Die Zukunft der Wearables

BeeLine: Der smarte Kompass für urbanes Fahrradvergnügen

Sabine Berger Autorin, Hemd & Hoodie

Wer in der Stadt mit dem Bike unterwegs ist, muss sich entweder auskennen oder sich den Weg von einem bekannten Kartendienst anzeigen lassen. Doch an jeder zweiten Kreuzung das Smartphone aus der Tasche zu kramen, ist besonders bei dichtem Stadtverkehr lästig und zudem gefährlich. Zwar gibt es diverse Navigationslösungen speziell für Fahrradfahrer, doch die GPS-Geräte mit Kartenanzeige sind eher auf Touren über Land ausgelegt und für den Alltagsradler relativ teuer. Eine Alternative sind Smartphone-Halterungen für die Lenkstange, die mittlerweile für kleines Geld zu haben sind, doch ein aktives Display verbraucht viel Akku und spätestens bei Regen wandert das Mobilgerät wieder in die Tasche.

Ein weiterer Nachteil ist, dass der Blick bei der Kartennavigation während der Fahrt lange auf dem Display ruht, was den Fahrer sowohl vom Straßenverkehr als auch von seiner Umgebung ablenkt. In der Regel geben die Systeme zudem die schnellste Route über unschöne Hauptverkehrsstraßen an, so dass die Fahrt eher zu einem gehetzten Rennen von Ampel zu Ampel anstatt zu einer gemütlichen Tour durch malerische Seitenstraßen wird. Fahrradfahrer werden immer mehr zu GPS-Zombies, die nur noch dem vorgegebenen Weg und nicht mehr der eigenen Nase folgen. Genau diesem Trend will das junge Londoner Start-up BeeLine (deutsch: Luftlinie) mit seinem smarten Navigationssystem entgegenwirken. Ein kleines Gadget am Lenker gibt nämlich lediglich die Richtung des Ziels an, überlässt die Wahl der Route aber dem Radler selbst.

Das Konzept der „Fuzzy Navigation“

Es wird nicht vorgegeben, wo der Fahrer abbiegen soll

Das uhrenähnliche Device für die Lenkstange funktioniert im Wesentlichen wie ein Kompass. Nachdem die Destination in der dazugehörigen Smartphone-App eingegeben wurde, erscheinen auf dem runden Display lediglich ein Richtungspfeil sowie die Distanzangabe zum Ziel. Während der Fahrt wird dem Radfahrer nicht vorgegeben, an welcher Kreuzung er genau abbiegen soll, sondern er kann spontan entscheiden, welchen Weg er einschlagen möchte – um das noch unbekannte Stadtviertel zu erkunden oder einfach dem dichten Verkehr zu entkommen.

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Mark Jenner und Tom Putnam, die Erfinder von BeeLine, nennen dieses Konzept „Fuzzy Navigation“, also unscharfe Navigation. „Unsere Idee war es, anstatt einer exakten Route nur einen Kompass zu haben, der eine grobe Orientierung verschafft“, erklärt Putnam, der selbst oft durch London radelt. „Wir haben verschiedene Varianten getestet, die den Fahrern mehr Information lieferten. Aber es stellte sich heraus, dass der Pfeil alleine super funktioniert und trotz der fehlenden Wegleitung niemand in Einbahnstraßen stecken blieb.“ Die beiden Briten sind überzeugt: Ohne eine konkrete Route – aber auch mit der Sicherheit, sich nicht zu verfahren – fangen die Menschen an, ihre Umgebung auszukundschaften und das Biken in der Stadt wieder mehr zu genießen.

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Leicht, energiesparend und wetterfest

Der Fahrradkompass passt an jede Lenkstange

BeeLine lässt sich dank eines flexiblen Silikonbandes im Handumdrehen an jedem Fahrradlenker anbringen. Das E-Paper-Display bietet auch bei unterschiedlichsten Lichtverhältnissen eine gut sichtbare Anzeige und bei Dunkelheit schaltet sich die automatische Hintergrundbeleuchtung ein. Die Richtungsangabe ist dadurch bereits aus dem Augenwinkel zu sehen und der Fahrer kann sich auf seine Umgebung und den Straßenverkehr konzentrieren. In der Einfachheit der Technologie sehen die Erfinder noch weitere Vorteile: BeeLine ist erschwinglicher als komplette GPS-Systeme und die Akkus halten bis zu vier Wochen durch, bevor sie über Micro-USB wieder aufgeladen werden müssen.

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Im Device aus robustem, wasserfestem Thermoplast verbergen sich ein Geschwindigkeitsmesser, ein digitaler Kompass, ein Gyrometer sowie ein Bluetooth-Empfänger. Die Sensoren dienen dazu, die Position während der Fahrt ständig neu zu berechnen und immer die korrekte Richtung sowie die verbleibende Distanz zum Ziel anzuzeigen. Die App ist mit Google Maps verknüpft und für alle iOS- sowie Android-Geräte erhältlich.

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Finanziert wurde das 2014 ins Leben gerufene Projekt über das Crowdfunding-Portal Kickstarter. Mehr als 3.000 Geldgeber investierten insgesamt rund 150.000 Britische Pfund, was knapp 204.000 Euro entspricht. Interessierte können sich nach wie vor beteiligen und BeeLine für 45 Pfund (etwa 60 Euro) vorbestellen. Damit erhalten sie 25 Prozent Rabatt auf den voraussichtlichen Verkaufspreis im Handel. Nach weiteren Testreihen im Frühjahr erfolgt die Auslieferung der ersten Geräte laut Hersteller im August 2016.

Bilder: BeeLine

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