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Digitalisiert und “sportifiziert”: Poker League soll Durchbruch im Internet und TV bringen

Levin Thiel Writer

James Bond misst sich darin mit Le Chiffre im Casino Royale, Stefan Raab spielt es zur Prime Time im Rahmen seiner Unterhaltungsshow TV total, und Sportsender wie DSF oder Sport1 stricken dazu ihre eignen Formate: die Rede ist von Poker. Das Kartenspiel in seinen unterschiedlichen Varianten erfreut sich nicht nur hierzulande einer immer stärker wachsenden Popularität. Das gilt aber nicht nur in Bezug auf die steigende Zahl der Spieler – sondern auch der Zuschauer, die sowohl online als auch im TV die Poker-Partien mitverfolgen.

Und da sich mit Zuschauern bekanntlich gut Geld verdienen lässt, möchte Alexandre Dreyfus Live-Poker nun zu einem Mega-Event aufbauen. Nachdem der Unternehmer zuvor bereits den Global Poker Index (GPI) etablierte – ein global anerkanntes Pokerspieler-Rankingsystem –, und im vergangenen März die ersten Global Poker Masters organisierte, soll nun sein nächster Streich folgen: die Global Poker League.

Poker-Franchise mit vielen offenen Fragen

Dem GPI zufolge gibt es rund 450.000 Spieler in 97 Ländern

Der Start ist für Februar des kommenden Jahres angedacht und könnte in Ansätzen mit der Electronic Sports League verglichen werden: Zwölf Teams treten während einer vierzehn Wochen dauernden Saison gegeneinander an, wobei ihre Partien jeweils in einer Halle oder kleineren Arena ausgetragen werden sollen. Dort können Fans dann entweder live vor Ort das Geschehen mitverfolgen, oder eben am Monitor beziehungsweise Fernseher.

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Jedes der Franchise-Teams soll von einem eigenen Besitzer geführt werden und eine internationale Stadt repräsentieren. Aktuell stehen auf der Liste: Las Vegas, Los Angeles, New York City, San Francisco, Sao Paolo und Toronto für die Americas Conference, und Barcelona, Hong Kong, London, Moskau, Paris und Prag für die Eurasia Conference. Ob der Umstand, dass keine deutsche Stadt berücksichtigt wurde, ein Zeichen für die hierzulande eventuell im Vergleich noch geringere Poker-Begeisterung ist – dazu gibt es keine Informationen. Denkbar wären auch rechtliche Gründe, aber dazu unten mehr.

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Die Spieler, von denen es dem GPI zufolge rund 450.000 in 97 Ländern gibt, würden von den Team-Chefs nach Talent und strategischem Geschick ausgewählt und in der Poker League nicht – das dürfte ein entscheidender Punkt sein – um beziehungsweise mit Geld spielen. Vielmehr sollen sie den Plänen zufolge wie Fußballer oder Baseballspieler ein festes Gehalt beziehen. Zudem sei ein Gewinner-Bonus denkbar. Insgesamt sind die Aussagen zu dem „Wie?“ aber noch recht vage, um es vorsichtig auszudrücken. Das hat Dreyfus in der Branche auch massive Kritik eingebracht. Denn nach einer missglückten Q&A-Session auf Twitch, die eigentlich zur Klärung diverser Fragen gedacht war, standen am Ende noch mehr unbeantwortete Fragen.

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“Sportifizierung” soll Poker zum Durchbruch verhelfen

„Poker ist ein altes Spiel, aber eine junge Branche”

Einen ersten – finanziell erfolgreichen – Schritt zur Realisierung der Poker League hat Dreyfus aber bereits getan: In einer frühen Finanzierungsrunde konnte sich sein hinter GPI stehendes Unternehmen Mediarex Sports & Entertainment (MSE) 4,9 Millionen US-Dollar von privaten Investoren sichern. Damit sollen das Grundgerüst für das mehrwöchige Event aufgebaut und die Aufmerksamkeit der Zuschauer dafür gewonnen werden. Weltweit geht MSE von über 100 Millionen interessierten Fans des Kartenspiels aus: „Poker ist ein altes Spiel, aber eine junge Branche. Zudem ist es ein Spiel, das stetig wächst. Sein globales Wachstum lag im Jahr 2012/2013 bei 17 Prozent. Das digitale Interesse an dem Spiel wächst ebenfalls – um 12 Prozent in 2013, 25 Prozent in 2014 und 31 Prozent in der ersten Jahreshälfte in 2015“, so Dreyfus. Und er ergänzt: „Es handelt sich um eine große Zielgruppe. Und der beste Weg, um sie zu erreichen, besteht darin, Poker als Sport zu vermarkten.“

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Damit könnte er Recht haben. Daher ergibt es auch durchaus Sinn, den Fokus weg vom Geld(einsatz) hin zur Taktik und Strategie der Spieler zu verschieben und die Zuschauer damit eher für die Feinheiten des Spiels zu begeistern. In etwa so, wie das bei Snooker oder vielleicht sogar Schach der Fall ist. Um die Attraktivität für die Zuschauer live vor Ort noch zu steigern, sollen auch digitale Spielkarten zum Einsatz kommen, die auf großen Monitoren sichtbar sind. Der größte Clou wäre aber „The Cube“ – ein gläserner Würfel, in dem sich die Spieler befinden und der den Zuschauern wie ein Aquarium von allen Seiten Einblicke gewährt – den Spielern aber den Blick nach draußen verwehrt. Zudem könnten die Zuschauer hören, was die Spieler sagen, während von außen kein Ton nach innen dringen kann. Kommentatoren, wie sie auch in der ESL zum Einsatz kommen, würden für die Zuschauer das Geschehen analysieren und kommentieren.

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Klingt so weit eigentlich recht ansprechend. Allerdings dürfte es – zumindest in Deutschland – noch eine Hürde zu nehmen geben: Während es beispielsweise in einigen Staaten der USA möglich ist, eine professionelle Umgebung für das Pokerspielen ohne die sonst dafür benötigte Glücksspiellizenz anzubieten, ist das hierzulande ausgeschlossen. Spielbanken sind daher die einzigen legalen Anbieter von Pokerspielen – um Geld. Und das ist genau der Punkt, an dem Dreyfus das System umkrempeln möchte, indem er Poker in der oben beschriebenen Art „sportifiziert“. Ob ihm das gelingt, werden wir spätestens Anfang des kommenden Jahres wissen

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 Cover-Foto: Facebook – Global Poker Leage
Bild 1, 2, 3: Facebook – Global Poker Index
Bild 4: Global Poker League
Bild 5: Mediarex
Gif: Giphy

 

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