Forscher setzen für die Beobachtung von Eisbären auf Drohnen

by Deb Miller Landau
iQ Managing Editor

Ein einzigartiges Drohnen-Pilotprojekt ermöglicht die Erforschung von Eisbären, ohne sie in ihrem natürlichen Lebensraum zu stören.

Das norwegische Spitzbergen ist eine Gruppe schroffer Inseln in der Arktis und mit rund 3.000 Einwohnern der nördlichste bewohnte Ort der Welt. Bäume oder andere höhere Pflanzen wachsen hier nicht, für manche Meeressäuger sind die Bedingungen jedoch geradezu ideal. Zudem ist das Archipel die Heimat einer der majestätischsten und gleichzeitig am meisten bedrohten Tierarten der Welt: der Eisbären.

Da sich ihr Lebensraum über eine weitläufige Fläche erstreckt, sind diese Tiere schwer aufzuspüren und zu verfolgen. Helikopterflüge in diese abgelegenen Gegenden beispielsweise sind sehr teuer, darüber hinaus ist die Installation von Tracking-Geräten für Forscher gefährlich und für Bären mit großem Stress verbunden.

Eisbärforscher mit grossem Interesse an Drohnen

Um herauszufinden, ob sich Eisbären mit einem nicht-invasiven Mittel wie einer Drohne aufspüren, verfolgen und beobachten lassen, hat sich der Fotograf Ole J. Liodden mit Intel zusammengetan. „Ich war durchaus skeptisch in Bezug darauf, was wir mit dieser Drohne tun können“, sagt er. „Aber ich rief einige Eisbärforscher an und sie zeigten Interesse. Offensichtlich hatten sie sich bereits seit einiger Zeit mit den Möglichkeiten von Drohnen auseinandergesetzt.“

Derzeit gibt es auf dem gesamten Planeten noch ungefähr 25.000 Eisbären. Prognosen zufolge wird der Bestand bis 2050 allerdings um 30 Prozent zurückgehen, was vorwiegend auf nicht nachhaltige Jagd und den Klimawandel zurückzuführen ist. „Wenn sich das Eis zurückzieht, können sich Eisbären nicht mehr von ihrer Hauptnahrungsquelle, den Seehunden, ernähren“, erklärt Liodden.

Drohnen können schwer erkundbare Gebiete erforschen

Im Juli machte sich der Umweltschützer gemeinsam mit Jeffrey Lo, einem Drohnenpiloten bei Intel, und einem Dutzend Crewmitgliedern mit einem Eisbrecher auf den Weg, um zu testen, wie eine Intel Falcon 8+ Drohne für das Tracking von Eisbären verwendet werden kann. Normalerweise wird das unbemannte Luftfahrzeug beispielsweise genutzt, um Brücken zu inspizieren oder Baustellen, Minen und landwirtschaftliche Flächen zu überwachen.

Ole J. Liodden
Ole J. Liodden und das Forscherteam trugen trotz des milden arktischen Sommerwetters mehrere Kleidungsschichten.

In der Arktis sollte das Flugsystem helfen, schwer erreichbare Gegenden oder sensible Bereiche wie Geburtshöhlen genauer zu erforschen. „Drohnen sind deutlich weniger invasiv als herkömmliche Tracking-Methoden“, sagt Lo. Allerdings war sich das Team zunächst nicht sicher, wie gut sie mit den extremen Herausforderungen dieser Region – etwa dem Wind und der Kälte – zurechtkommen würden.

Falcon 8+ besteht Praxistest

Eine weitere potenzielle Schwierigkeit hätte der Stahl des Metallboots sein können, da er die elektromagnetischen Felder stören kann, die für die Kalibrierung von Drohnenkompassen erforderlich sind. „Die Falcon 8+ hat dieses Problem nicht“, sagt Lo. „Wir konnten sie hervorholen, auf dem Deck absetzen und – selbst, wenn das Boot schlug und sich ständig auf und ab bewegte – einfach starten und auf ihre Mission schicken.“

Die acht Propeller der Falcon 8+ ermöglichen eine präzise Navigation, darüber hinaus hat die Drohne keine Emissionen und das von ihr verursachte Geräusch ist kaum wahrnehmbar. Mithilfe der hochsensiblen Wärmebildkamera, die an der Drohne befestigt ist, konnte die Crew die Bären vor dem kälteren Hintergrund mühelos erkennen. Dabei war die Auflösung so gut, dass sie sogar Einzelheiten wie die Schnauze und Augen sehen konnten.

Jagd nach Bildern soll klassische Jagd ersetzen

Geht es nach Liodden, könnten Drohnen sogar die klassische Jagd auf Eisbären ersetzen. Denn noch immer werden dem Fotografen zufolge jedes Jahr zwischen 800 und 1.000 der majestätischen Tiere erlegt. Ein Grund dafür sei, dass der Preis, den Jäger für Eisbärfelle erzielen können, seit dem Jahr 2000 um über 400 Prozent gestiegen ist. „Wenn diese Entwicklung anhält, bekommen wir möglicherweise dieselben Probleme wie bei den Nashörnern in Afrika“, sagte er.

Eisbär im Schnee
Eisbären, die auf einem Schneefeld schlafen, können von einer Flugdrohne einfach gefunden werden.

Liodden betont, dass seine Mission nicht darin bestünde, indigene Volksgruppen davon abzuhalten, ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Allerdings sei er der Ansicht, dass diese sich statt der Jagd auch dem Ökotourismus zuwenden könnten. Letztlich seien lebende Tiere mehr wert als tote, da die Schaffung einer Branche, in der Touristen Bären beobachten oder fotografieren können, vielen kommenden Generationen wirtschaftliche Vorteile verschaffen würde.

„Eisbären sind ein Symbol der Arktis. Diese Tiere sind stark und intelligent. Wenn sie aussterben, wird unser gesamtes Ökosystem vor großen Herausforderungen stehen“, erklärt der Fotograf. Allerdings hoffe er, dass von Drohnen aufgenommenes Bildmaterial sowie die von ihnen erfassten Daten Wissenschaftlern in Zukunft helfen könnten, besser zu verstehen, was in der Arktis geschieht – und zwar sowohl mit dem schwindenden Eis als auch mit den Bären selbst.

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