Technische Innovation

Digitaler Wandel: Technischer Fortschritt schafft neue Berufsfelder

Nicolas Meudt Autor, Hemd & Hoodie

Die Arbeitswelt steht vor den vielleicht einschneidensten Veränderungen aller Zeiten – während einige Berufsfelder darunter leiden, können andere profitieren.

Technischer Fortschritt erleichtert den Alltag und sorgt dafür, dass unsere Lebenserwartung höher ist als jemals zuvor. Trotzdem wird er nicht nur positiv gesehen, denn oftmals geht er auf Kosten der Umwelt – und nicht wenige Menschen sehen ihren Arbeitsplatz oder sogar ihre gesamte Existenz durch ihn bedroht. Typischerweise war und ist die Ablehnung gegenüber Veränderungen immer dann besonders groß, wenn diese nicht evolutionär, sondern revolutionär vonstattengingen. Beispiele aus der Vergangenheit sind die Erfindung der Dampfmaschine oder des Fließbands. Mit Blick auf Gegenwart und Zukunft erfüllen Roboter und Künstliche Intelligenz eine mindestens genauso disruptive Funktion.

Hierzulande wird sich in den kommenden Jahren wohl vor allem der unaufhaltsame Vormarsch der Roboter deutlich auf die Arbeitswelt auswirken. Einer aktuellen Studie zufolge könnte bis 2030 fast ein Viertel der Arbeitsstunden durch Automatisierung wegfallen, bis 2055 sogar die Hälfte. Gemäß den Experten von McKinsey ist Deutschland von dem Strukturwandel besonders betroffen, weil die vergleichsweise hohen Löhne einen großen Anreiz bieten, Arbeitskraft durch Maschinen zu ersetzen. Leidtragende könnten vor allem Sachbearbeiter, aber auch Schlosser oder Köche sein.

Wandel bedeutet Chancen für den deutschen Arbeitsmarkt

Allerdings gibt es auch zahlreiche Stimmen, die bezweifeln, dass Maschinen und Algorithmen menschliche Arbeit flächendeckend ersetzen oder gar überflüssig machen können. Das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) beispielsweise kommt zu der Einschätzung, dass der Gesamteffekt des technologischen Wandels durchaus Chancen für den hiesigen Arbeitsmarkt mit sich bringt. Zwischen 1999 und 2010 etwa hätten Maschinen zwar die benötigte menschliche Arbeitskraft hierzulande reduziert. Allerdings hätten sinkende Produktionskosten aufgrund von Automatisierung gleichzeitig zu einer höheren Produktnachfrage und letztlich zu einer noch größeren Arbeitsnachfrage geführt.

Eines der sich weiter entwickelnden Berufsfelder ist das des Arztes. Mithilfe von Robotern könnte es schon bald möglich sein, Patienten in entlegenen Gegenden aus der Ferne zu behandeln. Bild: MiSK global forum – Senan Lee Pansy Aung – (Montage)

„Das ist die alte Angst, die jeden Schritt der Automatisierung begleitet hat. Und es hat sich immer gezeigt: Es ist ein Irrtum, dass in der Summe Arbeitsplätze verschwinden. Es werden mehr Arbeitsplätze entstehen. Allerdings mit Tätigkeitsprofilen, die komplett neu sind”, erklärt Christian Lamprechter. Dem Geschäftsführer der Intel Deutschland GmbH zufolge biete gerade Industrie 4.0 eine signifikante Chance für die deutsche Industrie, Qualität „Made in Germany” zu kompetitiven Kosten zu produzieren.

Diese Einschätzung teilt unter anderem der Verein Deutscher Ingenieure (VDI), zudem wird sie nicht zuletzt durch den aktuellen Boom des hiesigen Arbeitsmarktes untermauert. Auch Jens Südekum, Professor für Internationale Volkswirtschaftslehre, bestätigt, dass in der Industrie verlorene Arbeitsplätze durch neue Stellen im Dienstleistungssektor ausgeglichen werden und sich Berufseinsteiger dementsprechend umorientieren.

Experten in Davos nennen neue Berufsfelder

Tatsächlich prognostiziert das Weltwirtschaftsforum, dass 65 Prozent aller Kinder, die heute in die Grundschule kommen, einen Beruf ausüben werden, der bislang noch nicht existiert. Zu den möglichen Jobs, die beim jährlichen Treffen in Davos Ende Januar diskutiert wurden, gehörten unter anderem Ärzte, die Patienten in ländlichen Gegenden mithilfe von Robotern aus der Ferne behandeln oder auch Personen, die die Infrastruktur der Blockchain-Technologie weiterentwickeln und dafür sorgen, dass viele Menschen erstmals Zugang zu sicherem Banking erhalten. Ebenfalls erwähnt wurden Forscher, die im Auftrag von Regierungen neue Technologien evaluieren oder Arbeiter, die riesige 3D-Drucker steuern.

Die Dachdeckerin von morgen könnte einen 3D-Drucker steuern. Bild: MiSK global forum – Senan Lee Pansy Aung – (Montage)

Die hier beschriebenen Berufsbilder zeigen: Zwar sind die Ängste vor Jobverlusten aufgrund des technologischen Fortschritts keinesfalls unbegründet, allerdings fallen Jobs nicht einfach weg – vielmehr passen sie sich permanenet an sich stetig verändernde Anforderungen an oder werden durch neue ersetzt. „Es wird weniger Menschen geben, die Maschinen bedienen, aber mehr, die welche entwickeln“, sagt beispielsweise NRW-Unternehmerpräsident Arndt Kirchhoff.  Weitgehende Einigkeit herrscht unter Experten darum hinsichtlich der Notwendigkeit einer „digitalen Bildungsagenda“. Diese sei unverzichtbar, um  junge Menschen besser auf die neue Arbeitswelt vorzubereiten beziehungsweise älteren Arbeitnehmern eine entsprechende Anpassung ihrer Fähigkeiten zu ermöglichen.

Cover-Foto: MiSK global forum – Senan Lee Pansy Aung(Montage)

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