Technische Innovation

Cyborg-Gehirn: Implantat verbessert Gedächtnis um 25 Prozent

Nicolas Meudt Autor, Hemd & Hoodie

Durch die Implantation einer Prothese für das Gedächtnis könnten Erinnerungslücken schon bald der Vergangenheit angehören.

Was wollte ich gerade tun? Wie hieß der Torschütze beim Fußballspiel gestern Abend? Wo habe ich meinen Schlüssel abgelegt? Und wie hieß noch das Restaurant, in dem wir vergangenes Wochenende essen waren?

Es gibt wohl niemanden, der Situationen wie diese nicht kennt. Wenn die Erinnerung Streiche spielt, kann das ärgerlich und frustrierend sein – manchmal sogar beängstigend. Jetzt haben Wissenschaftler allerdings ein Gehirnimplantat entwickelt, welches das Gedächtnis stärkt und dafür sorgen könnte, dass Aussetzer wie diese schon bald der Vergangenheit angehören.

Elektrische Signale stimulieren Gedächtnis

Konkret verbesserte sich die Leistung der Probanden bei Aufgaben, die das Kurzzeitgedächtnis beanspruchen, um 15 Prozent. Bei Aufgaben, die das Arbeitsgedächtnis fordern, ließ sich sogar eine Verbesserung um 25 Prozent feststellen. „Wir schreiben einen neuronalen Code, um die Gedächtnisfunktion zu verbessern. Das hat bisher noch niemand getan“, erklärt der Biomediziner Dong Song gegenüber dem Magazin „New Scientist“.

Elektrische Signale an den Hippocampus verbessern das Gedächtnis. Bild: Wikipedia – LSDB (CC BY-SA 2.1 jp) – (Montage)

Die Leistungssteigerung gelang in einem Experiment mit 20 Epilepsiepatienten durch ein Implantat, das elektrische Signale an den Hippocampus sendet – eine Region, die unter anderem stark in den Lern- und Gedächtnisprozess involviert ist. Zuvor hatte ein Forscherteam um Song die Hirnaktivitäten der freiwilligen Versuchsteilnehmer gemessen, während sie Lernaufgaben absolvierten.

Vom medizinischen Instrument zum Lifestyleprodukt

In den gesammelten Daten hatten der Research Associate Professor of Biomedical Engineering und seine Kollegen charakteristische Aktivitätsmuster entdeckt, die bei guten Leistungen auftraten. Ihre Erkenntnisse nutzten sie, um anschließend mittels mikroelektrischer Schocks exakt jene Hirnregionen zu stimulieren, die bei der Bewältigung der Aufgaben besonders aktiv waren.

Mikroelektrische Schocks helfen bei der Bewältigung von Aufgaben.

Bevor die Implantate helfen können, beispielsweise Patienten mit Demenz zu behandeln, sind selbstverständlich noch zahlreiche weitere Tests mit weitaus mehr Probanden notwendig. Sollten sich die bisherigen Ergebnisse allerdings bestätigen, ist es wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis sich auch die ersten gesunden Menschen eine Gehirnprothese implantieren lassen. Denn wer hat nicht schon einmal von einer ähnlichen Erfindung geträumt, wenn er gerade für ein Examen gepaukt oder den Namen seines Gegenübers auf einer Party vergessen hat?

Cover-Foto: Wikipedia – Allan Ajifo (CC BY 2.0) – (Montage)

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