Augmented Humans: Implantierter Chip soll Alltag erleichtern

Ohne Schlüssel die Haustür öffnen oder das Auto starten und nie wieder eine Bonuskarte herauskramen müssen – ein Chip unter der Haut macht all dies möglich.

Hannes Sjoblad ist Chief Disruption Officer bei einem Stockholmer Unternehmen, das sich Innovationsförderung auf die Fahne geschrieben hat. Seine Mission ist es, das Leben von Menschen durch Technik positiv zu beeinflussen. Bereits seit über zwei Jahren trägt er einen Near Field Communication (NFC)-Chip in seiner Hand. Die Narbe ist nicht mehr zu sehen und niemand würde ahnen, dass der 40-jährige Schwede ein Implantat hat. Und doch: Er ist ein Pionier auf dem Gebiet des technisch erweiterten Menschen.

Nach eigener Aussage möchte der Body-Hacker nicht nur über Technologie sprechen, sondern sie leben. „Mit dem Chip kann ich meine Visitenkarte ganz einfach überreichen und sie ersetzt auch meinen Autoschlüssel, meinen Ausweis fürs Büro und sogar meine Mitgliedskarte fürs Fitnessstudio“, sagt er. „Doch das ist erst der Anfang. In den nächsten fünf Jahren wird sich da ganz sicher noch einiges tun. Große Unternehmen werden bei ihren Innovationen Chips miteinbeziehen“. Zudem könne er sich vorstellen, dass Menschen künftig Chips verwenden, um mit der Bahn zu fahren, einzukaufen oder auf ihre Patientenakten zuzugreifen.

Chip-Implantation angeblich nahezu schmerzfrei

Mit seiner Begeisterung für implantierte Technik ist Sjobald nicht alleine. Auch eine Frau, die ein Start-up-Unternehmen leitet, das Chips für Tiere herstellt, hat sich selbst einen einpflanzen lassen. Sie wollte am eigenen Leib erfahren, wie sich diese bei einem solchen Vorgang fühlen. Als der Vordenker bei einer Visite jedoch versucht, ihren Chip per Smartphone zu konfigurieren, gibt es Schwierigkeiten mit der Koppelung. Offenbar stellen Winkel und Entfernung eine Herausforderung dar.

Als er den Chip unter der Haut konfigurieren möchte, steht Hannes Sjoblad vor einem Problem.

Zumindest soll der „chirurgische Eingriff“ laut den Teilnehmern einer „Implantations-Party“ nahezu schmerzfrei sein. Diese ließen sich im Rahmen der Veranstaltung „Future en Seine“ von einem Tattoo- und Piercing-Spezialisten einen Chip einsetzen. Die durchschnittlichen Kosten für die Mini-OP liegen zwischen 80 und 200 Euro. Sollten die Teilnehmer des Experiments ihre Entscheidung bereuen, muss die subkutane Technologie unter ärztlicher Aufsicht wieder entfernt werden.

Spätfolgen noch nicht absehbar

Dies ist allerdings nicht der einzige Grund, warum man sich eine Implantation gut überlegen sollte. Bislang ist beispielsweise noch nicht absehbar, ob die Funkwellen sendenden Fremdkörper langfristige Folgen haben. Zudem speichern sie viele persönliche Informationen und hinter dem Thema Datensicherheit steht bei ihnen nach wie vor ein großes Fragezeichen.

Ob sich Biowearables irgendwann flächendeckend durchsetzen, ist derzeit nur schwer vorherzusagen. Viele Experten zeigen sich skeptisch. Hannes Sjobald allerdings ist optimistisch. Er schätzt, dass neben ihm selbst schon heute rund 2.000 Menschen einen Chip unter der Haut tragen.

 

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