Gesund mit Wearables

Fitnesstechnik: Vom Sportgerät bis zu smarten Wearables

Die Fitnesstechnik hat seit den 50ern eine rasante Entwicklung durchlaufen.

Amy Roberts, Autorin und Fitness-Expertin

Von Gymnastiksendungen bis hin zu intelligenten Wearables – die Fitnesstechnik hat in den letzten Jahrzehnten eine rasante Entwicklung durchlaufen. 

Seit Jack LaLanne, der „Godfather of Fitness“, in den 1950er-Jahren die ersten Fitnessgeräte entwickelte, stehen Sport und Technik in einer fast schon symbiotischen Beziehung zueinander. In den 1980ern erlebten dann Fitnessvideos dank Jane Fonda einen wahren Boom. Darauf folgten Trendsportarten wie Billy Banks Tae Bo in den 1990ern oder das Ganzkörpertraining Pilates, das sich seit Anfang der 2000er-Jahre in den USA und Europa großer Beliebtheit erfreut.

Heute kommen beim Krafttraining, Stretching oder Cross-Training smarte Wearables wie Fitness-Armbänder und Smartwatches zum Einsatz. „So wie etwa beim Jogging existierte die Sportart meistens schon vor der Technik, wodurch der Sport die Innovationskraft für neue Geräte und Anwendungen ankurbelte“, erklärt Shelly McKenzie, Historikerin und Autorin von Getting Physical: The Rise of Fitness Culture in America. „In anderen Fällen war es hingegen umgekehrt: Die Technik ermöglichte zum Beispiel in Form von Videos oder tragbaren Musik-Playern ganz neue Anwendungen und Sportarten“, fügt sie hinzu.

fitness über den bildschirm

Im gleichen Ausmaß wie sich die Bildübertragungstechnik weiterentwickelt hat – von Videorekordern bis hin zum heutigen Streaming –, haben sich auch die Möglichkeiten verändert, mit denen Experten mit ihrem Publikum in Verbindung treten können. Vor allem die elektronischen Medien machten es möglich, dass Sportgurus wie Jack LaLanne, der in den 1950ern sein erstes „Physical Culture Studio“ eröffnete und eine eigene TV-Sendung hatte, eine breite Masse erreichten. „Die Menschen dachten, ich sei ein Scharlatan und völlig verrückt“, sagte der 2011 verstorbene Fitnesspapst. „Sogar die Ärzte waren der Meinung, dass das Krafttraining mit Geräten einen Herzinfarkt verursachen und den Sexualtrieb beeinträchtigen könne.“

Dennoch fanden die Workouts von LaLanne schnell breiten Anklang und seither begeisterten zahlreiche weitere Fitnessexperten ihr Publikum mit neuen Sport- und Ernährungstrends. Auch das von Judi Sheppard Missett gegründete Jazzercise verdankt seine Popularität dem Fernsehen. Und als 1982 Jane Fondas erstes Fitnessvideo auf den Markt kam, wurde der Videorekorder zu einem unverzichtbaren Must-have in jedem Haushalt.

Aerobics
Gif: Giphy – Emiliano Parizzi

„Damals waren Fitnessstudios noch ein absolutes Phänomen der Großstadt“, sagt McKenzie. „Für die Bewohner von ländlichen Gegenden, in deren Nähe es weit und breit keine solche Einrichtung gab, waren Gymnastikvideos die perfekte Alternative.“ Auch wenn VHS-Kassetten und DVDs ihre Blütezeit heute längst hinter sich haben, liegen diese dank Streaming nach wie vor im Trend – wie zum Beispiel die Abo-basierten Workouts von Tracy Anderson oder kostenlose Barré-Stunden auf YouTube.

Boom des Exergaming

Neben Trainingsvideos erlebten auch Fitness-Videospiele wie zum Beispiel „Exergaming“ im Jahr 1999 mit Dance Dance Revolution erstmals einen Boom. Ihren Höhepunkt erreichten sie mit Nintendos Wii Fit, die Ende 2007 auf den Markt kam. Fünf Jahre später erlangte der Exergaming-Trend mit dem Verkauf von über 23 Millionen Geräten einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde.

