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Batband: Kopfhörer nutzen Knochenschall, um Sound im Ohr zu erzeugen

Marek Hoffmann Autor, Hemd & Hoodie

Knochenleitung oder auch Knochenschall bezeichnet die Weiterleitung von Schall-Schwingungen, die über den das Ohr umgebenden Schädelknochen direkt ins Innenohr gelangen. Der davor gelagerte Gehörgang sowie das Mittelohr werden dabei gleichsam umgangen. Jeder gesunde Mensch nimmt auch auf diese Weise Schall beziehungsweise Vibrationen und damit akustische Signale wahr. Aufgrund des hohen Schallwellenwiderstands des involvierten Schädelknochens werden diese aber durch die über die Luft übertragenen Töne, Klänge und Geräusche zu einem großen Teil überdeckt.

Es existieren aber bereits seit geraumer Zeit spezielle Hörgeräte, die sich dieses Prinzip zunutze machen. Sie werden bei Betroffenen eingesetzt, bei denen aus anatomischen Gründen anders geartete Hörhilfen nicht verwendet werden können. Die Kreativ-Schmiede Studio Banana Things zeigt mit ihrem Kickstarter-ProjektBatband“ nun noch einen weiteren Verwendungszweck auf.

https://www.youtube.com/watch?v=ozTiogpOol8

Knochenleitungsprinzip macht Lautsprecher obsolet

Akustische Signale für Außenstehende nicht hörbar

Was auf den ersten Blick aussieht, wie ein zu weit nach hinten gerutschter Haarreifen, sind Kopfhörer. Sie können via Bluetooth mit jedem beliebigem Mobile Device verbunden werden, um Musik abzuspielen oder zu telefonieren, wofür Batband auch über ein Richtmikrofon verfügt. Die Bedienung erfolgt über zwei Touch-Sensoren mittels intuitiver Gesten. Das Gerät besitzt einen USB-Port, über den der Akku aufgeladen wird, der bis zu acht Stunden Dauergeplauder oder sechs Stunden Musikhören ermöglichen soll.

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Das Besondere an Batband ist nun der Umstand, dass die Kopfhörer aufgrund des Knochenleitungsprinzips komplett auf Lautsprecher verzichten. Hierdurch wird der positive Effekt erzielt, dass nahezu alle akustischen Signale für Außenstehende nicht zu hören sind. Ob es nun der besonders laute Gesprächspartner am anderen Ende der Leitung oder ein Deichkind-Mix in Reallife-Konzert-Lautstärke ist – die Umwelt bekommt davon nichts mit. Nicht wenigen regelmäßigen U-Bahn-Nutzern dürften bei dieser Vorstellung gerade Freudentränen in die Augen schießen.

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Viele Fragezeichen

Träger nimmt mehr von seiner Umgebung wahr

Ein weiterer Vorteil von Batband ist die erhöhte Sicherheit für ihren Träger, wenn er sich beispielsweise musikhörend durch seinen Alltag bewegt. Denn ohne die fehlenden Lautsprecher frieren zwar die Ohren im Winter ein wenig mehr, als wenn sie von dicken Hörmuscheln umschlossen wären – die Person nimmt dafür aber auch mehr von ihrer Umgebung wahr. Ob es nun ein heranfahrendes Fahrzeug ist, das überhört oder ein Warnruf, der nicht rechtzeitig wahrgenommen werden könnte: durch die im wahrsten Sinne stets offenen Ohren werden dieses Signale trotz des aktivierten Batbands noch gehört. Das gilt im Übrigen auch für Gesprächspartner, wenngleich es schwierig sein dürfte, sich auf zwei Sound-Quellen gleichzeitig (gut) zu konzentrieren.

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Womit sich denn auch schon die entscheidende Frage nach der User Experience und Klangqualität stellt. Es ist leicht vorstellbar, dass es im günstigsten Fall einer gewissen Eingewöhnungszeit bedarf, bis das neuartige Hörerlebnis über den vibrierenden Knochen nicht mehr als fremd empfunden wird. Das gilt ebenfalls für das „Stereo-Hören“, welches durch das oben beschriebene Szenario entsteht. Fraglich ist dabei jedoch, inwiefern sich nicht doch Überlagerungen von Schallwellen ergeben und dadurch mögliche Verhüllungen einzelner Quellen entstehen. Und was die Qualität der über die Knochenleitung empfangenen Sounds betrifft, hüllt sich Studio Banana Things leider etwas in Schweigen. Bislang wird nur der Frequenzbereich von 300 bis 19.000 Hertz angegeben, was aber offenbar nur eine grobe Angabe zur Orientierung sein soll. Wie der Klang sich dann also beim fertigen Produkt „anfühlen” wird, bleibt abzuwarten.

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Hinzu kommt die Frage nach dem Tragekomfort. Damit das mit der Knochenleitung funktioniert, muss von Batband ein gewisser Druck auf den Schädelknochen ausgeübt werden. Da die Kopfhörer – die es nur in einer One-Size-Fits-All-Ausgabe geben wird – hierzu auch idealerweise immer an der gleichen Stelle getragen werden sollten, könnten vor allem an den Nervenbahnen rund um die Ohren Schmerzen auftreten, wie sie manch einer vom Brille-Tragen kennt. Auf lange Sicht könnte auch der Knochen selbst schmerzempfindlich werden. Wer das alles gerne herausfinden möchte, kann bei der – bereits erfolgreich finanzierten – Kickstarter-Kampagne einsteigen, die Kopfhörer auf der Hersteller-Seite vorbestellen oder abwarten, bis Batband in die Massenproduktion geht. Dann werden die Kopfhörer aber deutlich teurer sein: Aktuell sind sie für 125 US-Dollar zu haben, was etwa 110 Euro entspricht, beim voraussichtlichen Marktstart im April des kommenden Jahres sollen sie dann 250 Dollar kosten.

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Bilder: Studio Banana Things – Batband

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