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Diese Technologien waren ihrer Zeit voraus – und feiern jetzt ihr Comeback

Die aktuelle Beliebtheit von intelligenten Lautsprechern wie Amazon Echo Show und Google Home ist interessant. Diese Geräte basieren auf einer Technologie mit virtuellem persönlichen Assistenten und Spracherkennung. Beide Technologien waren ihrer Zeit wohl einen Schritt voraus und feiern jetzt ihr großes Comeback.

Der Schlüssel zu diesem Erfolg ist Rechenleistung. Dank hochmodernen CPUs – einschließlich Cloud-fähigen Intel Xeon Prozessoren und der 8. Generation von Intel Core Notebook- und Desktop-CPUs – , steht eine immense Rechen-Power für Produkte und Services bereit. Dadurch erhalten nun auch bahnbrechende Technologien, die vielleicht etwas verfrüht auf dem Markt eingeführt wurden, eine zweite Chance. Im Folgenden haben wir einige Beispiele aufgeführt.

Sprachsteuerung

Die 1997 veröffentlichte Spracherkennungs-/Diktiersoftware Dragon NaturallySpeaking versprach, ein bis dahin nur aus Science-Fiction-Filmen bekanntes Tool auf den Heimcomputer zu bringen. Dies galt allerdings nur, wenn der User nicht vor einem langwierigen Einrichtungsverfahren zurückschreckte. Damit die Software nämlich funktionieren konnte, musste sie die Sprechweise des jeweiligen Benutzers verstehen. Das erforderte allerdings das Abarbeiten mehrerer Trainingsmodule und anschließend das sorgfältige … Aussprechen … jedes … einzelnen … Wortes … Punkt.

Dragon NaturallySpeaking
Technologie wie aus Hollywood: ScienceDragon NaturallySpeaking war eines der ersten Spracherkennungsprodukte für den Computer.

Eine Kombination aus Computern mit begrenztem Wortschatz und zu wenig Rechenleistung machte die Nutzung der ersten Versionen von Dragon zu einem mühsamen Unterfangen. Es ging oft schneller, seinen Text einfach einzutippen als ihn zu diktieren und anschließend alle Fehler zu korrigieren. Gerade einmal 20 Jahre später ist es mit persönlichen Assistenten wie Siri, Cortana und Alexa endlich gelungen, diesen SciFi-Traum praktikabel und zur benutzerfreundlichen Realität werden zu lassen. Und auch die neueste Version der Software NaturallySpeaking nutzt nun fortschrittliche Algorithmen und Cloud-Unterstützung, um höhere Genauigkeit und Geschwindigkeit zu ermöglichen.

Digitale Assistenten vor Alexa

Wer Ende der 1990er-Jahre Besitzer eines Orange-Telefons waren, hatte offenbar ein Faible für Wildfire. Wildfire war mit Hilfe natürlicher Sprachverarbeitung in der Lage, als personalisierter Verwaltungsassistent zu fungieren. Über einfache Sprachbefehle konnten so Sprachnachrichten und Anrufe erledigt werden.

Es war womöglich der Vorgänger der fortschrittlicheren Technologie für virtuelle Assistenten, wie wir sie heute kennen. Orange ließ sich die Übernahme von Wildfire Communications im Jahr 2000 142 Millionen US-Dollar (umgerechnet 119 Millionen Euro) kosten. Nur fünf Jahre später wurde das Unternehmen aufgrund mangelnder Nachfrage dann geschlossen.

Online-Gaming

Heutzutage sind rund um die Uhr verfügbare und vernetzte Gaming-Computer eine Selbstverständlichkeit. Dadurch eröffnet sich eine Welt einfach zugänglicher Online-Multiplayer-, DLC-/Staffelpässe, Vorbestellungsprämien, Day-Zero-Updates und System-Upgrades. Doch vor gar nicht allzu langer Zeit wurden Spiele noch glorreich und ganz allein im stillen Kämmerlein gespielt.

