Besser leben mit Big Data

Algorithmus für Humor: Wie Computer lernen sollen, uns zum Lachen zu bringen

Humor ist eine zutiefst menschliche Eigenschaft. Was ihn ausmacht und wie er erzeugt wird, können selbst Psychologen nur schwer definieren. Worüber wir lachen und worüber nicht, ist individuell und lässt sich in den meisten Fällen nicht vorprogrammieren. Ist unser Sinn für Humor also bald das letzte Charakteristikum, das uns Menschen noch von den Computern mit ihrer wachsenden künstlichen Intelligenz (KI) trennt?

Trotz seiner schweren Fassbarkeit versuchen Ingenieure und Informatiker seit etwa zwei Jahrzehnten, Humor in Algorithmen umzusetzen, damit auch Maschinen uns endlich zum Lachen bringen können. Diese Versuche mündeten etwa in der witzeschreibenden Maschine Manatee oder dem Sarkasmus-Detektor SASI, die aber jeweils über den Status eines ausgefallenen Spielzeugs nie hinauskamen. Inzwischen geben zwar auch persönliche Assistenten wie Apples Siri auf bestimmte Fragen einigermaßen humorvolle Antworten. Doch davon, die Komik in spontanen Äußerungen und Szenarien zu verstehen, waren Computer immer weit entfernt – bis jetzt.

Algorithmen für Humor

Der Computer kann lustige Szenen erkennen

KI-Ingenieure der Virginia Polytechnic Institute and State University wollen nun auf diesem Gebiet einen entscheidenden Schritt getan haben. Im Rahmen einer Studie gelang es einem Team erstmals, einen maschinell lernenden Algorithmus so zu trainieren, dass er humorvolle Situationen erkennt und solche sogar selbst kreieren kann. Die Maschine könne genau sagen, wann eine Szene lustig sei und wann nicht, obwohl sie kein Wissen über den sozialen Kontext des Gesehenen besitze, erklärt der Leiter des Projekts, Arjun Chandrasekaran.

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Allerdings beschränkt sich diese Fähigkeit bisher auf gezeichnete Bilder. Die einfachen Szenen wurden mit einem ClipArt-Programm erstellt, das eine beschränkte Auswahl an Objekten bietet. Dazu gehören 20 menschliche Figuren unterschiedlicher Altersstufen mit beweglichen Armen und Beinen sowie acht verschiedenen Gesichtsausdrücken. Darüber hinaus enthält das Programm noch 31 Tierfiguren mit diversen Körperhaltungen sowie um die 100 Gegenstände wie Türen, Fenster, Tische, Wolken oder Bäume.

Big Data als Basis

Aussagekräftige Daten sind eine notwendige Grundlage

Anhand dieser Elemente wurde eine Datenbasis bestehend aus 6.400 Bildern erstellt – wovon die eine Hälfte komische, die andere Hälfte nicht komische Szenen zeigte . Der Computer sollte in einem ersten Schritt unter allen Bildern die lustigen erkennen und sie so verändern, dass sie den Betrachter nicht mehr zum Lachen bringen. Dazu wendete er die Strategie an, einzelne Tiere oder Personen durch Dinge zu ersetzen und den Szenen dadurch den Witz zu nehmen. Diese Aufgabe meisterte der Algorithmus mit einer 95-prozentigen Erfolgsquote. Die zweite Aufgabe bestand darin, ebenfalls durch Austauschen einzelner Objekte die neutralen Szenen in lustige zu verwandeln. Dies schaffte der Rechner allerdings nur in 28 Prozent der Fälle. Dieses Experiment verdeutlichte, dass es weitaus schwieriger ist, Humor maschinell zu erzeugen als ihn zu erkennen.

