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Google für Kinder: Guter Plan oder fiese Masche?

Pavni Diwanji ist Mutter von zwei Kindern und allein aus diesem Grund schon eine gute Besetzung für ein neues Projekt von Google. Warum? Weil der Suchriese seine Kernprodukte künftig kindgerecht gestalten will. Doch damit begeben sich die Verantwortlichen auf ein schwieriges Terrain. Denn Google steht dank seiner Omnipräsenz im Internet unter strenger Beobachtung von Wettbewerbshütern und Datenschützern – und die werden sicher noch genauer hinsehen als sonst, wenn es darum geht, dass Kinder die aus Mountain View kommenden Dienste nutzen sollen.

Pavni Diwanji verrät aber nicht konkret, welche Google-Dienste Kindern zugänglich gemacht werden sollen oder in welcher Form das geschehen wird. Was sie in einem Interview mit USA Today aber erzählt, klingt durchaus nach „Wir bei Google haben verstanden, worauf es ankommt“. Bislang ist es so, dass Kinder unter dreizehn Jahren quasi keinen der großen Dienst-Anbieter im Netz nutzen dürfen. Ein Blick hinüber zu Facebook und Co zeigt aber schnell, dass die Kids das wenig kümmert. Umso wichtiger ist es, Kinder aufzuklären und ihnen die Voraussetzungen für einen unbeschwerten Aufenthalt im Netz bereitzustellen. Stichwort: Medienkompetenz.

Kein Rundum-Sorglos-Paket

Kinder sollen das Netz ungefährdet nutzen können

Google bietet mit „Safe Search“ bereits ein Feature an, mit dem sich die Suchergebnisse über drei Stufen eingrenzen und so bestimmte Inhalte ausschließen lassen. Allerdings lässt es sich ebenso leicht wieder deaktivieren, wie es sich aktivieren lässt. Eine hundertprozentige Kontrolle für Eltern und damit ein definitiver Schutz vor nicht altersgerechten Inhalten existiert somit nicht.

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Google möchte daher nun die wichtigsten Produkte aus dem eigenen Portfolio für junge Menschen entsprechend aufbereiten: Kinder sollen das Netz ungefährdet nutzen können, sich gleichzeitig aber trotz elterlicher Supervision nicht eingeschränkt fühlen. Der Suchriese will dabei berücksichtigen, dass nicht alle Eltern gleich sind und die einen ihrem Nachwuchs mehr erlauben, die anderen weniger. Das gleiche gilt in Hinblick auf etwaige Kontroll- und Erlaubnis-Optionen.

Wolf im Schafspelz?

Es werden aktiv neue Kunden gewonnen, indem ihnen der Zugang zum Netz ermöglicht wird

Wie nicht anders zu erwarten, hüllt sich Google bezüglich seiner Beweggründe in Schweigen und so lässt sich über sie nur spekulieren. Natürlich setzt sich der Konzern seit Jahren dafür ein, mehr Menschen einen Netzzugang zu ermöglichen. Project Loon, über das wir vor kurzem hier im Intel Magazin berichtet haben, soll beispielsweise ein Funknetz über den Köpfen von Menschen spannen, die über eine Landleitung nicht mit Datenströmen versorgt werden können.

Was generell erst einmal löblich klingt, muss aber auch als Versuch gewertet werden, neue Kunden respektive Märkte zu erschließen. Google verdient Geld mit der Anzeige von Werbung. Wenn mehr Nutzer über einen Internetzugang verfügen, kann auch mehr Werbung bzw. an mehr Kunden Werbung ausgeliefert werden. Es werden also praktisch aktiv neue Kunden gewonnen, indem ihnen erst einmal der Zugang zum Netz ermöglicht wird.

