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Aerovelo Eta: So sieht das schnellste Fahrrad der Welt aus

Durch sein aerodynamisches Design erzielt das projektilförmige Fahrrad Eta ein Tempo, mit dem es sogar motorgetriebenen Fahrzeugen Konkurrenz macht.

Auf dem Weg ins Büro mögen manche Fahrradfahrer Bestzeiten erzielen, doch den Liegerad-Boliden Eta werden sie niemals schlagen. Denn die Spezialanfertigung des kanadischen Herstellers Aerovelo hat mit 144,17 Kilometern pro Stunde einen neuen Geschwindigkeitsrekord für Fahrzeuge aufgestellt, die mit Muskelkraft betrieben werden. Aerovelo-Gründer Todd Reichert errang auf einem Wüstenhighway in Nevada den Sieg in der diesjährigen World Human Powered Speed Challenge. Dabei halfen ihm nicht nur seine durchtrainierten Beine und sein Team, sondern auch die zur Minimierung des Luftwiderstands eingesetzten Konstruktionsprinzipien.

„Eta ist das erste Rad, dessen Design wir einzig auf Geschwindigkeit ausgerichtet haben“, erklärt Aerovelo-Mitbegründer Cameron Robertson. Es verfügt über einen niedrigen Schwerpunkt und einen Rahmen, der lediglich 25 Kilogramm wiegt. Die handgefertigten, extrem dünnen Reifen ragen nur acht Millimeter aus der stromlinienförmigen Karbonhülle heraus. Diese umschließt die gesamte Konstruktion und verleiht ihr das Aussehen eines Projektils. Da die enge Kapsel aus Gründen der Aerodynamik über keine Fenster verfügt, muss der Fahrer mittels eines Bildschirms navigieren, der mit den zwei winzigen Kameras an der Außenseite verbunden ist.

Käfer gefährdete Rekord des Eta

Doch nicht nur die Konstruktion des Fahrrads trug zum Erreichen der Rekordgeschwindigkeit bei: Der Wettbewerb findet alljährlich auf der Nevada State Route 305 statt, die als eine der ebensten Straßen der Welt gilt. Neben Wetter und Windgeschwindigkeit haben bei hohem Tempo auch Kleinigkeiten Einfluss auf Sieg oder Niederlage, wie das Aerovelo-Team feststellen musste: Eta verfehlte bei einem Versuch deshalb die Bestmarke, weil zunächst niemand den zerquetschen Käfer an der Karbonhüllenspitze bemerkte.

Nachdem der Fahrer seine Position eingenommen hat, verschwindet er unter der Karbonhülle.
Nachdem der Fahrer seine Position eingenommen hat, verschwindet er unter der Karbonhülle. Bild: AeroVelo

Allerdings geht es Aerovelo trotz der Freude über den Sieg nicht in erster Linie um das Brechen von Rekorden, wie Reichert hervorhebt. Das Team wolle stattdessen gängige Vorstellungen von Machbarkeit infrage stellen. Damit solle ein Bewusstsein dafür geschaffen werden, dass sich mit durchdachten Fahrzeugkonstruktionen scheinbar Unmögliches erreichen lässt. Nicht umsonst ist der Name des Fahrrads vom griechischen Symbol Eta abgeleitet, das im technischen Bereich den Wirkungsgrad bezeichnet: „Wenn Eta mit einem kleinen Motor ausgestattet wäre, hätte es einen Brennstoffwirkungsgrad von circa 0,03 Litern pro 100 Kilometer”, sagt Reichert. „Das wäre hundert Mal effizienter als ein heute als effizient geltendes Auto mit Verbrennungsmotor.“

Eta setzt die Muskelkraft des Fahrers effizient in Geschwindigkeit um.
Eta setzt die Muskelkraft des Fahrers effizient in Geschwindigkeit um. Gif: Youtube – AeroVelo inc.

 

Cover-Foto: AeroVelo

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