Das Spiel, das gekauft wurde, wurde dann auch gespielt. Fehler und andere Probleme wurden dabei billigend in Kauf genommen. Als Sega 1998 versuchte, mit seiner modern ausgestatteten Dreamcast-Konsole den Weg für fortschrittlicheres Gaming zu ebnen, stieß es bei den Gamern auf taube Ohren. Die Nutzer zogen stattdessen die nicht vernetzte PlayStation 2 vor.

Virtual Reality

Die Idee der virtuellen Realität geht auf Experimente in den späten 1960er-Jahren zurück. Doch erst etwa 30 Jahre später erregte das Phänomen Virtual Reality (VR) das Interesse der Öffentlichkeit, als der Begriff zu einem echten Schlagwort wurde. Sega kündigte das Sega VR-Headset zur Nutzung mit Arcade-Automaten und der Mega Drive Konsole zu der Zeit an, als das junge britische Unternehmen Virtuality seine ersten massenproduzierten VR-Arcade-Systeme auf den Markt brachte.

Neue Filme wie “Der Rasenmähermann” im Jahr 1992 halfen zwar beim Verkauf des Traums. Doch war die damalige Technologie leider nicht leistungsfähig genug, um ein wirklich eindrucksvolles Erlebnis zu bieten. Folglich verlor die VR bei den Verbrauchern schnell an Attraktivität und verschwand zwei Jahrzehnte lang in der Versenkung, bis im Jahr 2012 Oculus Rift mit seiner Kickstarter-Kampagne auf der Bildfläche erschien. Inzwischen ist VR einfach allgegenwärtig – und hat in Form des Blockbusters “Ready Player One” von Steven Spielberg sogar seinen eigenen Verfechter auf der Kinoleinwand.

Google Glass

Die Grundidee, die hinter dieser tragbaren Datenbrille steckte, war eindeutig. Sie lieferte über ein winziges Head-up-Display Benachrichtigungen und Informationen an datenhungrige Benutzer. Doch obwohl diese Wearable-Technologie beeindruckend war, fand die Google Glass Datenbrille nicht die erhoffte Resonanz.

Das lag unter anderem an weitreichenden Datenschutz- und Sicherheitsbedenken. Google nahm die Verbraucherversion 2015 daher wieder vom Markt. Die Enterprise Edition Google Glass 2.0 erfeut sich als Arbeitshilfsmittel für Fabrikarbeiter hingegen ähnlich großer Resonanz wie die intelligenten Sportbrillen Oakley Radar Pace und Recon Jet.

Die Smartwatch

Digitale Handgelenkcomputer wie die Samsung Gear und die Apple Watch sind zwei weitere Beispiele dafür, wie moderne Technologie früheren Ideen zum Comeback verhilft. Dabei lässt sich natürlich darüber streiten, ob die Rückkehr der Smartwatch als „Erfolgsgeschichte“ bezeichnet werden kann. Denn zwischen den heutigen Smartwatches und den ersten digitalen Uhren, die zum Datenaustausch mit einem Computer genutzt werden konnten, besteht ein himmelweiter Unterschied.

Die Timex Datalink nutzte für den Empfang von Daten von einem Computer beispielsweise einen optischen Sensor. Informationen wurden über eine auf dem Bildschirm angezeigte Reihe blinkender horizontaler Balken an den Sensor übertragen. Außerdem war sie relativ klobig und unzuverlässig.

Angesichts dieser Beispiele stellt sich die Frage, welche anderen neuen Konzepte trotz schleppender Akzeptanz den Alltag in ein paar Jahren erobern werden. Vertikale Landwirtschaft? Künstliches Fleisch? Bitcoin? Vielleicht erwartet uns das Comeback der von Segway inspirierten persönlichen Transportgeräte? Wir werden uns wohl eine Weile gedulden müssen, bis wir die Antworten erhalten ….

Cover-Foto: Amazon

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