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Die Forscher betonten, dass die Leistung des Algorithmus im Wesentlichen von den Daten abhängt, die ihm zur Verfügung gestellt werden. Diese auszuwählen, sei bei einem subjektiven Sujet wie Humor jedoch alles andere als leicht. Dennoch sind auch andere Forscher, die sich mit künstlicher Intelligenz beschäftigen, der Meinung, dass Big Data der Schlüssel zu maschinellem Humor ist. „Viele Witze sind auf logischen Strukturen wie ähnlich klingenden Wörtern aufgebaut“, erklärt Vinith Misra, Ingenieur für das Kognitive System Watson bei IBM. Einmal mit sämtlichen Wörtern und ihren Bedeutungen versorgt, könne ein Computer anhand von Homonymen (Wörtern mit mehreren Bedeutungen) und Homophonen (ähnlich klingenden Wörtern) neue Wortwitze generieren. Dabei entstehen dann etwa Kalauer wie „Was macht ein Clown im Büro? Faxen“.

Humor auf einem basalen Level

Maschineller Humor ist nicht sehr komplex

Zwar erhalten Wörter mit doppelter Bedeutung in einem fremden Kontext oft eine gewisse Komik. Dennoch werden wenige bestreiten, dass guter Humor deutlich vielschichtiger und komplexer ist, als ein solches linguistisches Schema. Ein guter Scherz lässt sich nicht beliebig reproduzieren, sondern entsteht erst im Rahmen einer bestimmten Situation. Dabei spielen mehrere Faktoren zusammen, wie etwa die Charaktereigenschaften sowie die aktuelle Stimmung der beteiligten Personen. Aber auch deren Erinnerung an vergangene Erlebnisse oder ihre Erfahrungen beeinflussen, ob und wie eine lustige Situation entsteht.

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Diese Komplexität wissenschaftlich zu beschreiben, ist selbst der psychologischen Forschung noch nicht gelungen. Waren die antiken Philosophen wie Platon und Aristoteles noch überzeugt, dass Lachen ausschließlich zum Leidwesen anderer geschieht, sah Sigmund Freud darin ein Ventil für unbewusste oder unterdrückte Emotionen. Eine allgemeingültige Definition jedoch suchen Wissenschaftler bis heute vergebens. „Die Humorforschung genießt leider keinen besonders seriösen Ruf“, erklärt Rod Martin, Autor des Buches The Psychology of Humor. „Die meisten Wissenschaftler wollen sichergehen, dass ihre Arbeit ernst genommen wird und scheuen davor zurück, ein scheinbar unseriöses Thema anzugehen.“

Eine herausfordernde Aufgabe

Computer müssen Sprache und Emotionen verstehen

Solange es uns Menschen nicht gelingt, die Mechanismen von Humor zu erfassen, dürften auch die Maschinen weiterhin daran scheitern. Das individuelle Empfinden für Komik und die dafür notwendige Spontaneität stellen noch immer Hürden für künstliche Intelligenzen dar. Denn auch die intelligentesten Computer benötigen ein Programm, um Informationen zu verarbeiten. „Um Humor wirklich zu verstehen, müssen Computer in erster Linie natürliche Sprache verstehen lernen“, erklärt Julia Taylor, Informatikerin an der Purdue University. „In einem zweiten Schritt kommen anschließend die Gesichts- und Emotionserkennung hinzu.“

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Aktuelle Beispiele demonstrieren, wie weit die Entwicklung in diesen Bereichen bereits fortgeschritten ist: Roboter sollen bald nicht nur erkennen können, wie wir uns fühlen, sondern auch moralisches Handeln lernen. Das hat Trendforscher bereits dazu verleitet, den Beginn einer Roboter-Revolution auszurufen. Auf dem Gebiet des Humors befinden sich die Maschinen allerdings noch im Stadium eines Kleinkindes, das uns vielleicht mit plumpen Witzen oder ungewollter Komik zum Schmunzeln bringen kann. Mehr ist auf absehbare Zeit aber wohl nicht zu erwarten.

Bild 1: Arjun Chandrasekaran
Bild 3: Flickr – JD Hancock (CC BY 2.0)

Bild 4: Flickr – Paolo Tonon (CC BY-SA 2.0)

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