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Die Evolution der Bildschirmauflösung: vom Nokia 5110 zum iPhone 6s Plus

Was Fernseher in den 1990er-Jahren schon liefern können mussten, war bei Mobiltelefonen noch nicht wichtig: ein klares und selbstverständlich farbiges Bild mit guter Auflösung. Für Anrufe, SMS und eine Partie des grafisch schlichten Spieleklassikers Snake reichte der kleine Schwarzweiß-Bildschirm des äußerst populären Nokia 5110 aus. Statt sich an dessen Auflösung von 84 x 48 Pixeln zu stören, freuten sich die rund 160 Millionen Besitzer des Mobiltelefons über die wechselbaren und farbigen Außenschalen. Dass ein iPhone 6s Plus heute über eine 514 Mal höhere Auflösung als das alte Nokia verfügt, verdeutlicht die Evolution der Mobiltelefonbildschirme, die wir im Folgenden anhand verschiedener Meilensteine nachzeichnen.

Ein ähnlicher Verkaufsschlager wie das Nokia 5110 war das Razr V3 von Motorola mit über 130 Millionen abgesetzten Exemplaren. Bei seiner Einführung im Jahr 2004 begeisterte es mit seiner schlanken Form und leitete einen Trend zum Klappmechanismus – der sogenannten Clamshell-Bauweise – ein. Während ein zusätzlicher Glasbildschirm auf der Oberseite die Nummern der Anrufer anzeigte, verfügte der Hauptbildschirm mit 176 x 220 Pixeln über eine rund neun Mal höhere Auflösung als das Nokia 5110. Das war auch nötig, da integrierte Kameras damals schon zur Standardausstattung gehörten und die Benutzer ihre Fotos schließlich direkt begutachten wollten. An der großen und beleuchteten Tastatur des Razr V3 lässt sich dennoch sehen, wozu die Telefone vor den Zeiten des mobilen Internets hauptsächlich genutzt wurden: zum Telefonieren.

Mit Kamera und Mediaplayer steigt die Auflösung

Mit 420 x 260 Pixeln die 15-fache Auflösung des Nokia

Bei den Blackberry-Geräten war dies nicht der Fall, da sie hauptsächlich unter Geschäftsleuten Verwendung fanden, die damit unter anderem ihre berufliche E-Mail-Korrespondenz erledigten. Mit der Einführung des Blackberry Pearl 8100 sollten dann auch Privatkunden angesprochen werden. Konsequenterweise verfügt das Gerät neben der QWERTZ-Tastatur über eine Kamera mit 1,3 Megapixel und einen Media-Player zum Abspielen von Audio- und Videodateien. Mit 420 x 260 Pixeln erreicht der Bildschirm die 15-fache Auflösung des Nokia.

Dieses Beispiel zeigt deutlich, dass Mobiltelefone über die Jahre ihren Funktionsumfang erweitert und sich zu portablen Unterhaltungsgeräten entwickelt haben. In diesem Sinne stellt die Einführung des iPhones am 9. Januar 2007 eine Zäsur dar. Denn durch die Reduktion der physischen Tastatur auf einen einzigen Knopf entstand freie Fläche für das Touchscreen-Display, das zum neuen Standard wurde. Mit 320 x 480 Pixel verfügt es über eine 38 Mal höhere Auflösung als das Nokia und damit über genügend Platz für die Darstellung von Apps, die eine neue Ära einleiteten und den Smartphones zum Durchbruch verhalfen.

iphone

Wettrüsten um die höchste Bildschirm-Auflösung

Wahrnehmbare Steigerung von Auflösung weiter möglich?

In der Folge kam es zu einem Wettrüsten verschiedener Hersteller um die höchste Auflösung bei Smartphone-Bildschirmen. Samsung setzte mit dem Galaxy S2 im Jahr 2011 neue Maßstäbe und schuf damit den ersten ernstzunehmenden iPhone-Konkurrenten sowie das damals bestverkaufte Android-Smartphone. Mit 480 x 800 Pixeln hat der Bildschirm des S2 die 95-fache Auflösung des Nokia 5110. Gegen die Vorherrschaft von Apple und Samsung schickte Motorola zwei Jahre später das Moto X ins Rennen. Dessen Bildschirm entspricht mit 720 x 1280 Pixeln der 228-fachen Auflösung des Nokias.

Den vorläufigen Höhepunkt in der Weiterentwicklung seines Smartphone-Klassikers erreichte Apple im September dieses Jahres mit Präsentation des iPhone 6s Plus. Dessen großes Retina-Display, das in Bezug auf die Punktdichte mit dem des Vorgängermodells identisch ist, bietet mit 1080 x 1920 Pixeln eine 514 Mal höhere Auflösung als das Nokia. Mit dem Begriff Retina bezeichnet Apple Bildschirme, deren Auflösung so hoch ist, dass das menschliche Auge keine einzelnen Pixel mehr erkennen kann. Genau wie LG und HTC setzt der Gigant aus Cupertino bei seinen Bildschirmen auf die LCD-Technik mit IPS, während beispielsweise Samsung organische Leuchtdioden verwendet. Beide Techniken haben Vor- und Nachteile, die allerdings nur Aspekte wie die Farbwiedergabe und nicht die Auflösung beeinflussen. LCD mit IPS wirkt aber im Vergleich schärfer.

Welche Technik sich letztlich durchsetzen wird, ist offen. Genauso wie die Frage, ob sich die Bildschirmauflösung von Smartphones noch wahrnehmbar steigern lässt. Wer jetzt mit Nostalgie an sein altes Nokia 5110 zurückdenkt, hat die Evolution des Mobiltelefon-Bildschirms und alle damit verbundenen Weiterentwicklungen selbst erlebt und kann gespannt darauf sein, was die Hersteller sich in Zukunft noch einfallen lassen werden.

giphy

Cover-Foto: Gocompare
Bild 1: Flickr – Josh Hallet (CC BY 2.0)
Bild 2: Flickr – William Hook (CC BY-SA 2.0)
Bild 3: Flickr –
andsleonardo  (CC BY-SA 2.0)
Gif: Imgur

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