie sich bei Henn-na sparen…

Cover Foto, Bild 1, Bild 3 & Bild 4: Japan National Tourism Organization

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