Wächter des Neulands

Eltern sollten eine einfache Möglichkeit erhalten, ihre Kinder sicher ins Netz zu bringen

Diese Strategie ist im Fall von Kindern nicht unproblematisch, und entsprechende Instanzen werden das Unterfangen daher sicherlich mit mehr als einem Auge kritisch beobachten. Dazu zählt an vorderster Front die in Washington, D.C. ansässige Federal Trade Commision (FTC), die bereits 20 Firmen zu Strafzahlungen verdonnert hat, weil diese gegen den Children’s Online Privacy Protection Act (COPPA) verstoßen haben. Dabei handelt es sich um ein Gesetz, das junge Netzmitglieder vor schlechten Einflüssen im Web schützen soll. Und auch die Europäische Kommission dürfte die Entwicklung ganz aufmerksam verfolgen.

Dabei wäre es so wichtig, dass Eltern eine einfache Möglichkeit erhalten, ihre Kinder sicher ins Netz zu bringen. Für viele Erziehungsberechtigte ist das Internet genauso Neuland wie für Kanzlerin Merkel. Man kann ihnen da aber eigentlich auch keinen Vorwurf machen, denn schließlich sind viele von ihnen nicht mit dem Netz aufgewachsen – im Gegensatz zu ihren Sprösslingen. Diese kommen bereits in ganz jungen Jahren mit Smartphones und Tablets in Kontakt, nutzen auf diesem Wege aber leider natürlich auch oft Anwendungen und Dienste, die für ihr Alter nicht unbedingt geeignet sind.

Kinder brauchen Grenzen – auch im Internet

Plattformen mit kindgerechten Inhalten existieren, aber sie repräsentieren nicht das Internet

Eine Google-Oberfläche, die es Eltern erlaubt zu regeln, was ihre Kids sehen dürfen, welche Inhalte sie besser nicht zu Gesicht bekommen sollen und die nicht nur Kindern, sondern vor allem auch Eltern Sicherheit gibt – eine solche Oberfläche ist vielleicht nicht nur wünschenswert, sondern auch erforderlich.

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Sicherlich existieren bereits Netzwerke speziell für Schüler, es gibt Suchmaschinen, die genau auf die Ansprüche und Anforderungen von Kindern ausgerichtet sind oder Plattformen mit kindgerechten Inhalten. Diese repräsentieren aber nicht das Internet. Kinder kennen Google, Facebook, Instagram und Co. Und sie wollen diese Dienste auch nutzen – trotz vorhandener Altersbeschränkungen. Deshalb müssen diese Dienste entsprechend angepasst werden.

Eine Investition in die Zukunft

Man kann nur hoffen, dass der Suchriese wirklich alles richtig macht

Ich als recht frischgebackener Vater, der der Technik sehr verbunden ist, begrüße es auf jeden Fall, dass mir Dienste unter Umständen zusätzliche Hürden aus dem Weg räumen, wenn es darum geht, meinen Sohn in Sachen Internet und Co zu unterstützen. Logo – so etwas darf nie ganz ohne Aufsicht passieren, ganz abgesichert vor den Gefahren des Netzes wird wohl keiner sein können – und doch finde ich, darf in dieser Hinsicht noch einiges passieren. Hardware-Hersteller arbeiten beispielsweise mit Antivirus- und Passwort-Spezialisten zusammen, um ihre Kunden zu schützen. Warum sollten Dienste-Anbieter dann nicht zusätzlich die jüngsten Kundengruppen schützen wollen? Wäre ja eine Investition in die Zukunft.

Zurück zu Pavni Diwanji, der Frau, die all dies für Google möglich machen soll. Sie ist sich dessen bewusst, dass dieser Vorstoß nicht nur auf Gegenliebe stoßen wird, es wird Widerstand geben. Umso wichtiger ist es, es richtig anzustellen. Ein solches Produkt muss wohl überlegt sein, um es allen recht zu machen. Zumindest in Deutschland kann man in diesem Fall wenig von Schulen erwarten. Hier mangelt es leider sowohl an der Zeit, als auch an der entsprechenden Ausbildung der Lehrer, deren Schüler oftmals schon besser informiert sind. Da kommt ein kindgerechtes Google-Produkt genau richtig. Man kann nur hoffen, dass der Suchriese wirklich alles richtig macht und auch nicht allzu lange mit der Veröffentlichung wartet. Das wird andere Anbieter sicherlich ebenfalls motivieren.

 

Cover-Foto: Flickr – Eirik Solheim (CC BY-SA 2.0)

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