Technische Innovation

Cardiac Scan: Biometrische Technik nutzt das Herz als Passwort

Sabine Berger Autorin, Hemd & Hoodie

Das radarbasierte System Cardiac Scan erfasst die genaue Form des Herzens. Damit soll die Nutzerauthentifizierung auf ein neues Level gehoben werden.

Vom Venen-Scan über Brainprints bis zur Körpergeruch-ID: die Verwendung biometrischer Daten ist der unbestrittene Trend im Bereich der Nutzeridentifikation. Jetzt geht ein Team der Universität Buffalo sogar noch einen Schritt weiter. Die Forscher haben ein System entwickelt, das Größe und Form des Herzens analysiert, um mit Hilfe dieser Daten Smartphones zu entsperren oder einen Log-in auf dem Computer durchzuführen.

Dieser Cardiac Scan soll die Authentifizierung um ein Vielfaches sicherer machen, wie die Wissenschaftler in einer aktuellen Studie aufzeigen. „Bis heute wurden keine zwei Personen mit einem identischen Herzen gefunden“, erklärt Hauptautor Wenyao Xu. Zudem verändere sich die Form des Herzens während des ganzen Lebens nicht, zumindest solange keine ernsthafte Herzerkrankung vorliege, fügt er hinzu.

Kontinuierliche Authentifizierung

Die Technologie arbeitet mit einem Dauerstrichradar, der das Herz aus bis zu 30 Metern Entfernung vermessen kann und ohne jeglichen Körperkontakt funktioniert. Beim ersten Scan benötigt das System aktuell noch rund acht Sekunden, um ein Organ eindeutig zu erkennen. Anschließend erfolgt eine fortlaufende Re-Authentifizierung, die sicherstellt, dass immer noch die richtige Person vor dem Gerät steht.

Jedes Herz weist einzigartige Eigenschaften auf.
Jedes Herz weist einzigartige Eigenschaften auf. Bild: Wikipedia – Brian Brandenburg (CC BY-SA 3.0) – (Montage)

Dadurch könne das Sicherheitsniveau im Vergleich zu bisherigen Verfahren erheblich gesteigert werden, so Xu. Denn ein Einmal-Login sei deutlich leichter zu hacken als ein kontinuierlicher Authentifizierungsprozess. In der Pilotstudie, an der 78 Probanden teilnahmen, verlief die Identitätsprüfung per Cardiac Scan in knapp 99 Prozent aller Fälle erfolgreich.

Cardiac Scan gesundheitlich unbedenklich

Gesundheitliche Risiken seien bei dem System indes nicht zu befürchten. „Das Signal ist beispielsweise deutlich schwächer als die Funkwellen eines WLAN-Netzwerks“, beteuert der Wissenschaftler. Mit rund fünf Milliwatt verbreite das Gerät weniger als ein Prozent der Strahlung eines herkömmlichen Smartphones.

Laut den Forschern soll der Cardiac Scan schon bald in jedem Endgerät implementiert sein.
Laut den Forschern soll der Cardiac Scan schon bald in jedem Endgerät implementiert sein.

Als nächstes wollen die Forscher daran arbeiten, ihre Erfindung zu verkleinern. Denn nur so lässt sie sich in Laptops, Smartphones oder Computer-Tastaturen unterbringen. Ambitioniertes Ziel von Xu und seinem Team ist es, die Technik künftig in jedes Endgerät zu integrieren, denn Datenschutz stünde für jeden Nutzer an oberster Stelle. Ihre Studienergebnisse werden die Autoren bei der bevorstehenden Annual International Conference on Mobile Computing and Communication (MobiCom) in Utah vorstellen.

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