Computerspiele

„Games by Angelina”: Das leistet Künstliche Intelligenz in der Spieleentwicklung

Nicolas Meudt Autor, Hemd & Hoodie

Eine künstliche Intelligenz namens Angelina entwickelt Spiele in rasendem Tempo – und lässt erahnen, wie Gamedesign künftig funktionieren könnte.

Algorithmen, die bei der Entwicklung von Computerspielen zum Einsatz kommen, sind kein Novum. Lange war ihr Einsatz allerdings weitgehend auf die Produktion einfacher digitaler Kunst beschränkt, etwa die Erzeugung von Terrain oder das prozedurale Erstellen von Levels nach bestimmten Grundvorgaben. In den letzten Jahren hat es auf diesem Gebiet jedoch enorme Fortschritte gegeben.

Im Jahr 2011 schufen Algorithmen im Rollenspiel „Skyrim“ beispielsweise einzigartige Aufgaben, indem sie Orte, Feinde sowie ein zu erreichendes Ziel nach dem Zufallsprinzip zusammenstellten. Im Action-Adventure-Game „No Man’s Sky“ von 2016 halfen sie, eine Spielewelt mit riesigen Dimensionen zu schaffen und sie mit lebensechten Kreaturen zu füllen. Niemand, nicht einmal die Designer, hatten diese zuvor jemals gesehen.

Künstliche Intelligenz erschafft neue Welten

Einem wissenschaftlichen Mitarbeiter an der University of Falmouth, Michael Cook, ist es nun sogar gelungen, eine Künstliche Intelligenz (KI) zu entwickeln, die sich Videospiele praktisch aus dem Nichts heraus vorstellen kann. Ihr Erfinder nennt sie „Angelina“, was als Akronym für „A Novel Game-Evolving Labrat I’ve Named Angelina” steht. Seit 2011, als Cook die Arbeit an und mit der KI begann, hat sie Hunderte von experimentellen Games erstellt. Für ihre Arbeit wurde Angelina bereits mehrfach bei internationalen Wettbewerben für Spieleentwickler ausgezeichnet und einige ihrer Grafiken wurden sogar in einer New Yorker Kunstgalerie ausgestellt.

“To That Sect” ist eines der Spiele, die Angelina komplett eigenständig entwickelt hat. Gif: Youtube – Gamesbyangelina

Auf den ersten Blick funktioniert Angelina sehr einfach: Cook drückt „Play“, schon nimmt die KI ihre Arbeit auf. Um ein neues Spiel zu erschaffen, nutzt sie eine einzigartige Beschreibungssprache, mit der sie sowohl die im Spiel geltenden Regeln als auch seine unterschiedlichen Levels umreißt. Um das Spiel mit Inhalten zu füllen, greift Angelina zunächst auf Datenbanken mit kostenlosen Bildern, Grafiken und Videos zurück. Anschließend durchsucht sie beispielsweise soziale Medien und Onlinezeitungen, um – inspiriert von aktuellen Ereignissen – Levels weiter auszugestalten und Charakteren Substanz zu verleihen. Diese Informationen werden sodann in einer Textdatei festgehalten. So wie Datenträger von einer Spielekonsole, kann diese Datei später von einer dafür vorgesehenen Anwendung ausgelesen werden

Angelina soll Spieleentwickler unterstützen

In ihren frühen Jahren war Angelina darauf beschränkt „Jump ‘n‘ Run”-Spiele im Stil von Super Mario Bros zu entwickeln. Inzwischen hat sich ihr Repertoire allerdings stark erweitert, etwa um Abenteuer- und Rätselspiele. „Angelina ist nicht auf ein bestimmtes Genre festgelegt. Stattdessen entwickelt sie Spiele, die ihrer Vorstellung von einem guten Spiel entsprechen“, erklärt ihr Schöpfer gegenüber der Zeitschrift MIT Technology Review.

Geht es nach Cook, soll Angelina menschliche Spieleentwickler nicht ersetzen. Vielmehr wünscht er sich eine produktive Zusammenarbeit, aus der neue und interessante Spieldesigns entstehen. Dabei sieht er die Aufgabe des Algorithmus primär als Ideengeber: „Die KI kann einen Raum erkunden, potenziell interessante Dinge identifizieren und sie dann einem Designer präsentieren”, sagt er. „So erhalten Leveldesigner jede Woche eine Zusammenfassung von zehn Level-Ideen“. Diese seien zwar unfertig, könnten aber als Inspirationsquelle dienen und zu etwas Größerem weiterentwickelt werden. Auf lange Sicht sollen die Entwicklungskosten von Videospielen so deutlich gesenkt werden.

Cover-Foto: Youtube – Gamesbyangelina (Screenshot)

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