Technische Innovation

Einzelhandelsroboter: Hightech-Upgrade für traditionelle Ladengeschäfte

Dean Evans Technology Writer Twitter

Die Zukunft des Einzelhandels wird zunehmend von Robotern und Algorithmen geprägt. Für stationäre Ladengeschäfte könnte dies die Rettung bedeuten.

Einer der Haupttrends auf der diesjährigen CES waren Roboter für den Privathaushalt: Der etwa 50 Zentimeter große Kuri ist eine Art Amazon Echo auf Rädern. Auch der Hub Robot von LG ist ein hilfsbereiter Mitbewohner, der auf die menschliche Mimik reagiert und über ähnliche Funktionen wie Alexa verfügt. Eins ist dabei klar: Diese intelligenten Helfer haben nichts mehr mit Saugrobotern oder Kinderspielzeug gemein.

Die ersten Bots dieser Art werden wir aber wahrscheinlich nicht in unseren eigenen vier Wänden antreffen, sondern beim Einkaufen im Baumarkt, im Modegeschäft oder im nächsten Supermarkt. Der vermeintlich altmodische Einzelhandel wird immer mehr von digitalen Technologien wie Robotern und Algorithmen geprägt. Dieses Hightech-Upgrade könnte letztendlich sogar die Rettung für die traditionellen Ladengeschäfte bedeuten.

roboter revolutionieren ladengeschäfte

In London übernehmen Lieferroboter bereits die Zustellung von Essensbestellungen und am Himmel über Cambridge fliegen Drohnen von Amazons Prime-Air-Service. Mit Amazon Go macht der Konzern erste Experimente mit intelligenter Regalbetreuung und Selbstbedienungskassen. Die neuesten Entwicklungen im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) und Robotik haben das Potenzial, Mitarbeiter im Einzelhandel zu entlasten und die Unternehmenseffizienz zu steigern. Darüber hinaus verbessern sie das Shopping-Erlebnis, sodass wieder mehr Kunden den Weg zurück in die traditionellen Ladengeschäfte finden.

Amazon will die Pakete seiner Prime-Kunden innerhalb von 30 Minuten mit Drohnen zustellen.
Amazon will die Pakete seiner Prime-Kunden innerhalb von 30 Minuten mit Drohnen zustellen.

Anfang des Jahres konnten wir auf der Einzelhandelsmesse National Retail Federation (NRF) 2017 einen Blick in diese robotergeprägte Zukunft werfen. Intels CEO Brian Krzanich demonstrierte den von Simbe Robotics entwickelten Tally, den weltweit ersten autonomen Roboter für die Prüfung und Analyse von Warenregalen. Der mit einem Intel NUC mit Intel Core i7 Prozessor und Intel RealSense Kameras ausgestattete Tally fährt selbstständig durch ein Geschäft und prüft die Warenbestände, um sicherzustellen, dass alle Produkte jederzeit verfügbar, in den Regalen richtig eingeordnet und mit dem korrekten Preis versehen sind.

Tally von Simbe Robotics ist der erste Roboter für Ladengeschäfte.
Tally von Simbe Robotics ist der erste Roboter für Ladengeschäfte.

Die Anwendungsmöglichkeiten von Retail-Robotern reichen aber über das Zählen von Müslipackungen hinaus. Im Cafe X in San Francisco kümmert sich beispielsweise ein Robo-Barista darum, dass die Kunden schneller bedient werden. Und bei Lowe’s Home Improvement, einem auf Heimwerkerartikel und Haushaltsgeräte spezialisierten US-Einzelhandelsunternehmen, werden die Kunden von den sogenannten LoweBots begrüßt. Diese Einzelhandelsroboter stammen vom Hersteller Fellow Robots. „Wir haben den NAVii-Roboter entwickelt, um Kunden den Einkauf zu erleichtern, indem sie Produkte schneller finden“, erklärt Marco Mascorro, CEO von Fellow Robots. „Er soll aber auch das Back-End-Management übernehmen und dafür sorgen, dass die Warenbestände in den Regalen immer aufgefüllt sind.“

massgeschneiderte kleidung vom strick-roboter

Intel präsentierte auf der NRF 2017 zusammen mit Partner Shima Seiki eine weitere Innovation: eine Maschine, die direkt im Geschäft maßgeschneiderte Kleidungsstücke strickt. Ein Kunde sieht einen Pullover, der ihm gefällt, aber die Ärmel sind zu lang? Dann kann die Strickmaschine Mach2XS 153 in weniger als einer Stunde ein speziell für ihn maßgeschneidertes Modell anfertigen.

Im Einzelhandel spielen Computertechnik und Robotik aber auch hinter den Kulissen eine wichtige Rolle. Ocado entwickelt zum Beispiel eine Roboterlösung für die autonome Bearbeitung von Online-Bestellungen. Und Intels Retail-Plattform verbindet RFID-, Video-, Audio- und andere Sensordaten zu einem umfassenden 360-Grad-Bild, das dem Einzelhändler einen Überblick über alle Performance-Aspekte gestattet – von den Verkaufsflächen bis hin zur gesamten Logistikkette.

Die Vorstellung, dass Robo-Cops durch unsere Einkaufszentren patrouillieren, der Einkaufswagen uns von alleine folgt und Bots wie die Piaggio Fast Forward Gita unsere Einkäufe nach Hause tragen, ist gar nicht so weit hergeholt. Um ihre Bedeutsamkeit und Wettbewerbsfähigkeit beizubehalten, müssen traditionelle Ladengeschäfte die datenbasierte Personalisierung, optimaler Kundenservice sowie die Vorteile des Onlineshoppings zusammenbringen. Wem dies gelingt, der ist bereit für die aufregende digitale Zukunft des Einzelhandels.

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