Technische Innovation

Fliegende Autos: Der Traum vom Flugtaxi wird wahr

Nicolas Meudt Autor, Hemd & Hoodie

Die Tage, in denen Autos nur fahren konnten, scheinen gezählt – denn fliegende Prototypen sollen schon bald in Serie gehen.

Wer hat nicht schon im Stau gestanden und dabei davon geträumt, einfach den Propeller am Auto anzuschmeißen, abzuheben und über die anderen Fahrzeuge hinweg zum Ziel zu fliegen? Und tatsächlich: Rund hundert Jahre nachdem das „Autoplane“ des amerikanischen Luftfahrtpioniers und Unternehmers Glenn Curtis erstmals für eine kurze Strecke vom Boden abhob, beginnen PKWs nun die dritte Dimension zu erobern. Fliegende Autos sind keine ferne Utopie mehr, sondern eine greifbare Technik.

So präsentieren etwa Audi, Italdesign und Airbus auf dem Genfer Autosalon vom 8. bis 18. März „Pop.Up Next“, ein rein elektrisches, vollautomatisiertes Konzept für horizontale und vertikale Mobilität. Das modulare System umfasst einen Monocoque-Kohlefaserkokon, der 2,6 Meter lang, 1,4 Meter hoch sowie 4,8 Meter breit ist und Platz für zwei Personen bietet. Im Innenraum dominiert ein 49 Zoll-Bildschirm, die Mensch-Maschine-Interaktion erfolgt über Sprach- und Gesichtserkennung, Eye-Tracking sowie Touch-Funktion.

Fliegendes Auto Pal-V bereits 2019 erhältlich

Die ultraleichte Passagierkabine lässt sich entweder mit einem Auto- oder einem Flugmodul koppeln. Das Bodenmodul wird von einer Batterie angetrieben, die mit einer einzigen Ladung bei einer Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h für 130 Kilometer ausreicht. Für den Transport in der Luft gibt es ein drohnenähnliches Modul, dessen vier Propeller jeweils einen Durchmesser von 1,8 Metern haben und von einem Elektromotor mit 160 kW angetrieben werden. Eine Ladung reicht hier für Geschwindigkeiten von bis zu 120 km/h und für eine Entfernung von bis zu 50 Kilometern. Audi zufolge könnte das Konzept zwischen 2024 und 2027 Realität werden.

Bereits einige Schritte weiter ist das niederländische Unternehmen Pal-V. Das gleichnamige Gefährt, das an eine Mischung aus Motorrad und Helikopter erinnert, hat drei Räder, zwei Sitze und zwei Rotax-Motoren. Der für die Straße bringt es den Herstellerangaben zufolge mittels 100-PS-Antrieb auf bis zu 160 km/h sowie eine maximale Reichweite von 1315 Kilometern. Im Flugmodus übernimmt ein 200 PS starker Antrieb mit einer Reichweite von 500 Kilometern. Die maximale Flughöhe beträgt 3,5 Kilometer, getankt wird Super 95 Benzin.

2019 sollen die ersten Modelle des fliegenden Autos PAL-V ausgeliefert werden. Bild: Pal-V – Pal-V Liberty

Schon im kommenden Jahr soll die Konstruktion vollständig zertifiziert sein und ausgeliefert werden. Die 90 Stück umfassende Pioneer-Edition bringt es auf den stolzen Einzelpreis von einer halben Millionen Euro, die darauf folgende Liberty Sport Edition soll für 300.000 Euro erhältlich sein. Laut PAL-V liegen die Reservierungen, die je nach Stufe für eine Anzahlung zwischen 2.500 und 25.000 Euro getätigt werden können, im dreistelligen Bereich.

Intel-CeO Brian Krzanich hebt mit Volocopter ab

Ob sich die Idee vom Flugzeug-Auto-Hybriden durchsetzen kann, bleibt aber abzuwarten. Einen etwas anderen Ansatz, den einer autonom fliegenden Drohne, verfolgt ein Unternehmen aus dem süddeutschen Bruchsal. Mit seinem senkrecht startenden Lufttaxi „Volocopter“ will es nicht weniger als die Luftfahrt demokratisieren.

Damit dies gelingt, setzen die technologischen Vorreiter bei ihrem lediglich 290 Kilogramm schweren und bis zu 100 km/h fliegenden Luftfahrzeug auf Intel Flight Control Technologie. Diese verarbeitet über Sensoren gesammelte Daten in Echtzeit und sorgt für ruhige Flüge, etwa indem sie Windböen selbständig ausgleicht. Die automatische Lageregelung und die Richtungssteuerung übernehmen mehrere unabhängige und sich gegenseitig überwachende Computer, die jeden Motor auch separat in seiner Drehzahl regeln. Erster Fluggast an Bord war bereits Ende vergangenen Jahres Intel-CEO Brian Krzanich.

Cover-Foto: ItalDesign

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