Interaktive Fitness mit der Wii-Fit von Nintendo.
Interaktive Fitness mit der Wii-Fit von Nintendo. Bild: Flickr – wiiu-spiele.com (CC BY-SA 2.0)

Heute können Trainer mit ihren Kunden – persönlich oder in einer virtuellen Gruppenumgebung – in Echtzeit interagieren. So zum Beispiel über Skype und FaceTime oder über Fitnessportale wie Wello und EMG Live Fitness. Die Firma Exos hat sich auf die Ausarbeitung von Gesundheits- und Trainingsplänen für Profi- und Hobbysportler, Mitarbeiter großer Unternehmen und das Militär spezialisiert. Auch sie nutzt Online-Trainingsvideos und persönliches Datentracking, um die Sportler bei der Verbesserung ihrer Fitness zu unterstützen.

Rebellion der Maschinen

Die erste Kraftmaschine verdanken wir dem zuvor bereits erwähnten Jack LaLanne, der die als „Smith Machine“ bezeichnete Multipresse erfand. Das Training mit Gewichten entwickelte sich allerdings erst 1970 zum Breitensport, und zwar dank Arthur Jones‘ Einführung der ersten Nautilus-Kraftmaschine, genannt Blue Monster. Bei dieser dienten Seilzüge beziehungsweise Schwungräder dazu, den Muskeln während des gesamten Bewegungsablaufs einer Übung Widerstand zu bieten. Zur damaligen Zeit war dies eine revolutionäre Idee. Zu ihrem Namen kam die Maschine übrigens, weil Jones die spiralförmigen Schwungräder an die aufgerollte Schale eines Nautilus erinnerten.

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Gif: Youtube – Mr Nautilus

„Vor der Erfindung des Nautilus war Gewichtheben ein eher beängstigender Sport. Denn der Sportler musste genau wissen, was er tat“, sagt McKenzie. „Dank der Geräte konnte auf einmal jeder ohne spezielle Vorkenntnisse in ein Fitnessstudio gehen und trainieren.“ Laut Jonathan Black, Autor des Buches Making the American Body, begann zu diesem Zeitpunkt der Trend, in einem Club zu trainieren. „Fitnesstraining entwickelte sich zu einer beliebten gesellschaftlichen Aktivität“, sagt er.

Fitnessstudios sind seit den 70er-Jahren populär.
Fitnessstudios sind seit den 70er-Jahren populär.

Während sich Fitnessstudios mit Freihanteltraining auf ihre Anfänge besinnen und zum Beispiel mit CrossFit funktionelle Trainingsmethoden anbieten, sind sie auch heute noch mit Laufbändern, Ergometern und ähnlichen Geräten wie dem Precors „Elliptical Fitness Trainer“ ausgestattet. Der Cross- oder Ellipsentrainer ermöglicht gelenkschonendes Ausdauertraining und führte letztendlich zur Entwicklung der Pilatesgeräte, die Bewegungen isolieren und helfen, eine korrekte Körperhaltung einzunehmen.

Fitness-Wearables und funktionstextilien

Schon lange vor der Erfindung von Turnschuhen mit Gummisohle und speziellen Hightech-Stoffen ging der Mensch sportlichen Aktivitäten nach. Doch diese Neuerungen machten die sportliche Betätigung deutlich komfortabler. Dazu gehören beispielsweise Marken wie Lululemon, deren körperbetonte Stretch-Kleidung den ganzen Tag getragen werden kann, selbst wenn der Träger keinen Fuß in ein Fitnessstudio setzt.

Mit den Fitnessstudios wurden auch Funktionstextilien beliebt.
Mit den Fitnessstudios wurden auch Funktionstextilien beliebt.

„Sportkleidung gewann mit dem Boom der Fitnessstudios an Bedeutung, da damit auch außerhalb signalisiert wurde, dass man entweder gerade vom Training kam oder auf dem Weg dorthin war“, sagte McKenzie. Und auch der Gründer von Nike, Bill Bowerman, machte mit dem inzwischen legendären Cortez-Modell das Tragen von Laufschuhen abseits der Laufstrecke zum Mainstream-Trend. Jane Fonda sorgte für die Popularität von Spandex, eine Synthetikfaser, die in Baumwolle oder Polyester eingewebt wird, um das Gewebe elastisch und atmungsaktiv zu machen.

