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Bionic Lens: Das mögliche Ende für Brillen und Kontaktlinsen

Marek Hoffmann Autor, Hemd & Hoodie

Vor etwa zwei Monaten hat eine Gruppe von Biohackern der Organisation Science for the Masses mit einem Selbstversuch für reichlich Furore gesorgt. Die Forscher verabreichten sich dabei Augentropfen, die den chlorophyllbasierten Farbstoff Chlorin E6 enthielten, und konnten damit eine deutliche, wenngleich zeitlich begrenzte Steigerung ihrer Nachtsicht erreichen. So war es ihnen beispielsweise möglich, bei völliger Dunkelheit einen 50 Meter entfernt vor einem Baum stehenden Menschen deutlich zu erkennen.

Während dieser Stunt von einem der teilnehmenden Forscher später selbst als „crap science“ bezeichnet wurde, könnte eine andere wissenschaftliche Entdeckung für mindestsens ebenso viel Durchblick sorgen, aber nachhaltiger sein: Ocumetic Bionic Lens. Dr. Garth Webb, aus British Columbia stammender Optometrist und Erfinder dieser speziellen Linse, verspricht mit ihrer Hilfe eine Steigerung der normalen Sehstärke um das Dreifache – und zwar bei nahezu jedem Menschen.

Biotech besser als Natur

Der notwendige Eingriff ist unkompliziert, schmerzlos und dauert nur acht Minuten

Seine aus biokompatiblen Polymermaterialien bestehende Linse könnte aber nicht nur Augenlasern, Brillen und Kontaktlinsen überflüssig machen, sondern zudem vor der als „Grauer Star“ bekannten Trübung der Augenlinse schützen, die einen langsamen Verlust der Sehschärfe zur Folge hat. Der Grund dafür ist, dass die menschliche Linse, die mit zunehmendem Alter schlechter wird,  komplett entfernt und durch ihr bionisches Pendant ersetzt wird. Der hierfür notwendige operative Eingriff ist recht unkompliziert, schmerzlos und dauert im Schnitt nur etwa acht Minuten. Denn die individuell angefertigte Linse, die sich eingerollt in einer mit Kochsalzlösung gefüllten Injektionsspritze befindet, wird mittels 7mm-Inzision nur im Auge platziert, wo sie sich innerhalb von zehn Sekunden selbst wieder entfaltet.

Im Prinzip gleicht die Prozedur jener bei der Behandlung des Grauen Stars und direkt im Anschluss daran verfügt die behandelte Person über eine verbesserte Sehstärke. Negative Folgen – etwa biophysikalisch bedingte Begleiterscheinungen in Form von Giftstoff-Aussonderungen – sind Webb zufolge ebenso nicht zu erwarten wie Nachteile, die bei der Verwendung anderer Kunstlinsen gelegentlich auftreten. Dazu gehören eine schwache Form von Doppelbildern, gemindertes Kontrastsehen oder eine Beeinträchtigung beim räumlichen Sehen.

Zwei Jahre bis zur Marktreife

„Verbesserung der Sicht, wie sie die Welt noch nie gesehen hat“

Webb ist davon überzeugt, dass seine Linse bei jedem Menschen über 25 – dann ist das Auge vollständig entwickelt beziehungsweise dessen Sehstärke stabil – zu einer perfekten Sehschärfe verhelfen kann. „Wenn Sie ohne die Bionic Lens einer Uhr in 10 Fuß Entfernung noch gerade so erkennen können, werden Sie sie mit ihr sogar noch in 30 Fuß Entfernung sehen können“, so Webb. Und er fügt hinzu: „Egal, in welch schlechtem Zustand sich die Augen befinden“, die Bionic Lens ermöglicht eine „Verbesserung der Sicht, wie sie die Welt noch nie gesehen hat.“

DR webb

So großartig das alles auch klingen mag, es bleibt eine gewisse Skepsis. Denn auch wenn Webb mit seinem Unternehmen Ocumetics Technology Corp. etwa acht Jahre und drei Millionen US-Dollar in die Forschung und Entwicklung seiner bionischen Linse investiert hat: Größere Unternehmen mit noch größeren Budgets suchten ebenfalls nach einer derartigen Linsen-Lösung, bislang allerdings mit mäßigem Erfolg. Es wäre natürlich nicht das erste Mal, dass David gegen Goliath als Sieger hervorgeht, aber eben auch nicht, dass sich eine als revolutionär angepriesene Lösung als Wunschtraum entpuppt.

Und selbst wenn die Linse tatsächlich hält, was Webb verspricht: Es stellt sich auch einem nicht Verschwörungstheorien-affinen Menschen die Frage, ob es möglicherweise von Seiten der Industrie – angefangen bei Augenärzten über Pharmaunternehmen bis hin zu Kontaktlinsen- und Brillenherstellern – ein gewisses Interesse daran geben könnte, die Sicht ihrer Klientel bewusst beschränkt zu halten. Wir werden es wohl in etwa zwei Jahren wissen. Denn dann sollten die notwendigen klinischen Prüfungen der Bionic Lens abgeschlossen sein. Ob sie allerdings nach einer möglichen Freigabe auch hierzulande verfügbar sein wird, steht wie immer bei solchen Dingen auf einem völlig anderen Blatt.

Bilder: Darryl Dyck – The Canadian Press   

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