Elektromobilität

Elektroautos: Umrüstung macht klassische Wagen abgasfrei

Damit bei der CO2-Reduktion die Ästhetik nicht auf der Strecke bleibt, rüstet ein kalifornisches Unternehmen klassische Wagen zu Elektroautos um.

Bei Elektroautos steht häufig der Umweltschutz im Vordergrund, während das Design – von wenigen Ausnahmen abgesehen – Nebensache bleibt. Doch in Kalifornien kommen nun auch Liebhaber klassischer Autoformen der 1960er- und 1970er-Jahre in den Genuss moderner Antriebe. Denn die Firma Zelectric Motors rüstet alte Käfer und Busse von VW, aber auch Modelle anderer Hersteller auf Elektromotoren um. Nicht umsonst bezeichnet sich Unternehmensgründer David Benardo als Retrofuturist, bringt er doch klassischen Stil mit aktueller Technik zusammen.

Viele seiner Kunden besitzen bereits einen funktionstüchtigen alten Wagen. Nachdem sie diesen bei Zelectric abgegeben haben, wird er zunächst von einer Partnerfirma restauriert. Dann tauscht Zelectric den alten Benzin- gegen einen Elektromotor von EV West aus. Daneben kauft Benardo mit seinem Unternehmen aber auch selbst klassische Wagen auf und bietet sie nach Restauration und Umbau als Komplettpaket an. Ein alter VW Käfer beispielsweise verfügt nach der Umrüstung über 80 PS und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von bis zu 160 Kilometern pro Stunde.

Ästhetischer Anreiz zum Kauf von Elektroautos

Mit einer Ladezeit von stattlichen zwölf Stunden und einer Reichweite von nur 160 Kilometern eignet er sich allerdings nur beschränkt für den Alltagseinsatz. Deshalb lässt sich das Angebot von Zelectric als eine Art spezieller Einstieg in die Elektromobilität verstehen: Liebhaber von Autos mit klassischem Design erhalten so die Möglichkeit, diese emissionsfrei zu fahren und damit zum Umwelt- und Klimaschutz beizutragen. Benardo hebt neben dem Fahrspaß den ästhetischen Aspekt hervor und möchte seinen Kunden ermöglichen, „in der coolsten Kiste der ganzen Straße zu sitzen.“ Das dürfte nicht nur die Eigentümer selbst dazu anregen, sich für den täglichen Gebrauch ein Hybrid- oder Elektroauto wie einen Toyota Prius, einen Nissan Leaf oder eines der Tesla-Modelle zuzulegen.

Zelectric rüstet klassische Wagen zu Elektroautos um.
Zelectric rüstet klassische Wagen zu Elektroautos um. Bild: Zelectric Motors

Auch Benardo selbst kam über seine Liebe für klassische Wagen zur Elektromobilität: „Ich wollte einen VW, der schnell ist, Spaß beim Fahren macht und einen nicht am Straßenrand stranden lässt.“ Deshalb war das erste Auto, das er umrüstete, sein eigener Käfer. „Ein elektrischer Antrieb erwies sich als die beste Lösung dafür. Er arbeitet fantastisch mit dem 50 Jahre alten Design zusammen“, erklärt er. Deshalb rüstete Zelectric zu Beginn hauptsächlich Käfer und VW-Busse der Baujahre 1958 bis 1966 um, weil diese nach seiner Einschätzung „die perfekte Balance aus Stil und Benutzerfreundlichkeit besitzen“. Mittlerweile hat das Unternehmen aber auch klassische Modelle diverser anderer Hersteller wie Fiat oder Porsche zu Elektroautos umgebaut. Großer Vorteil der alten Wagen ist, dass sie über keine modernere Technikwie Servolenkung, ABS oder Klimaanlage verfügen, die den Umbau erschweren und zusätzlich die Akkus belasten.

Liebhaberstücke erzielen hohe Preise

Da Liebhaberstücke wie alte Käfer und Busse von VW in Kalifornien sehr begehrt sind, läuft das Geschäft für Zelectric recht gut. Die Kunden stehen laut Benardo Schlange – und das müssen sie auch. Denn momentan hat das Unternehmen nur Kapazitäten für knapp zehn Umrüstungen pro Jahr. Die Schattenseite der steigenden Nachfrage sind immense Preise für gut erhaltene alte Autos. Ein von Zelectric aufgestöberter und umgerüsteter VW-Bus kann 130.000 US-Dollar (knapp 115.000 Euro) und mehr kosten.

Durch die Beliebtheit klassischer VW-Busse sind deren Preise stark gestiegen.
Durch die Beliebtheit klassischer VW-Busse sind deren Preise stark gestiegen.

Hinzu kommt, dass Ersatzteile für die alten Wagen schwer zu finden sind. Die Umrüstung eines Klassikers zum Elektroauto ist deshalb vor allem für Sammler interessant, die ihre Stücke hin und wieder für kurze Ausflüge nutzen und dabei nicht die Umwelt belasten möchten. Da Zelectric in einer Nische operiert, hat Benardo keine Angst, dass Großkonzerne ihm Konkurrenz machen könnten. Zwar hat auch VW mit dem Budd-e auf der Consumer Electronics Show zu Beginn dieses Jahres eine umweltfreundliche Version seiner bekannten Busse vorgestellt. Allerdings handelt es sich dabei nur um einen Entwurf und dieser weist zudem nicht das von den Zelectric-Kunden geschätzte klassische Design auf: „Unsere Autos haben deutlich mehr Charme“, sagt Benardo.

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Gif: Giphy – Matt Frith

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