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Goji, Chia und Açaí: Was können die gesunden Superfoods wirklich?

Gänsebraten mit Knödeln, Fondue mit fettigen Soßen und dazwischen jede Menge Weihnachtskekse und Punsch – dem üppigen Essen der Feiertage folgen die guten Vorsätze meist auf dem Fuße. Im neuen Jahr soll wieder mehr Gesundes auf dem Speiseplan stehen. Doch laut neuester Ernährungstrends sind es heute nicht mehr Brokkoli, literweise Wasser und magerer Fisch, die die Pfunde schmelzen und den Teint erstrahlen lassen. Schnellere und bessere Resultate versprechen exotisch klingende Zaubernahrungsmittel wie Goji-Beeren, Chia-Samen und Spirulina.

Gemeinsam ist diesen sogenannten Superfoods, dass sie allesamt einen außergewöhnlich hohen Nährstoffgehalt aufweisen. Aufgrund ihrer zahlreichen Vitamine, Mineralstoffe, Proteine, Aminosäuren, Enzyme und Antioxidantien wird ihnen eine besonders gesundheits- und schönheitsfördernde Wirkung nachgesagt. Die auch als Functional Food bezeichneten Lebensmittel sollen dabei aber nicht nur schlank und faltenfrei halten, sondern zusätzlich Fitness und Konzentration steigern und sogar Krankheiten wie Krebs vorbeugen können. Der Begriff Superfood stammt allerdings nicht aus der Wissenschaft, sondern wurde im Zuge neuer Ernährungsentwicklungen wie dem Vegan-Trend von Marketingexperten und Medien geprägt.

Was steckt in den Superfoods?

Sekundäre Pflanzenstoffe fangen freie Radikale ein

Die Goji-Beere, bei uns auch als Wolfsbeere oder Bocksdornbeere bekannt, ist für ihren außergewöhnlich hohen Gehalt an Mineralien und Spurenelementen bekannt und wird in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) seit tausenden Jahren zur Stärkung der Immunabwehr eingesetzt. Dies wird unter anderem auch ihrem hohen Vitamingehalt zugutegehalten. Tatsächlich weisen die länglichen rot-orangefarbenen Beeren nur etwa einen Drittel des Vitamin C-Gehalts von Zitronen auf, kosten mit rund 25 Euro pro Kilo aber acht Mal mehr.

Coji

Auch die dunkelblaue Açaí-Beere, die als Frucht der Kohlpalme in den Regenwäldern des Amazonas wächst, strotzt nur so vor sekundären Pflanzenstoffen, die im Körper freie Radikale einfangen. In ihrer Heimat Brasilien ist sie ein ganz gewöhnliches Nahrungsmittel, doch seit US-Talkmasterin Oprah Winfrey sie als Wunderbeere in ihrer Show vorstellte, ist sie als Saft, Pulver oder in Tablettenform rund um den Globus heiß begehrt. Neben Vitaminen und Antioxidantien enthalten Açaí-Beeren wertvolle Öl- und Linolsäuren, die dem Körper Energie liefern und die Abwehrkräfte stärken.

Wertvolle pflanzliche Eiweißlieferanten

Gerade Veganer benötigen alternative Proteinquellen

Reich an gesunden Fettsäuren wie Omega-3 und Omega-6 sind auch Chia-Samen. Ursprünglich aus Mexiko und Mittelamerika, waren sie schon bei den Maya als wertvoller Energielieferant und Heilmittel bekannt. Die proteinreichen Kügelchen enthalten etwa doppelt so viel Eiweiß wie andere Samen oder Getreidesorten und ihr Calciumgehalt übertrifft den von Milch um das Fünffache. Darüber hinaus sollen sie, als Teil einer Mahlzeit genossen, den Abbau von Zucker verlangsamen und die Energie im Körper so über einen längeren Zeitraum freigeben. Das kommt nicht nur Sportlern zugute, denen dieser Effekt eine höhere Ausdauer verschafft, sondern auch Diabetikern, deren Blutzuckerspiegel dadurch stabilisiert wird.

