Allgegenwärtige Macher-Bewegung

Auf dem richtigen Weg: Pavegen verwandelt Boden in Strom-Generator

Marek Hoffmann Autor, Hemd & Hoodie

Man müsste bis gestern unter einem Stein im Marianengraben gelebt haben, um nicht mitzubekommen, dass die von uns so geliebte Mobilität – sowohl im Bereich der technischen Devices als auch Elektro-Autos – eng mit einer Abhängigkeit von frei zugänglichen, urbanen Stromquellen einhergeht. Wie beim Konzept vom Smart Grid, das eine der Hauptvoraussetzungen für ein Funktionieren der Elektromobilität darstellt, fehlt so etwas noch im Bereich der Always-on-Mobilität, auch wenn die Devices immer energieeffizienter und die Akkus immer ausdauernder werden.

Nun ist es aber nicht so, als gäbe es keine Ideen, wie man diesem Dilemma begegnen könnte. Wir haben hier im Magazin ja bereits über verschiedene berichtet, darunter den eTree, das Soofa oder den „Club Watt“ in Rotterdam. In ihm können die Disko-Besucher Energie erzeugen, indem sie beim Tanzen auf spezielle im Boden installierte Platten treten. Keine dumme Idee – und vor allem eine, die noch sehr viel weiter gedacht werden kann.

Energie liegt praktisch auf der Straße

“Alles auf der Straße, was auf Energie angewiesen ist, kann mit unserer Technologie verbunden werden“

Das im Jahr 2009 in London gegründete Unternehmen Pavegen verwendet seine 40×60 Zentimeter großen Platten beispielsweise auch auf Fußgängerwegen. Die durch die Passanten erzeugte kinetische Energie wird von ihnen aufgenommen, in Strom umgewandelt, in Batterien gespeichert und unter anderem dafür verwendet, Mobile Devices aufzuladen.

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„Die Energie wird für Straßenlichter, Werbung oder das Aufladen von Telefonen verwendet. Alles auf der Straße, was auf Energie angewiesen ist, kann mit unserer Technologie verbunden werden“, so der Gründer des Unternehmens, Laurence Kemball-Cook. Das erfolgt über eine spezielle, von Pavegen entwickelte API, die praktisch mit jeder Hard- und Software kompatibel ist und die erhobenen Daten bis zu 200 Meter weit über WLAN an den Empfänger übermitteln kann.

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Das Weiße Haus zählt zu den Kunden

Das neuste Projekt ist eines der prestigereichsten für das Unternehmen

Im Fokus stehen dabei solche Areale, wo das Fußgänger-Aufkommen besonders hoch ist. Das gilt vor allem für Infrastrukturobjekte wie Flughäfen und Bahnhöfe, aber ebenso für Behörden, Schulen, Einkaufsmeilen oder Sportarenen.

Die bisherigen Case Studies belegen, dass Pavegen an diesen neuralgischen Orten bereits Erfolge mit seinen speziellen Bodenfliesen feiern konnte. Dazu gehören der Vorplatz des Bahnhofs in der französischen Gemeinde Saint-Omer, der Flughafen Heathrow in London oder ein Fußballplatz in Rio de Janeiro. Das neuste Projekt ist vermutlich eines der prestigereichsten für das Unternehmen: 60 Bodenplatten wurden vor dem Weißen Haus in Washington, D.C., angebracht und sollen vor allem durch die Touristenströme täglich Dutzende Kilowatt generieren.

Schreckgespenst Datensammlung

Es liegt eigentlich auf der Hand, dass eine druckempfindliche Bodenplatte, die über den Aufdruck eines Fußes aufgeladen wird, diesen auch zählt. Und was dann mit den auf diesem Wege in Echtzeit gesammelten Daten passiert, hängt vermutlich ein wenig davon aus, wer die Platten finanziert hat.

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Denkbar ist beispielsweise eine Verwendung im Rahmen von Städteplanungen, für die das Personenaufkommen während eines bestimmten Zeitraums von Interesse sein könnte, beispielsweise in Hinblick auf den Ausbau von Fußgängerzonen, die beginnende Rush Hour an Bahnhöfen oder gar zur Bestimmung von Besucherzahlen bei öffentlichen Veranstaltungen und Kundgebungen.

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Das gilt ebenso für kommerziell ausgerichtete Ambitionen, bei denen die Zahl der Passanten eine Rolle spielt: etwa bei der Bestimmung von Mieten für Ladenräume, der Schätzung von potenzieller Laufkundschaft oder der Bestimmung von Laufwegen, was dann vor allem innerhalb der Geschäfte geschieht.

Künftige Anwendungen

Die Vision des Unternehmensgründers ist zwar ambitioniert, aber zugleich vielversprechend: Bereits in drei Jahren sollen die Bodenfliesen weltweit und in großem Stil Verwendung finden, wodurch ein Produktionspreis ermöglicht werden soll, der auf dem gleichen Niveau wie der von normalen Bodenfliesen liegt. In den letzten fünf Jahren sei es bereits gelungen, die Kosten deutlich zu senken. Aktuell befindet sich das Unternehmen auf der Suche nach Investoren, die bereit sind, das bereits mit über einem Dutzend Auszeichnungen bedachte Team bei der Gestaltung der Zukunft zu unterstützen.

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Gleichzeitig wird an eine Verlagerung vom Fußgängerweg auf andere Bereiche gedacht, etwa Treppenstufen oder die Fahrbahn. Denn was Menschen mit ihren Füßen können, können Autos mit Reifen auch: kinetische Energie erzeugen. Das dürfte aber noch ein wenig länger auf sich warten lassen.

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