Gesundheit

Adaptive Brille: Nie mehr neue Gläser dank eingebautem Autofokus

Hans-Martin Durst Autor, Hemd & Hoodie

Bald sollen Brillenträger nie mehr neue Gläser kaufen müssen. Denn die adaptive Brille passt sich dank Flüssiglinsen automatisch der Sehstärke an.

Verändert sich die Leistungsfähigkeit des Auges, ist nicht selten die Anschaffung kostspieliger neuer Brillengläser notwendig. Doch dieses Problem könnte bald Vergangenheit sein, denn eine neu entwickelte adaptive Brille stellt automatisch das scharf, was ihr Träger ansieht. Hierdurch soll auch das lästige Auf- und Absetzen der Lesebrille bei Altersweitsichtigkeit entfallen. Grundlage dafür sind zwei mit flexiblen Membranen umschlossene Glycerin-Linsen, die ihre Krümmung und damit ihre Vergrößerungsleistung verändern können.

Das funktioniert mittels dreier Servomotoren, die bei beiden Gläsern an der hinteren Membran sitzen und deren Wölbung steuern. Die dafür nötigen Daten erhalten die Motoren von einem Infrarotsensor im Brillensteg, der die Distanz zum Objekt misst, das scharfgestellt werden muss. Da der gesamte Vorgang nur 14 Millisekunden dauert, kann der Blick nahtlos zwischen kurzen und langen Distanzen wechseln. Beim ersten Aufsetzen muss der Nutzer die adaptive Brille per Bluetooth kalibrieren, indem er seine Dioptrienwerte in die dazugehörige Smartphone-App eingibt.

Adaptive Brille gegen Technik aus dem 18. Jahrhundert

Der für den Fokussierungsvorgang nötige Akku verfügt über eine Betriebszeit von rund 24 Stunden und steckt in der Brillenfassung. Letzteres ist der Grund, warum die adaptive Brille momentan noch recht klobig ist. Doch ihr Erfinder arbeitet bereits an einem schmaleren, leichteren und eleganteren Design. Dieses soll zudem technische Verbesserungen wie eine Eye-Tracking-Funktion beinhalten, um noch genauer zu erkennen, wo der Nutzer hinschaut.

Die adaptive Brille funktioniert mit Flüssiglinsen.
Die adaptive Brille funktioniert mit Flüssiglinsen. Bild: University of Utah College of Engineering – Carlos Mastrangelo

Eine marktreife Version könnte schon in drei Jahren verfügbar sein und dann zwischen 465 und 930 Euro kosten. Der Prototyp stieß bei seiner Vorstellung auf der CES 2017 bereits auf reges Interesse, berichtet Elektrotechnik-Professor Carlos Mastrangelo. Er konstruierte die adaptive Brille, weil er sein Navigationsgerät beim Autofahren nicht mehr ablesen konnte und keine Bifokalgläser tragen wollte. „Ich fragte mich, warum meine Sehschwäche mit einer Technik behandelt wird, die Benjamin Franklin erfunden hat“, sagt Mastrangelo. „Ich lebe doch nicht im 18. Jahrhundert.“

Cover-Foto: University of Utah College of Engineering – Dan Hixson

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