Zugang für alle

Ecocapsule: Unabhängig wohnen im selbstversorgenden Design-Ei

Einige zieht es in ein Hausboot mit Unterwasser-Blick, andere in ein Holzhaus mit 24 Etagen: Die eigene Wohnung ist schon längst mehr als nur das sprichwörtliche Dach über dem Kopf. Es ist ein Ort der Selbstverwirklichung geworden, manchmal sogar der Selbstfindung. Und wer dort gerne für sich alleine ist, findet seine idealen “vier Wände” vielleicht beim neuesten Projekt der Nice Architects aus Bratislava in der Slowakei. Das Ecocapsule getaufte Wohn-Ei erinnert auf den ersten Blick an einen mit Metall beschlagenen Campingwagen aus den 50er-Jahren, wurde aber mit so viel Liebe zum Detail gearbeitet, dass es für einen Designpreis hätte entworfen sein können. Zudem bietet es dank neuester Öko-Technik den Duft der Freiheit und Unabhängigkeit.

Wer diese auch tatsächlich leben will und daher gerne mit dem Edel-Wohnwagen verreisen möchte, dem werden grundsätzlich nur wenige Grenzen gesetzt. Denn die Ecocapsule lässt sich praktisch überall aufstellen, auch weit außerhalb der Zivilisation. Die kompakte Form von 2,6 × 4,5 × 2,3 Metern dürfte dabei meist für kuschelige, für manch einen aber auch mal für klaustrophobische Momente sorgen. Im Innerern bietet die Ecocapsule alles, was ein Weltenbummler mit gemäßigtem Anspruch so benötigt: Einen Wohnbereich mit ausziehbarem Bett, auf dem sogar zwei Personen Platz haben, einen Tisch, eine kleine Kücheneinheit sowie eine Nasszelle mit Toilette und Dusche. In der Spitze des Wohnwagens und in schwungvoll eingepassten Oberschränken ist sogar etwas Stauraum vorhanden.

Aufbau

Ein modernes Niedrigenergiehaus

Innovative Weiterentwicklung des klassischen Caravans

Bei genauerer Betrachtung wird deutlich, dass es sich bei Ecocapsule nicht nur in Bezug auf die Optik um eine innovative Weiterentwicklung des klassischen Caravans handelt. So besteht etwa der große Vorteil ihrer auffälligen Ei-Form darin, dass die Oberfläche relativ klein im Verhältnis zum Volumen ist. Auf diese Weise geht nur wenig Wärme verloren, wozu auch eine spezielle Isolierung der Wände positiv beiträgt. Die Ecocapsule könnte daher auch als modernes Niedrigenergiehaus durchgehen.

Das Wohn-Ei versorgt sich zudem selbst mit Energie: Auf seinem Dach befindet sich ein knapp 2,6 Quadratmeter großer Sonnenkollektor, der bis zu 600 Watt zum Energiehaushalt beisteuert. Weitere 750 Watt liefert eine kleines Windrad, das bis zu einer Höhe von 4,5 Metern ausgefahren werden kann. Gespeichert wird die Energie in einem Akku mit 9.744 Wattstunden. Hätte das Ei das gesamte vergangene Jahr  im niederländischen Schiphol gestanden, hätte es damit nur zweimal im Winter für kurze Zeit an die Steckdose gemusst. Neben Energie wird von der Ecocapsule auch Wasser gesammelt. Ihre Oberfläche besteht aus einer Membran, die Regen- und Tauwasser nicht nur auffängt, sondern auch gleich filtert und in einem Tank unter der Wohneinheit zu Trinkwasser aufbereitet.

Multifunktionaler Schwertransport

Nutzbar als Notunterkunft in Krisengebieten

Dank ihrer “Survival-Qualitäten” eignet sich die Ecocapsule für die unterschiedlichsten Einsatzgebiete und -zwecke: Sie kann am Strand oder in den Bergen stehen, von einem einsiedelnden Forscher in der Wildnis oder von Touristen in einem kleinen Camp bewohnt werden. Die Architekten können sich die Ecocapsule sogar als Notunterkunft in Krisengebieten vorstellen. An all diese Orte muss sie allerdings erst einmal gelangen – und das ist nicht ganz einfach. Da die Ecocapsule im Gegensatz zu einem Caravan nämlich über keine Räder verfügt, muss das 1.500 Kilogramm schwere Ei entweder auf einen Autoanhänger oder – wenn der Weg beispielsweise übers Wasser führen sollte – in einen Container geladen werden.

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Ein funktionstüchtiger Prototyp existiert bereits und wurde vor Kurzem im Rahmen des Pioneers Festivals in Wien vorgestellt. Die erste marktreife Version soll im Laufe des ersten Halbjahrs 2016 ausgeliefert werden, ein Preis wurde aber noch nicht genannt. Mittelfristig möchten Nice Architects auch eine spezielle Ausführung für Camper anbieten, bei der die Möglichkeit bestehen soll, die Ecocapsule nach den eigenen Wünschen zusammenstellen zu lassen.

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