Ballsport 2.0: Wenn virtuelle und reale Welt ineinander greifen

Dank eines Systems von Disney Research ist es nun möglich, einen echten Ball in der virtuellen Realität zu fangen. Das könnte auch den Ballsport verändern.

Auf den ersten Blick scheint das vor Kurzem von Disney Research veröffentlichte Video ziemlich unspektakulär. Ein Mann trägt ein Virtual-Reality(VR)-Headset und fängt dabei einen Tennisball. Doch diese Szene veranschaulicht einen durchaus nennenswerten Fortschritt in der Entwicklung der VR-Technologie: Objekte aus der realen Umgebung lassen sich immer besser in die Virtuelle Realität integrieren, wodurch Interaktionen zwischen den beiden Welten möglich werden.

Bei dem Experiment von Disney Research werden die Bewegungen des Balls, der zwischen zwei Personen hin und her geworfen wird, analysiert. Mithilfe des Unscented Kalman-Filters konnten die Wissenschaftler die Flugbahn des Balls exakt vorherbestimmen, auf der er sich auf den Mann mit dem VR-Headset zubewegte. Dank verschiedener Flugbahnberechnungen weiß der Benutzer also schon vorher, wo der Ball sehr wahrscheinlich ankommen wird.

ballsport der zukunft

Doch wer kleine Kinder – oder auch Erwachsene mit wenig Ballgefühl – beobachtet, weiß, dass das Fangen eines Balls schwieriger ist, als es aussieht. Die Bewegung erfordert eine gute psychomotorische Koordination, bei der Gehirn, Beine, Hände und oft sogar der ganze Körper zusammenarbeiten müssen. Die vorausschauende Visualisierung verbessert zwar die Wahrnehmung des Benutzers, aber beeinflusst unter Umständen auch seine Vorgehensweise beim Fangen des Balls.

Das System von Disney kann die Chancen, bei Ballsportarten zu gewinnen, deutlich erhöhen – egal ob virtuell oder real. Auf den Spielfeldern der Zukunft, etwa beim Volleyball, Basketball, Handball oder sogar Tennis, könnten alle Spieler VR-Headsets tragen. Gewinnen würden dann nicht die talentiertesten Spieler, sondern diejenigen mit den besten IT-Entwicklern.

Nathalie Bloch-Sitbon

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