Unterhaltung

Cineastische Spezialeffekte erobern die Theaterbühne

Dean Evans Technology Writer Twitter

Wenn Computertechnik und Theaterkunst aufeinander treffen, wird ein Klassiker wie Der Sturm von William Shakespeare zu einer Reise zurück in die Zukunft.

Wer der Ansicht ist, computergenerierte Spezialeffekte seien nur etwas für Kinofilme, wird von der neuesten Inszenierung der Royal Shakespeare Company (RSC) sicherlich überrascht sein. In Zusammenarbeit mit Intel und The Imaginarium präsentiert sie das Theaterstück Der Sturm von William Shakespeare auf eine völlig neue Art und Weise, die das Publikum des 21. Jahrhunderts begeistern wird. Dabei sollte die Herausforderung gemeistert werden, den Theaterbesuchern mithilfe neuester Computertechnik etwas noch nie Dagewesenes zu bieten.

Der Luftgeist Ariel, eine Schlüsselfigur aus dem Sturm, wird erstmals als eine digitale Neuerfindung auf der Bühne zu sehen sein. Bei Spielfilmen und Videospielen erfolgen nach der eigentlichen Produktion das Rendering und zahlreiche weitere technische Schritte, bevor die Figuren lebendig werden. In dieser Produktion wird Ariels Avatar hingegen in Echtzeit gemeinsam mit einem Schauspieler auf der Bühne auftreten.

Ein Motion-Capture-Anzug ist die Basis für die Simulation des Luftgeistes Ariel.
Ein Motion-Capture-Anzug ist die Basis für die Simulation des Luftgeistes Ariel.

 Rendering-Technologie auf der Bühne

„Da die Figur Ariel nicht von dieser Welt stammt, konnten wir unserer Fantasie freien Lauf lassen“, sagt Sarah Ellis, Head of Digital Development bei der RSC. „Für die Live-Darstellung des Charakters auf der Bühne stehen uns Möglichkeiten offen, die bislang nicht realisierbar waren. Die von uns eingesetzte Technik erlaubt es uns, Ariel sehr klein oder auch in Bühnenbreite zu zeigen.“

Theaterproben einmal anders: Bewegungen werden direkt auf dem Bildschirm simuliert.
Theaterproben einmal anders: Bewegungen werden direkt auf dem Bildschirm simuliert.

Der Luftgeist wird dabei von einem Schauspieler dargestellt, der einen Motion-Capture-Anzug trägt. Die Bewegungen des Schauspielers werden von Trägheitssensoren erfasst und von zwei Servern mit Intel® Xeon® Prozessoren gerendert. Auf Basis dieser Daten wird die Figur anschließend als computergenerierter Avatar auf die Bühne projiziert.

Grenzenlose Darstellungsmöglichkeiten

In Shakespeares Stück nimmt Ariel auf Geheiß Prosperos unterschiedlichste magische Formen an. „Sey [es] nun zu fliegen oder zu schwimmen, mich in die Flammen zu tauchen, oder auf den krausen Wolken zu reiten…“, heißt es in der Übersetzung. Gemeinsam mit dem Produktions- und dem Digitaltechnikteam stellten Gregory Doran, Artistic Director der RSC, und Stephen Brimson Lewis, Director of Design der RSC, fest, dass sie dank der neuesten Digitaltechnik die unterschiedlichen Fähigkeiten des Geists geradezu wörtlich interpretieren konnten.

Shakespeare fantasievolle Gestalten digital neu interpretiert.
Shakespeare fantasievolle Gestalten digital neu interpretiert.

„Anfangs war mir nicht bewusst, welche außergewöhnlichen Möglichkeiten uns die Computertechnik für die Gestaltung Ariels eröffnen würde“, so Doran. Das Team von The Imaginarium – dem vom Schauspieler Andy Serkis und Jonathan Cavendish gegründeten Motion-Capture-Studio – schlug vor, den ganzen Avatar in eine einzige Flamme zu verwandeln. „Und genau das machten wir dann“, erzählt Doran begeistert.

shakespeare mit Spezialeffekten

Im dritten Akt verwandelt sich Ariel in eine rachsüchtige Harpyie, ein Fabelwesen aus der Mythologie, das für gewöhnlich in der Gestalt eines Vogels mit Frauengesicht dargestellt wird. „Wir sprachen darüber, wie dieser Vogel auf der Bühne erscheinen könnte und welche Art von Vogel geeignet wäre, etwa eine Krähe, ein riesiger Marabu oder ein Adler“, so Doran. „Aber dann kam jemand mit diesem außergewöhnlichen Filmmaterial daher, in dem ein Schwarm Makrelen die Form eines Hais anzunehmen scheint.“

Hinter der Inszenierung steht ein großes Team an Technikern und Entwicklern.
Hinter der Inszenierung steht ein großes Team an Technikern und Entwicklern.

Der entstandene Effekt ließ den Fischschwarm nicht länger wie eine Million kleiner Fische aussehen, sondern wie einen einzigen riesigen Fisch. „Wir nutzten diese Idee für die Harpyie“, erklärt Doran. „Sie erscheint wie ein Schwarm von Vögeln, die aufeinander zufliegen und schließlich eine Einheit bilden.“

Technik beflügelt die Fantasie

Der Sturm von Shakespeare ist seit jeher ein spektakuläres Stück, eine Verschmelzung aus Kunst und Technik. Im Laufe der Jahrzehnte setzten einfallsreiche Regisseure Falltüren, Trapeze, Flaschenzüge und Winden, Nebelmaschinen, Laser, Drehvorrichtungen und Feuerwerke ein, um spektakuläre Effekte zu erzeugen – die oft jedoch auch befremdlich wirkten. So erhob sich zum Beispiel Ariels Harpyie in der Produktion des RSC im Jahr 2006 auf unheimliche Weise aus einem toten Wal.

Eines ist sicher: Die kreativen Möglichkeiten, die die Digitaltechnik eröffnet, sind gewaltig. „Nicht nur Regisseure und Designer werden dadurch neu inspiriert“, betont Doran. Auch für die Autoren böten sich dadurch ganz neue Möglichkeiten, um neue Figuren und Geschichten zu entwickeln. „Meiner Meinung nach können wir mit Technik wie dieser ganz neue Ansätze entwickeln, um Theaterstücke zu schaffen.“

Hinweis des Redakteurs: In dieser Artikelserie beschäftigt sich iQ mit den faszinierenden und nahezu unglaublichen Möglichkeiten, die Computertechnik eröffnet. Wir schauen uns an, wie Computertechnik neue Möglichkeiten und Entdeckungen im Bereich der Wissenschaft, der Maker-Bewegung, der Modebranche sowie der Sport- und Unterhaltungsbranche voranbringt. Wenn Sie mehr über die Techniktrends hinter diesen Storys erfahren möchten, besuchen Sie Experience Amazing.

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