Auf funktionalen Textilien baut der Sportkleidungshersteller Under Armour sein gesamtes Imperium auf. Der Erfolg des Unternehmens geht zurück auf die Einführung von Coolmax im Jahr 1986. Dieses synthetische Material hatte als erstes atmungsaktive Eigenschaften, so dass die Kleidung beim Tragen trockener und kühler bleibt.

Messbarkeit der leistung

Die heutige Fitnesskleidung legt die Technik-Messlatte noch höher: Mit eingenähten Sensoren werden zum Beispiel Socken und Sportschuhe kreiert, die die zurückgelegte Strecke und Schrittfrequenz ermitteln. Darüber hinaus gibt es Trikots, die Puls und Transpiration messen, oder Kompressionsstulpen von BSX Insight, die anhand von Laktatmessungen die optimale Trainingsintensität ermitteln. Und auch beim Yoga können inzwischen spezielle Hosen dabei helfen, die optimale Körperhaltung einzunehmen.

Die Basis Peak ist ein modernes Fitness-Wearable.
Die Basis Peak ist ein modernes Fitness-Wearable.

Ihre Messbarkeit ist seit jeher eine Bereicherung für sportliche Aktivitäten. Schließlich lassen sich Fitnessziele häufig am besten in Zahlen ausdrücken: verbrannte Kalorien, Gewichtsverlust, zurückgelegte Entfernung oder Pulsfrequenz. Die Möglichkeit, Daten aufzuzeichnen und auszuwerten, ist daher ein wichtiger Motivationsfaktor.

Die Messbarkeit von Fitness legte seit den 1960ern mit der Erfindung moderner Schrittzähler, die die 10.000 täglich von einem Menschen zurückgelegten Schritte messen, an Dynamik zu. Diese Technik bildete den Vorläufer innovativer Fitness-Wearables, die für das Tracking von Lauftrainings GPS nutzen oder als Fitness-Armband biometrische Daten erfassen.

Fitnesstechnik heute

Die Basis Peak Smartwatch verfügt zum Beispiel über winzige integrierte Sensoren, die verschiedene Kennzahlen wie Pulsfrequenz, Bewegungen, Schweiß, Hauttemperatur und Schlafmuster erfassen. Die Smartwatch erkennt automatisch, ob der Benutzer geht, läuft, Rad fährt, aber auch, in welcher Schlafphase er sich gerade befindet. Sie steuert sogar die Musik, damit der Träger sein Training nicht unterbrechen muss.

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Laut Itai Vonshak, General Manager für innovative Armbandprodukte in Intels New Technology Group, zu denen auch die BASIS-Smartwatch zählt, vermitteln Fitness-Tracker dem Benutzer besonders auf psychologischer Ebene das Gefühl, etwas erreicht zu haben.„Ein altes Sprichwort besagt: Was nicht gemessen werden kann, kann nicht verbessert werden“, erklärt er. „Und heutzutage können wir alles Mögliche messen.“

Die vermessung des körpers

Wer sich ein sportliches Ziel setzt, benötigt in der Regel viel Ausdauer und Geduld. Daher dienen Wearables, die die täglichen Anstrengungen dokumentieren, als zusätzliche Motivation. „Digitale Ergebnisse verdeutlichen die Fortschritte und ein kürzerer Feedback-Kreislauf schafft einen vorteilhaften Zyklus zwischen Aktion und Belohnung“, so Vonshak.

Fitnesstechnik macht den Körper vermessbar.
Fitnesstechnik macht den Körper vermessbar.

Die Weiterentwicklung dieser Tracking-Techniken darf nicht nur darauf abzielen, Benutzern beim Sammeln von Daten zu helfen. Sie muss Fitness-Fans auch auf eine einfache und verständliche Weise zweckdienliche Einblicke bieten, die kontinuierliche Verbesserungen fördern. In diesem Jahrzehnt ist dies laut Vonshak die vielleicht größte Herausforderung für die Gesundheits- und Fitnessbranche.

„Diese gesamte Kategorie an Produkten sollte unser ganzes Leben umfassen“, findet er. „Es geht nicht nur darum, die Anzahl der Schritte und Schlafgewohnheiten zu ermitteln, sondern vielmehr darum, seine Gewohnheiten zu ändern, um gesünder und glücklicher zu leben. Wenn uns Wearables ein Gefühl für Verantwortung vermitteln und positiv dazu beitragen, dass wir das Richtige tun, werden sie für uns unverzichtbar sein.“

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