Gegen sämtliche körperlichen Beschwerden soll der eiweißreiche Moringa- oder Meerrettichbaum aus Nordindien helfen. Seine mineralstoffreichen Blätter und Samen beugen laut Ayurvedischer Lehre über 300 Krankheiten vor. Zudem weist der schnell wachsende Baum einen außergewöhnlich hohen Gehalt des Hormons Zeatin auf, das beim Menschen die Hautregeneration enorm beschleunigen soll. Bei uns wird Moringa hauptsächlich getrocknet als feines Pulver angeboten, mit dem sich Suppen, Smoothies oder Gebäck verfeinern lassen. Die Früchte werden in ihrer Heimat als Bestandteil von Gewürzmischungen wie Curry verarbeitet, aber auch roh oder gekocht als Gemüse gegessen.

Grüne Superhelden

Chlorophyll hat eine antibakterielle Wirkung

Als besonders gesund unter den Superfoods gelten grüne Lebensmittel wie Weizengras. Die jungen, leicht bitter schmeckenden Triebe liefern praktisch alle Nährstoffe, die der Körper braucht. Neben Eiweiß, Mineralstoffen, Spurenelementen und Vitaminen weisen die sogenannten Supergreens einen hohen Chlorophyllgehalt auf, welches antibakteriell wirkt und die Bildung roter Blutkörperchen unterstützt. Dadurch wird die Sauerstoffversorgung in den Zellen erhöht und der Körper vor schädlichen Umwelteinflüssen und Giften wie Kohlenmonoxid geschützt.

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Zu den Supergreens zählen auch Mikroalgen wie Spirulina und Chlorella. Gerade für Menschen, die sich vegan ernähren, gelten die eiweißreichen Meeresgewächse als ideale pflanzliche Proteinquelle. Mit ihren komplexen Nährstoffprofilen sollen die Algen zudem Entgiftungsprozesse im Körper anregen sowie die Zellalterung verlangsamen. Sekundäre Pflanzenstoffe schützen außerdem vor Strahlenschäden durch die Sonne und beseitigen Giftstoffe und Schwermetalle aus dem Blut.

Einzelne Lebensmittel bewirken nichts

Eine vielfältige, ausgewogene Ernährung ist wichtiger

Zweifelsohne liefern die Superfoods eine Menge gesundheitsfördernder Substanzen. Ihre alleinige Verjüngungskraft konnte in Studien bisher allerdings nicht nachgewiesen werden. Ernährungsexperten warnen vor übermäßig hohen Erwartungen an die exotischen Beeren und Samen. “Das sogenannte Superfood kann den Speiseplan ergänzen, aber man sollte sich keine Wunder erhoffen”, sagt Silke Restemeyer von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) in Bonn. Viel wichtiger sei hingegen eine ausgewogene und vielfältige Ernährung.

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Dazu kommt, dass die Superfoods gerade in Pulver- oder Pillenform teilweise zu horrenden Preisen angeboten werden. Ernährungswissenschaftler machen darauf aufmerksam, dass es für alle Produkte auch preiswertere heimische Alternativen gibt, die genauso gesund sind. Der hohe Vitamin C-Gehalt der Açaí-Beeren findet sich etwa in Sanddorn, die Fettsäuren und Ballaststoffe der Chia-Samen liefern auch traditionelle Leinsamen.

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Auch aus ökologischer Sicht schneiden die meist aus Übersee importierten Lebensmittel nicht unbedingt gut ab. Wer an die Kraft der exotischen Superfoods glaubt, zieht bestimmt keinen Nachteil daraus. Ein bunter Speiseplan, bei dem die Pfunde schmelzen und das Immunsystem gestärkt wird, lässt sich aber ebenso auch aus heimischen Zutaten wie Heidelbeeren, grünem Blattgemüse und Nüssen zusammenstellen.

Cover-Foto: Flickr – Antonio Tajuelo (CC BY 2.0)
Bild 2: Wikipedia – Daniel Schwen (CC BY 3.0)
Bild 4: Flickr – Yamanuma (CC BY 2.0)

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