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EURO 2016: Dieser Talentscout kennt die Fussballstars von morgen

Dean Evans Technology Writer Twitter
Steve Bradley Writer

In der Hoffnung, den nächsten Star zu entdecken, verfolgen Fußballclubs die EURO 2016 ganz genau. Doch ein Talentscout ist ihnen einen Schritt voraus.

Seit die EURO 2016 am 10. Juni gestartet ist, treten insgesamt 24 Mannschaften einen Monat lang in zehn Städten bei 51 Spielen gegeneinander an. An der Europameisterschaft nimmt eine Reihe eindrucksvoller Superstars wie Cristiano Ronaldo, Robert Lewandowski und Zlatan Ibrahimovic teil. Aber auch neue Talente wie Dell Alli, Leroy Sane und Renato Sanches stellen ihr Können unter Beweis. Fußballclubs aus der ganzen Welt verfolgen die EURO 2016 und analysieren jedes Spiel ganz genau – in der Hoffnung, den nächsten Paul Pogba oder Michy Batshuayi zu entdecken.

In der Vergangenheit boten große internationale Turniere den Spielern schon oft eine geeignete Plattform, um die Aufmerksamkeit der Welt auf sich zu ziehen: Wer erinnert sich nicht daran, wie Roberto Baggio bei der Fußball-WM 1990 in Italien geschickt durch die gegnerische Verteidigung dribbelte oder wie Paul Gascoigne bei der EURO 98 Colin Hendry in die Irre führte. Daneben gibt es aber auch Spieler wie Karel Poborsky, der bei der EURO 96 für Furore sorgte, anschließend aber bei Manchester United enttäuschte. Doch wie unterscheiden Clubs zwischen einem „One-Goal Wonder“ und einem wirklichen Talent? Die Antwort liefert die Wissenschaft der Datenanalysen – und ein Talentscout hat bereits eine Vermutung, wer bei der EURO 2016 am besten spielen wird.

Scout7 liefert eine Übersicht über die Pässe und durchschnittlichen Positionen eines Spielers.
Scout7 liefert eine Übersicht über die Pässe und durchschnittlichen Positionen eines Spielers.

 

Dank statistik zum star

Intels Partner Scout7 bietet Fußballvereinen eine revolutionäre Methode für die Suche und Anwerbung neuer Spieler. Die britische Software-Firma sammelt jährlich über drei Millionen Minuten an Videomaterial und stellt den Vereinen eine durchsuchbare Datenbank mit über 150.000 Aufzeichnungen aktiver Spieler zur Verfügung. Zusätzlich liefert Scout7 wichtige statistische Daten zu jedem einzelnen Spieler: Dazu gehören neben Alter, Größe und Spielposition auch genaue Zahlen zu seiner durchschnittlichen Laufgeschwindigkeit, der zurückgelegten Entfernung sowie der Anzahl der absolvierten Spiele, erfolgten Pässe, erzielten Tore und Fehlschüsse.

Scout7 verfolgt Harry Kane bereits seit seinem 15. Lebensjahr.
Scout7 verfolgt Harry Kane bereits seit seinem 15. Lebensjahr.

In den richtigen Händen ist Scout7 ein äußerst machtvolles Instrument. So machte zum Beispiel der englische Stürmer Harry Kane in der Scout7-Datenbank erstmals auf sein Können aufmerksam, als er im Alter von 15 Jahren am schweizerischen U18-Turnier Torneo Bellinzona teilnahm und drei Tore erzielte. Bei der EURO 2016 wird er voraussichtlich zu den besten Spielern zählen.

Der Premier-League-Champion Leicester City verwendete Scout7, um den Außenstürmer Riyad Mahrez 2014 zum Schnäppchenpreis von circa 500.000 Euro von Le Havre abzuwerben. In der Saison 2015/16, in der Leicester City englischer Meister wurde, erzielte Mahrez 17 Tore und 11 Assists und wurde in der Premier League zum Spieler des Jahres gewählt. Mittlerweile kann davon ausgegangen werden, dass ein Wechsel von Mahrez zu einem anderen Verein nicht mehr unter 30 Millionen Euro stattfinden wird.

