Bildungsbereich

Digitale Früherziehung: Programmieren lernen in der Grundschule

Nicolas Meudt Autor, Hemd & Hoodie

„Alter Schwede“: Im Land des Elchtests steht ab dem kommenden Schuljahr Programmieren auf dem Schulplan – und zwar ab der ersten Klasse.

Für die einen ist Programmieren eine Art Geheimwissenschaft, die Fachleuten vorbehalten ist und dies auch gerne bleiben kann. Für andere ist sie eine unverzichtbare Kompetenz in der digitalen Welt, die am besten bereits im Kindergarten vermittelt werden sollte. Frank Thelen beispielsweise, Unternehmer und vielen Deutschen als Juror der Sendung „Die Höhle der Löwen“ bekannt, hält Programmieren für die inzwischen wichtigste Fremdsprache. „Kinder, die heute nicht programmieren können, sind die Analphabeten der Zukunft“, sagt er.

Und tatsächlich: In mehreren europäischen Ländern wie Estland, Finnland oder dem Vereinigten Königreich steht die Entwicklung digitaler Kompetenz längst ab der Grundschule auf dem Lehrplan. Dort soll die neue Generation mit dem Fach „Computing“ gezielt auf die Zukunft vorbereitet werden. Und in Schweden hat die Regierung nun sogar einen neuen Lehrplan präsentiert, demzufolge Programmieren künftig schon ab der ersten Klasse unterrichtet werden soll.

Ohne Programmieren keine Zukunft

Das Schulsystem des Landes genießt international einen ausgezeichneten Ruf. Es ist kostenlos und gilt als sozial und innovativ. So haben Wissenschaftler in Schweden bereits vor Jahren Möglichkeiten des spielerischen Lernens mit Unterstützung digitaler Medien untersucht. Es ist kein Zufall, dass der Spielehit Minecraft, bei dem junge Gamer aus würfelförmigen Blöcken eine 3D-Welt konstruieren, aus dem Land des Elchtests kommt.

Minecraft wird aufgrund seiner blockigen und pixeligen Darstellung oft als eine Art digitales Lego bezeichnet.

Trotzdem erklärt der schwedische Bildungsminister Gustav Fridolin gegenüber dem Onlineportal ComputerSweden: „Wir brauchen mehr Programmierer, und das ist eine Fähigkeit, die in Zukunft für mehr Arbeitsplätze benötigt wird. Außerdem sind wir alle in zunehmendem Maße von der Programmierung betroffen“. Zunächst soll Programmieren als Teil der mathematischen und technischen Fächer eingeführt werden. So könnten Kinder beispielsweise lernen, ihre Algebra mit Code zu knacken.

Erste Pilotprojekte auch in Deutschland

Allerdings soll die Technik-orientierte Bildung Kinder nicht nur auf das spätere Arbeitsleben, sondern auch auf den Alltag besser vorbereiten. Zum Lehrplan gehört demzufolge auch, dass sie lernen, zwischen seriösen und unseriösen Quellen im Internet zu unterscheiden. So sollen sie sogenannte Fake News besser erkennen und lernen, selbständig kompetente Entscheidungen zu treffen. Bis es in Deutschland so weit ist, ist es wohl noch ein langer Weg. Allerdings: Auch hier gibt es erste Pilotprojekte.

Auch in Deutschland gibt es erste Pilotprojekte, in denen Kinder Grundkenntnisse im Programmieren vermittelt bekommen.

In Rheinland-Pfalz will das Landesprogramm „Medienkompetenz macht Schule” bei der Einbindung digitaler Technik in den Unterricht Pionierarbeit leisten. Im bundesweiten Projekt „Code your Life“ sollen Jungen und Mädchen im Alter von 10-14 Jahren in einem spielerischen Ansatz an der Schule programmieren lernen. „Natürlich muss aber nicht jeder Projektteilnehmer Entwickler werden“, sagt Jutta Schneider, die das Projekt mit aufgebaut hat. Allerdings sollten die Kinder durchaus verstehen, wie Algorithmen geschrieben werden und so Grundkenntnisse des Programmierens erwerben.

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