Computerspiele

Vom Stigma zur Euphorie: eSports in China auf dem Vormarsch

by Jason Johnson
Freelance writer and editor

eSports-Events wie die Intel Extreme Masters Shanghai verbessern das Image des Gamings in China – einer Nation, die sich lange gegen Online-Gaming gesträubt hat.

Zhou „iAsonu“ Hang träumte davon, professioneller eSportler zu werden. Seine Eltern hatten allerdings andere Pläne für ihn. Nach ihrem Willen sollte er seinen Abschluss im Bereich Roboter-Automatisierung an der Universität für Wissenschaft und Technik Zentralchina machen, einer staatlichen Universität inmitten dichter Wälder in der Provinz Hubei. „Ich hab ihnen einen langen Brief geschrieben, in dem ich erklärt habe, was eSports ist. Außerdem habe ich ihnen versprochen, mein Studium nicht gänzlich aufzugeben“, sagte Hang. Glücklicherweise wurde sein Flehen erhört.

Denn so konnte aus Hang ein professioneller StarCraft II-Spieler werden, der sein Können unter anderem auf der Center Stage der Intel Extreme Masters (IEM) Shanghai im vergangenen Jahr unter Beweis gestellt hat. Die Veranstaltung fand im Shanghai New International Expo Centre statt, wo das Turnier zum ersten Mal in der 11.000 Quadratmeter großen Halle abgehalten wurde. „Intel verschiebt immer wieder die Grenzen der Innovation, indem den Fans auf der ganzen Welt sowohl online als auch offline atemberaubende Erlebnisse geboten werden“, so George Woo, Marketing Manager für eSports bei Intel.

Behörden-Kreuzzug gegen Gamer

Als Teil der gigantischen Gaming-Konferenz ChinaJoy trugen riesige Massen lautstark anfeuernder Fans und zahlreiche Coplayer zu einer fröhlichen Atmosphäre bei. Ganz egal, welcher der Teilnehmer gewonnen oder verloren hatte: das Turnier war ein Leuchtfeuer für die positive Einstellung gegenüber dem Gaming in China. Shanghai war dem digitalen Zeitvertreib jedoch nicht immer so wohlgesonnen. 2004 startete die Stadt einen Kreuzzug gegen die sich ausbreitende Seuche der Internetcafés.

Mit dem Ziel, Jugendliche vor Online-Spielen mit potenziell süchtig machenden Inhalten zu schützen, wurde Minderjährigen unter 16 Jahren von den Behörden der Zutritt zu den Cafés verboten. Und Jugendliche über 16 Jahren wurde der Zutritt nur unter strengen Auflagen gewährt. Zur Durchsetzung der Regelungen verwendete die Stadt Überwachungskameras und Computersoftware. Bei Letzterer mussten die Jugendlichen ihre Personalausweisnummer eingeben, um Zutritt zu den Internetcafés zu erhalten.

Zwischen Euphorie und Stigma

Doch selbst solche Maßnahmen konnten die positive Entwicklung und Popularität des Pro Gamings nicht aufhalten. Mittlerweile sehen sich chinesische Fans mehr Streams an als jede andere Nation. Neben einem nicht enden wollenden Verlangen nach Gaming sind diese Fans allerdings mit einigen für China typischen, alten Sozial-Stigmata geschlagen.

Gaming-Competition
Auch wenn eSports in China deutlich an Popularität gewonnen hat, kämpfen Gamer immer noch gegen Stigmata und Ressentiments.

„eSportler müssen sich gegen Skepsis und Zweifel seitens ihrer Eltern und Beamten behaupten, die digitales Gaming als gesundheitsschädlich ansehen“, so Marcella Szablewicz, Assistenzprofessorin für Kommunikationswissenschaft an der Pace University in New York. Die Angst vor der Internetsucht wird wohl auch von Chinas Schulsystem geschürt: Jugendliche haben nur eine Chance in Form einer einzigen Aufnahmeprüfung, um eine Hochschule besuchen zu dürfen. Viele Eltern und Schulen schränken das Angebot an außerschulischen Aktivitäten daher ein, damit sich die Schüler auf diese wichtige Prüfung vorbereiten können.

