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Facebook als Business-Netzwerk? Guter Witz!

Wie die “Financial Times” herausgefunden haben will, bringt sich Facebook in Stellung, um sich als Netzwerk für Unternehmen anzubieten. Dabei sind ähnliche Funktionen geplant, wie wir sie jetzt schon vom Netzwerk her kennen: Chats, Networking-Möglichkeiten, zudem Kollaboration an Dokumenten und Cloud-Speicher.

Der Markt für Instrumente der internen Unternehmenskommunikation ist immens groß und Facebooks bisheriger Anteil daran verschwindend klein – was einen solchen Schritt durchaus nachvollziehbar macht. Dazu kommt, dass das Netzwerk alles hat, was erfolgreich bei der Koordination von Geschäftsabläufen eingesetzt werden könnte. Nur eine Sache fehlt: Vertrauen.

Die Geheimdienste lesen mit

Wer bei Facebook postet, wird automatisch zum Gegenstand multinationaler Rasterfahndungen

Facebook auf persönliche Daten aufpassen zu lassen ist in etwa so, wie der Katze die Bewachung eines Herings anzuvertrauen: nicht sehr ratsam. Zum einen kämpft Facebook täglich und an allen Fronten gegen den Vorwurf geschäftsmäßiger Verletzung des Datenschutzes. Zum anderen ist die Plattform einer der ersten Anlaufpunkte für internationale Geheimdienste, die – wie jüngst der britische GCHQ verkündete – in sozialen Netzwerken per se “Kommandozentralen für Terroristen” sehen. Wer bei Facebook postet, wird automatisch zum Gegenstand multinationaler Rasterfahndungen – ob er Dreck am Stecken hat oder nicht.

Ein Blick in das National Security Operations Center der NSA.
Ein Blick in das National Security Operations Center der NSA.

Facebook selbst macht seit den anfänglichen Verleugnungen der Geheimdienstaktivitäten keinen Hehl mehr aus eben dieser Tatsache. Zuckerberg warf der NSA bzw. der Regierung vor, es “vergeigt” zu haben, später zog er für mehr Transparenz vor Gericht. Da Beschwerden und juristisches Klagen in diesem Fall nichts bringen, haben sich nun die Riesen der IT-Branche (neben Facebook auch Google, Apple und Microsoft) zusammen geschlossen, um es über gute, alte Lobby-Politik zu versuchen. Man wird sehen, ob und was es bringt…

Im Facebook-Land ist kein Geheimnis sicher

Die Plattform soll auch als Business-Netzwerk dem alten Geschäftsmodell der Werbefinanzierung treu bleiben

Doch selbst wenn die sicherheitspolitische Schnüffelei nicht wäre, bliebe das Problem der umfassenden Datenauswertung durch Dritte – nämlich durch Facebook selbst. Laut “Financial Times” soll die Plattform auch als Business-Netzwerk dem alten Geschäftsmodell der Werbefinanzierung treu bleiben. Eingegebene Informationen werden dabei analysiert und gespeichert, um Rückschlüsse auf die Vorlieben des jeweiligen Nutzers zu ziehen. In der Folge bekommt er dann die für ihn relevante Werbung vorgesetzt.

Der Herr der Daten: Mark Zuckerberg (Flickr: Brian Solis - CC BY 2.0)
Der Herr der Daten: Mark Zuckerberg
(Flickr: Brian Solis – CC BY 2.0)

Ob Geschäftsgeheimnisse, persönliche Mitarbeiterdaten, Zukunftspläne, Informationen zum Kundenstamm: das alles landet im Pool der Analysealgorithmen, was Datenschützern ebenso wie Wirtschaftsverbänden Magengeschwüre bereiten dürfte. Die bis heute anhaltende NSA-Affäre auf der einen Seite und der laxe Privacy-Umgang auf der anderen haben bei Nutzern viel Vertrauen verspielt. Wie viel mehr Vertrauen wäre da nötig, damit gerade Unternehmen mit hochsensiblen Daten diese dem Netzwerk zur Verfügung stellen?

Die Modernisierung der Bürokommunikation

Insbesondere beim industriellen Mittelstand reicht es oft gerade mal für eine digital abgelegte Telefonliste

Vor allem deutsche Unternehmen und Organisationen sträuben sich dagegen, die interne Kommunikation der Cloud anzuvertrauen und bauen stattdessen auf selbst-gehostete Inhouse-Lösungen, was – sind wir mal ehrlich – man den meisten hiesigen Intranets auch ansieht. Insbesondere beim industriellen Mittelstand reicht es oft genug gerade für eine digital abgelegte Telefonliste oder ein geteiltes Laufwerk. Die Mitarbeiterkommunikation läuft in erster Linie per Mail, wenn nicht sogar noch über die Hauspost oder das beliebte Spiel mit Post-it-Memos.

In Vielen Unternehmen hat sich seit Jahren die Bürokommunikation nicht an die neuen Bedürfnisse angepasst.
In vielen Unternehmen wurde die Bürokommunikation seit Jahren nicht mehr an die sich veränderten Bedürfnisse angepasst.

Eine Modernisierung des innerbetrieblichen Dialogs ist vielerorts vonnöten. Die Effizienz würde gesteigert, ebenso die Motivation und der Informationsstand der Mitarbeiter. Sogar der Kunde würde am Ende von einem funktionierenden und flexiblen Kommunikationssystem profitieren. Doch die Frage ist: zu welchem Preis?

Facebooks Antwort lautet: “Zu keinem, denn unser Angebot ist kostenlos!” Was jedoch verschwiegen wird, ist die Tatsache, dass der Dienst nicht in Euro oder Dollar bezahlt wird – sondern in Daten. Und damit für viele zu hoch ausfallen dürfte.

Cover-Foto: Wikipedia – vigneshkumar (CC BY 2.0)

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