Technische Innovation

Blue.cruiser: Neues Solarauto aus Bochum auf Weltrekord-Jagd

Von Solarzellen bis Ananasleder – Nachhaltigkeit steht bei dem Solar-Elektro-Hybrid thyssenkrupp blue.cruiser der der Hochschule Bochum im Vordergrund.

Wenn es um solarbetriebene Fahrzeuge geht, zählt das Ruhrgebiet zu den führenden Innovationsschmieden. Im Rahmen ihres SolarCar-Projekts beschäftigt die Hochschule Bochum eines der größten Teams weltweit in diesem Bereich. Rund 60 Studenten und Lehrkräfte entwickeln dabei gemeinsam mit Partnern aus der Industrie neue Solarfahrzeuge. 2012 hat einer der Wagen sogar die Welt umrundet und hält seither mit 29.753 Kilometern den Guinness-Rekord für die längste ausschließlich mit Sonnenenergie gefahrene Strecke.

Mit dem vor Kurzem vorgestellten thyssenkrupp blue.cruiser will das multidisziplinäre Team vor allem neue Maßstäbe in Sachen Design und Nachhaltigkeit setzen. Das viersitzige Sportcoupé wird von vier eigens entwickelten elektrischen Radnabenmotoren angetrieben. Den Strom dafür produzieren die fünf Quadratmeter Solarzellen, die auf der Oberseite des Wagens aufgebracht sind. Zusätzlich verfügt der blue.cruiser aber auch über einen Akku, der bei Bedarf über das herkömmliche Stromnetz aufgeladen werden kann.

Nachhaltigkeit als Ziel der Fahrzeugentwicklung

Die Verringerung des ökologischen Fußabdrucks steht aber nicht nur beim Antrieb des Solarautos im Fokus. Kamen bei den Vorgängermodellen noch Materialien wie Karbonfasern und Leder zum Einsatz, beschäftigte sich dieses Mal ein ganzes Team mit der Suche nach nachhaltigen Alternativen. Daher wurden im Innenraum des blue.cruiser nun hundertprozentig wiederverwertbare Naturfasern verarbeitet, wie zum Beispiel Piñatex, ein Lederersatz aus den Fasern von Ananasblättern.

Das Solarauto blue.cruiser besteht größtenteils aus nachhaltigen Materialien.
Das Solarauto blue.cruiser besteht größtenteils aus nachhaltigen Materialien. Bild: Hochschule Bochum – SolarCar-Projekt

Bereits zum dritten Mal entstand ein Solarauto der Bochumer in Kooperation mit dem Thyssenkrupp-Konzern. Dieser steuert seine Technologiekompetenz unter anderem in Form innovativer Stahl-Leichtbau-Konstruktionen bei, die beispielsweise bei der Karosserie oder den Stahlfelgen zum Einsatz kommen. Stahl hat den Vorteil, das Auto ohne Sicherheitsverlust besonders leicht zu machen. Zudem lässt es sich nahezu vollständig recyceln und trägt damit zur positiven Umweltbilanz des Wagens bei.

Perfekt Ausgestattet für die World Solar Challenge

Doch auch in Sachen Komfort hat der blue.cruiser – der sogar über eine offizielle Straßenzulassung verfügt – einiges zu bieten: Verbaut wurden zahlreiche moderne Features, die von Zentralverriegelung über Abstandswarner bis zum elektrisch-adaptiven Fahrwerk reichen. Diese Annehmlichkeiten dürften den Fahrern des Bochumer Solarcar-Teams bald zugutekommen. Vom 8. bis zum 15. Oktober wird der blue.cruiser seine Fähigkeiten bei der World Solar Challenge in Australien beweisen, in dessen Rahmen alle zwei Jahre die besten Solarautos gegeneinander antreten.

Der blue.cruiser wird bei der World Solar Challenge 2017 antreten.
Der blue.cruiser wird bei der World Solar Challenge 2017 antreten. Bild: Hochschule Bochum – SolarCar-Projekt

Die Höchstgeschwindigkeit des blue.cruiser beträgt zwar lediglich 120 Kilometer pro Stunde, doch für die Wertung in der Cruiser-Klasse zählen vornehmlich Faktoren wie Nachhaltigkeit, Effizienz und Zuverlässigkeit. Denn nur wer die 3.000 Kilometer von Darwin nach Adelaide ohne größere Pannen bewältigt, hat eine Chance, überhaupt in die Wertung zu kommen. Bleibt zu hoffen, dass das Wetter dem Team aus Bochum während der fünf Tage dauernden Fahrt wohlgesinnt sein wird und die eingebaute Sitzheizung nicht zum Einsatz kommen muss.

Cover-Foto: Hempel Photography – zerone Düsseldorf

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