Langsam aber sicher ändert sich die Sichtweise allerdings. Nach Angabe von Szablewicz erschien der Terminus „Internet-Gaming“ 2009 in 446 Nachrichtenüberschriften der chinesischen Presse in einem negativen Kontext. Bis zum Jahr 2016 hat sich diese Zahl auf gerade einmal noch 38 Überschriften verringert. Dies wird als deutliches Zeichen gewertet, dass die Gaming-Phobie des Landes zurückgeht.

Zentrum des chinesischen eSports

In der Zwischenzeit hat sich Shanghai von einer Stadt, in der kein Internetcafé sicher war, zu einem Paradies für eSportler gewandelt. „Ich lebe jetzt seit drei Jahren hier“, sagt Hang. Er zog nach Shanghai, nachdem er der eSport-Organisation Invictus Gaming beigetreten war. „Shanghai ist mittlerweile das Zentrum des chinesischen eSports. Mir gefällt die Modernisierung der Stadt.“ Ein deutliches Anzeichen für diese Veränderung ist die Häufigkeit von Veranstaltungen in der Region. Shanghai ist eine Hafenstadt am Gelben Meer und regelmäßiger Austragungsort für wichtige eSports-Veranstaltungen. So fanden beispielsweise die Winter Majors des beliebten Spiels Dota 2 dort statt, und die IEM-Veranstaltung gastierte bereits zum zweiten Mal innerhalb der vergangenen vier Saisons in Shanghai.

Shanghai hat sich zu einem Paradies für eSports entwickelt.

Von einem finanziellen Standpunkt aus gesehen sind diese Veranstaltungen ein wahrer Goldesel für die chinesische Wirtschaft. 2016 brachte die eSports-Branche Gewinne in Höhe von 7 Milliarden US-Dollar (etwa 5,9 Milliarden Euro) ein. Der kulturelle Einfluss der Spiele schafft zudem guten Willen: War es früher eine Aktivität für Außenseiter in China, präsentieren jetzt große kommunale Veranstaltungen das Gaming als positiven Einfluss auf die Gesellschaft. Die Integration des eSports in die 2017 Asian Indoor and Martial Arts Games beispielsweise führte traditionelle und moderne Sportfans zusammen.

eSport verbessert das Leben der Menschen

Eine der Hauptattraktionen bei den IEM Shanghai war die Rivalität zwischen China und Südkorea. Sie erreichte ihren Höhepunkt, als die beiden Chinesen versuchten, die überlegenen StarCraft II-Spieler vor dem heimischen Publikum vom Thron zu stoßen. Anstatt aber eine Atmosphäre voller Feindseligkeit zu schaffen, förderte diese Spannung ein Bewusstsein von Nationalität und Patriotismus bei den Teilnehmern. „Für mein Land möchte ich mein Bestes geben“, sagt Hang. Nach seiner Einschätzung fördert der Sport viele Tugenden, einschließlich Professionalität, persönlichem Wachstum und einem Gefühl der Gemeinschaft. Eigenschaften, die sowohl chinesische Millenials als auch Beamte ansprechen.

Wahrscheinlich erhalten Spieler und Fans jedoch den stärksten Ansporn von der kulturellen Bekräftigung des eSports. Laut George Woo verleihen Großveranstaltungen wie die IEM Shanghai denjenigen, die Gaming als ihr Lieblingshobby betrachten, ein Gefühl der Legitimität. „Es bereitet ihnen Freude. Für die echten Fans ist eSports pure Leidenschaft. Also, von diesem Standpunkt aus gesehen, verbessert es tatsächlich das Leben dieser Menschen“, so Woo. Das trifft aber nicht nur auf eSportler und Fans in China zu, sondern auf der ganzen Welt.

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