Lifestyle

e-krona: Schweden will erste digitale Landeswährung einführen

In Schweden bezahlt selbst beim Bäcker kaum noch jemand mit Bargeld. Deshalb erwägt die Zentralbank nun die Einführung der digitalen Währung e-krona. 

Die skandinavischen Länder gehören zu den absoluten Vorreitern, wenn es um bargeldloses Bezahlen geht. Nicht nur große Beträge werden dort fast ausschließlich digital getätigt, auch das bei uns immer noch sehr beliebte Kleingeld vermissen die Skandinavier nicht. In Stockholm kann bereits seit Jahren der Obulus in Kirchen am Ausgang direkt per Karte entrichtet werden. Und selbst obdachlose Magazinverkäufer sind  mit Kartenlesegeräten oder digitalen Bezahl-Apps ausgestattet.

Bereits 2030 soll das Land vollständig ohne Bargeld auskommen, prognostiziert Professor Niklas Arvidsson in seiner Studie „The Cashless Society“. Diesen Trend bestätigt auch Cecilia Skingsley, Vize-Chefin von Schwedens Zentralbank „Riksbank“. Der Gebrauch von Münzen und Scheinen sei seit 2009 um knapp 40 Prozent gesunken, gab sie kürzlich in einer Rede zur FinTech Stockholm 2016 bekannt. Aus diesem Grund erwägt die Bank nun offenbar, eine digitale Währung namens e-krona einzuführen.

Banken müssen digitale währungen ernst nehmen

Die Idee von rein elektronischen Cyberwährungen galt bei den traditionellen Banken lange als umstritten. Inzwischen haben die meisten von ihnen erkannt, dass sie sich mit diesem Thema auseinandersetzen müssen. Denn durch das Aufkommen disruptiver digitaler Bezahlsysteme wären sie die ersten, deren Serviceleistungen von Kunden nicht mehr benötigt werden würden.

Geldscheine könnten bald ausgedient haben.
Geldscheine könnten bald ausgedient haben.

Viele Geldinstitute experimentieren deshalb aktuell mit dezentralen Zahlungssystemen wie Bitcoin und der dahinterliegenden Verschlüsselungstechnologie, der Blockchain. 2015 schlossen sich zahlreiche internationale Großbanken zu dem Konsortium „R3“ zusammen, um die Blockchain zu erforschen. In diesem Sommer gab die Deutsche Bank bekannt, zusammen mit der Schweizer UBS, dem spanischen Institut Santander sowie zwei US-Unternehmen an der Entwicklung einer digitalen Währung zu arbeiten.

Mehr Transparenz und Sicherheit

Die Vorteile rein digitaler Währungen bestünden darin, dass Aktien- und Anleihengeschäfte direkt zwischen Käufer und Verkäufer und damit schneller und günstiger abgewickelt werden könnten als bisher. Indem die Transaktionsdaten dezentral auf den Computern aller Nutzer gespeichert werden, sollen Finanzgeschäfte zudem sicherer und transparenter werden. Eine digitale Zentralbankwährung könnte dank einer Reduzierung von Realzins und Steuern zu einer Stabilisierung der Wirtschaft führen, hieß es auch in Forschungsergebnissen, die die Bank of England vor Kurzem veröffentlichte.

Die Währung e-krona könnte ähnlich wie Bitcoin aufgebaut sein.
Die Währung e-krona könnte ähnlich wie Bitcoin aufgebaut sein. Bild: Flickr – BTC keychain (CC BY 2.0)

In Schweden werde die Notenbank jetzt zunächst untersuchen, wie eine von einer Zentralbank ausgegebene Digitalwährung aussehen könnte und was dabei alles beachtet werden müsse, erklärte die stellvertretende Chefin Skingsley. Ob die e-krona ähnlich wie Bitcoin konstruiert wäre, ließ sie jedoch offen. In den nächsten zwei Jahren soll entschieden werden, ob eine staatliche digitale Währung sinnvoll ist. „Uns ist es egal, ob die Leute Bargeld nutzen. Tun sie es aber nicht mehr, müssen wir Alternativen bieten“, so Skingsley.

Sind wir bereit für die digitale Währung?
Sind wir bereit für die digitale Währung? Gif: Giphy – Duncan Elms

Mit der Einführung der e-krona wäre Schweden das erste Land weltweit, in dem die Verbraucher direkten Zugang zu rein elektronischem Geld bekämen, das von einer Notenbank geschaffen wurde. Ob sich digitale Währungen jedoch wirklich durchsetzen werden, hängt laut der Deutschen Bank weniger von der Technik oder den Banken ab. Entscheidend sei vielmehr, ob die Menschen zu einem Umdenken bereit seien und einer dezentralen Technologie ebenso viel Vertrauen schenken können wie einer zentralen Institution.

Cover-Foto: Flickr – Antana (CC BY 2.0) – (Montage)

Artikel empfehlen

Zugehörige Themen

Lifestyle Technische Innovation

Als Nächstes lesen

Read Full Story