Euro 2016: Ansturm in der Cloud

Auf den Plattformen von Scout7 ist jetzt während der Europameisterschaft mit Sicherheit einiges los. Diese werden von der Firma in eigenen Private Clouds betrieben, die auf Intel-Technik basieren. „Während der EURO 2016 werden wir pro Spiel etwa 12 Gigabyte an Informationen sammeln“, erklärt Bradford Griffiths, Operations Director bei Scout7. „[Dazu] zählen alle wichtigen statistischen Daten wie Aufstellungen, taktische Ausrichtungen, Spielzeit, Pässe, Grätschen, Assists und Ballbesitze sowie HD-Videomaterial.“ Die Spiele werden mit der Intel® Quick-Sync-Video-Technik transkodiert und stehen Abonnenten von Scout7 bereits ein bis zwei Stunden nach dem Schlusspfiff zur Verfügung.

Während der EURO 2016 sammelt Scout7 pro Spiel etwa 12 Gigabyte an Informationen.
Während der EURO 2016 sammelt Scout7 pro Spiel etwa 12 Gigabyte an Informationen.

Potenzielle Spielertransfers sind jedoch nur einer der Aspekte des Systems. Auch die Trainer der Nationalteams werden auf die Fülle der statischen Informationen von Scout7 zurückgreifen, um taktische Strategien auszuarbeiten, die letztendlich nur eines zum Ziel haben: den EM-Titel nach Hause zu holen. Griffiths erklärt: „Das Videoanalysekonzept gab es schon während der EURO 2012, aber heute können Datenanalysen und die für ihre Nutzung eingesetzten Tools deutlich mehr. So können sich Teams zum Beispiel genau anschauen, wie Gegner in bestimmten Situationen, zum Beispiel bei Eckbällen oder Freistößen, den Angriff oder die Verteidigung aufbauen. Auch die Stärken und Schwächen einzelner Spieler, etwa die eines Stürmers, können durch Mitarbeiter analysiert und sogar direkt an das Smartphone oder Tablet eines Verteidigers gesendet werden, damit sich dieser vor dem Spiel entsprechend vorbereiten kann.“

Zukunft mit wearables

In Zukunft werden Daten einen wichtigen Beitrag leisten, um Sporterlebnisse für Fans, Sendestationen, Athleten und Wettkampfrichter zu verbessern. So wurde zum Beispiel Intels Curie-Modul bereits bei den X Games eingesetzt, um Echtzeitdaten von Skateboard- und BMX-Wettkämpfen zu streamen, etwa die Anzahl der Drehungen in der Luft, die Höhe, die Weite und Geschwindigkeit eines Sprungs und die Krafteinwirkung bei der Landung. Es wird wohl nicht mehr lange dauern, bis solche Wearable-Technik auch in der Welt des Fußballs Einzug hält.

„Wir gehen davon aus, dass bei der EURO 2020 Daten mithilfe von Wearables direkt am Körper der Spieler gesammelt werden“, sagt Bradford Griffiths. „Diese Daten ermöglichen bisher nicht dagewesene Einblicke in die Fähigkeiten eines Sportlers und liefern Trainern taktische Informationen. Wir werden in der Lage sein, die Wendigkeit und Geschwindigkeit der Spieler zu messen, aber auch zu analysieren, wie der Platz auf dem Fußballfeld genutzt wird.“ In der Zwischenzeit gilt es, Spieler wie den französischen Außenstürmer Kingsley Coman, den Schweizer Stürmer Breel Embolo, Russlands Aleksandr Golovin und Deutschlands Julian Weigl im Blick zu halten. Denn den statistischen Daten zufolge könnten sie die besten Spieler der EURO 2016 sein – und vielleicht die großen Fußball-Superstars von morgen.

Hauptbildrechte: Shutterstock/Sergey Nivens

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