Gesundheit

Bilder im Kopf: Forschern gelingt Zugang zur Traumwelt im Gehirn

Hans-Martin Durst Autor, Hemd & Hoodie

Experimente haben aufgedeckt, welcher Teil des menschlichen Gehirns das Träumen steuert. Messungen enthüllten sogar den Inhalt der Träume.

Unzählige Geschichten und Kunstwerke wurzeln in Träumen, doch der Zweck Letzterer ist wissenschaftlich gesehen immer noch ein Rätsel. Nun hat eine Forschergruppe einen großen Schritt zur Entschlüsselung dieses Geheimnisses gemacht und erstmals die für Träume zuständige Gehirnregion identifiziert. Dabei lieferten Messungen zudem Hinweise darauf, dass die Aktivitäten in den verschiedenen Teilen des Gehirns Rückschlüsse auf den Inhalt der Träume zulassen.

Um zu diesen Ergebnissen zu gelangen, zeichneten die Wissenschaftler mittels EEG-Elektroden die Gehirnaktivität von 32 schlafenden Probanden auf. Diese wurden zu verschiedenen Zeitpunkten während der Nacht geweckt, um zu berichten, ob sie geträumt hatten. Falls ja, sollten sie sich nach Möglichkeit an Inhalte erinnern und die Dauer des Traums einschätzen. Dabei zeigten die EEG-Messungen, dass Träume immer dann auftraten, wenn ein von den Forschern als heiße Zone bezeichneter Bereich in der hinteren Hirnrinde aktiv war.

Elektrostimulation soll Träume verändern

Durch Beobachtungen dieses Bereichs ließ sich mit einer Genauigkeit von fast 90 Prozent feststellen, ob ein Proband gerade träumte oder nicht. Künftige Experimente könnten aufdecken, wodurch sich die Aktivität in der heißen Zone verändert – und damit einen weiteren Baustein liefern, um einer Erklärung des Zwecks von Träumen näherzukommen. Zudem wollen die Forscher mit ihrer Arbeit dazu beitragen, das menschliche Bewusstsein zu ergründen. Denn der Wachzustand wird vermutlich ebenso von der heißen Zone gesteuert wie das Träumen. „Eine Untersuchung dieser Gehirnregion bei Wachkomapatienten könnte zeigen, ob diese noch über ein Bewusstsein verfügen“, sagt Forschergruppen-Mitglied Dr. Lampros Perogamvros.

Gehirnaktivitäten lassen Rückschlüsse auf den Inhalt von Träumen zu.
Gehirnaktivitäten lassen Rückschlüsse auf den Inhalt von Träumen zu. Gif: Giphy – UC researchMontage

Während ihrer Tests fanden die Wissenschaftler außerdem heraus, dass verschiedene Trauminhalte zusätzliche Teile des Gehirns ansprechen. Träumt ein Proband beispielsweise von Gesichtern, ist jener Teil des Gehirns aktiv, der auch im Wachzustand für Gesichtserkennung zuständig ist. Die Forschungsergebnisse könnten es in Zukunft ermöglichen, mittels Elektrostimulation durch die Schädeldecke Träume zu verändern, meint Christoph Nissen von den Universitären Psychiatrischen Diensten Bern. „Daraus ergibt sich Behandlungspotenzial für Patienten, die unter Schlafstörungen leiden oder unter Albträumen, die durch eine posttraumatische Belastungsstörung verursacht wurden“, fügt er hinzu. Neben neuen Therapieformen sollen es die Forschungsergebnisse in Zukunft ermöglichen, Träume als eine im Schlaf auftretende Bewusstseinsform zu definieren.

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