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Cultured Meat: Die Frikadelle aus der Petrischale

Als „Fleischbällchen, das die Welt verändert“ bezeichnet Wissenschaftler Uma Valeti die in der Pfanne brutzelnde Bulette. Denn für das Fleischerzeugnis, das der CEO des Start-ups Memphis Meats vor wenigen Tagen in San Francisco vorgestellt hat, musste kein Tier sein Leben lassen. Das Fleisch für die Frikadelle wurde vollständig im Labor gezüchtet. Für die Herstellung waren lediglich einige Stammzellen nötig, die einer Kuh aus der Schulter entnommen wurden.

Damit wollen die Kalifornier das sogenannte In-vitro-Fleisch, das auch der niederländische Wissenschaftler Mark Post seit Jahren erforscht, nun endlich zur Marktreife bringen. Bereits im August 2013 präsentierte Post vom Physiologischen Institut der Universität Maastricht die erste im Labor gezüchtete Bulette. Dem In-vitro-Spezialisten war es gelungen, die Muskelzellen einer Kuh innerhalb von drei Monaten so zu vermehren, dass sie einen kompakten Fleischklops bildeten. Das Resultat – dessen Herstellung schlappe 250.000 Euro kostete – ließ laut den Testessern aber noch deutlich zu wünschen übrig.

 

 

Die Zukunft des Fleischkonsums

Weltweit steigt der Verzehr von Fleisch weiter an

Das Ziel von Forschern wie Post und Valeti ist es, den Fleischkonsum dank Cultured Meat – also im Labor hergestelltem Fleisch – , eines Tages nicht nur günstiger zu machen. Es soll vor allem auch nachhaltiger und tierfreundlicher werden, als es mit traditioneller Tierzucht möglich ist. Zwar ist der Verzehr in Deutschland in den letzten Jahren stetig gesunken und immer mehr Menschen geben an, weniger Fleisch zu essen und dafür mehr auf die Qualität zu achten. Doch weltweit betrachtet steigt der Konsum weiterhin an. Besonders in Schwellenländern und jungen Industrienationen wie China wird Fleisch immer beliebter und erschwinglicher.

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Diese Entwicklung hat massive Auswirkungen auf die globale Ernährungssituation. Etwa ein Viertel der pflanzlichen Nahrungsmittel weltweit werden für die Tiermast benötigt. Würde die Erdbevölkerung vollständig auf Fleisch verzichten, könnten mit der globalen Ernte vier Milliarden Menschen mehr ernährt werden. „Cultured Meat wird den Status Quo komplett verändern“, ist Uma Valeti überzeugt. „Tiere zur Nahrungserzeugung zu züchten, wird irgendwann undenkbar sein.“

Aber nicht nur zum Wohl der Tiere könne das Laborfleisch beitragen. Die konventionelle Fleischproduktion sei hochgradig ineffizient, erklärt der kalifornische Wissenschaftler. „Um eine Kalorie in Form von Fleisch zu produzieren, sind 23 Kalorien an Futter notwendig.“ Memphis Meats sei es gelungen, dieses Verhältnis auf 3:1 zu reduzieren. Nicht zuletzt entstünden bei der Produktion 90 Prozent weniger Treibhausgase, es werde 82 Prozent weniger Wasser verbraucht und es fiele kein unnötiger Produktionsüberschuss an, so Valeti.

Kleine Mengen, hoher Preis

Auch für Cultured Meat ist tierisches Material nötig

Doch das Fleisch aus dem Labor hat nicht nur Vorteile. Auch hier ist für die Herstellung tierisches Ausgangsmaterial wie Stammzellen und fetales Serum als Nährlösung notwendig. Die Muskel- und Fettzellen können den Tieren mittels minimal schmerzhafter Biopsie entnommen werden, geben die Forscher an. Für das nährstoffreiche Kälberserum, das aus dem Blut von ungeborenen Föten gewonnen wird, werden bereits pflanzliche Alternativen – zum Beispiel aus Algen – gesucht.

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Eine weit größere Hürde stellen die hohen Produktionskosten dar. Ein Pfund Rindfleisch aus der Petrischale kostet Memphis Meats aktuell noch etwa 18.000 Dollar (16.000 Euro). Das Unternehmen gibt jedoch an, dass die Herstellung schon bald rentabel werden soll, so dass die erste Produktreihe schon in drei bis vier Jahren in den Handel kommen kann. Die Hot Dogs, Würstchen, Burgerbratlinge und Fleischbällchen werden, so Valeti, nach den Rezepten renommierter Profiköche zubereitet – und sich somit vom Laborerzeugnis zum nächsten Food-Trend entwickeln.

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Ausgewiesene Fleischliebhaber dürften trotzdem skeptisch bleiben. Vielleicht mag es den Forschern in den nächsten Jahren gelingen, einen Hamburger oder ein Wiener Würstchen mit vergleichbarem Geschmack herzustellen. Doch die Konsistenz eines Steaks oder Filets im Labor nachzubauen, dürfte noch einige Zeit in Anspruch nehmen.

Cover-Foto: Memphis Meats
Bild 1: Cultured Beef
Bild 2+3: Memphis Meats

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