Fashion

BlueTape: Immer die richtige Größe beim Online-Mode-Shopping

Beim Klamotten-Kauf scheiden sich die Geister und verteilen sich auf einem Kontinuum zwischen zwei extremen Polen: Die einen lieben es, stundenlang durch die City zu bummeln, nach Schnäppchen zu suchen, die Umkleidekabine zur Event-Location mit Tupperware-Party-Atmosphäre zu verwandeln und ihre Stoff-Trophäen in zu Tüten umfunktionierten Werbetafeln voller Stolz nach Hause zu befördern. Und die anderen hassen schlicht und ergreifend alles, was mit der Neuausstattung ihres Kleiderschranks auch nur im Entferntesten etwas zu tun hat.

Um für die vielen unterschiedlichen Käufer-Typen die jeweilige User Experience möglichst positiv zu gestalten, entwickeln Unternehmen immer neue Tools und Angebote. Da wäre auf der einen Seite etwa MemoMi mit seinem MemoryMirror, einem Entwurf für die virtuelle Umkleide im klassischen Einzelhandel. Und auf der anderen Seite Online-Mode-Portale wie Outfittery oder Modomoto mit ihrem Curated Shopping-Ansatz, bei dem sich der Kunde nicht einmal mehr bei der Auswahl neuer Kleidungsstücke die Mühe selbst machen muss. Dumm nur, wenn die gelieferten Klamotten dann zu klein oder groß ausfallen. Um mit solchen Web-Fehlkäufen endlich Schluss zu machen, haben Jonny Cosgrove und Brian Henry beim PCH Hardware Hackathon 2015 nun das BlueTape entwickelt.

blue

Win-Win für Kunde und Retailer

BlueTape vermisst nicht den Kunden, sondern dessen Kleidung

Ihr innovatives Bandmaß, dessen Herzstück ein Intel Edison ist, soll verhindern, dass nach langem Warten und einem gewissen Grad der Vorfreude bei der Ankunft des elaborierten Kleidersacks das Zalando-Schreien einsetzt – aber nicht vor Freude. Denn wenn der Fummel nicht richtig sitzt, ist die Stimmung mies und der Kunde bald vielleicht doch wieder beim Offline-Ausstatter. Um das zu vermeiden, wird mit BlueTape nicht der Körper des Kunden vermessen, sondern unter Anleitung durch eine Smartphone-App eines seiner Kleidungsstücke, das ihm besonders gut passt. Diese Mess-Daten werden anschließend per Bluetooth an das Device beziehungsweise die App übertragen und von ihr dann auf dem Online-Profil des Kunden beim Internet-Händler hinterlegt. Beim künftigen Einkauf kann dieser dann anhand der Maße die Stücke mit der “Best Fit”-Größe verschicken, die dem Käufer dann passen sollten. So zumindest die Theorie.

graphic

Dadurch – und das soll neben der Steigerung der Kundenzufriedenheit ein weiterer Vorteil für den Online-Retailer sein – könnten die Retouren und damit auch die Kosten gesenkt werden. Vor dem Hintergrund, dass selbst ein Riese wie Amazon Rücksendungen als Rendite-Killer Nummer eins ausgemacht hat und deswegen neue Richtlinien einführte, erscheint die Idee zukunftsweisend: das weltweite Einsparpotenzial liegt bei etwa sechs Milliarden US-Dollar. Bei dieser Rechnung bleibt allerdings der Kunde als unbestimmbare Variabel bestehen, denn zu bequem ist die Möglichkeit, sich Kleidungsstücke nach wie vor in mehreren Konfektionsgrößen zuschicken zu lassen, wenn ihm das Zurückschicken so einfach gemacht wird.

App

Vier Monate für Next Steps

Retailer könnte Kosten für BlueTape anstelle des Kunden übernehmen

Die Entwickler haben nur 54 Stunden benötigt, um einen funktionsfähigen Prototypen des BlueTapes zu entwickeln. Beim PCH Hackathon, der von Intel als Hauptsponsor unterstützt wurde, haben sie damit den ersten Platz belegt. Sie erhielten dafür 3.000 Euro Siegprämie, die Teilnahme an einem Workshop der Designagentur Each&Other und ein für vier Monate kostenlos zur Verfügung gestelltes Starter Office auf dem DCU Innovation Campus.

3pix

Es darf erwartet werden, dass die Jungs in dieser Zeit dann genauere Angaben zur Markteinführung und Verkaufspreis verraten werden (die Herstellungskosten von etwa 17 Euro hatten sie beim Contest bereits kommuniziert). Es ist allerdings gut vorstellbar, dass der gar nicht vom Endkunden, sondern vom Anbieter getragen wird, der darin eine Kundenbindungsmaßnahme sieht. Wer Interesse an BlueTape und dessen Weiterentwicklung hat, kann seine Mail-Adresse auf der neu eingerichteten, aber noch mit der heißen Nadel gestrickten Website hinterlassen.

team

Größenwahn bei Größenwahl

Ständige Verschiebung der Skala durch “Vanity Sizing”

Dass die Unsicherheit bei der Größenwahl existiert und solch ein Größenbestimmungsgerät wie BlueTape heutzutage überhaupt notwendig macht, hat eine Ursache übrigens in den unterschiedlichen Systemen. Ein Blick auf das Etikett der Hose oder des Shirts verrät nicht nur deren Größe, sondern auch, aus welchem Land das Stück stammt. So werden in den USA, Großbritannien, Frankreich und Italien andere Körpermaße zugrunde gelegt als hierzulande.

Da nun aber andere Figuren zu anderen Größen führen, ist eine exakte Umrechnung auch nicht möglich. Die Größenwahl wird letztlich zum Ratespiel. Hinzu kommt noch eine ständige Verschiebung der Skala durch das sogenannte Vanity Sizing, bei dem Modedesigner immer häufiger immer größere Kleider mit immer kleineren Größen auszeichnen, um ihren Käuferinnen ein vermeintlich gutes Gefühl zu vermitteln.

Artikel empfehlen

Zugehörige Themen

Fashion

Als Nächstes lesen

Read Full Story