Green Modder: Tech-Kunstwerke statt Wegwerf-Elektronik

Mit handgefertigten, individualisierbaren PC-Modellen wollen die Green Modder eine nachhaltige Alternative zu kurzlebigen Elektronikartikeln bieten.

Die Spezialität von Mike Schropp sind handgefertigte, individuelle PCs – aus LEGO-Steinen. Jedes Modell besteht aus Hunderten der kleinen Kunststoffteile und kann individuell angepasst und aufgerüstet werden. Mit seiner Arbeit möchte der PC-Bauer gegen die in der Regel eher kurze Lebenszeit von Elektronikartikeln ankämpfen.

„Der Markt für Desktop-PCs ist auf Kunden ausgerichtet, die eine schwarze Metallkiste kaufen, diese nach ein paar Jahren entsorgen und sich eine neue zulegen“, sagt Schropp. „So fallen Unmengen an Abfall an, was eine immense Belastung für die Umwelt darstellt.“ Er hofft, die Bindung der Kunden zu ihren Geräten mit seinen kreativen Designs zu verstärken, so dass sie bei Bedarf nur einzelne Komponenten austauschen, anstatt sich einen ganz neuen PC zu kaufen.

Reduzieren, wiederverwenden und recyceln

Diesem Trend haben sich inzwischen weitere PC-Bauer angeschlossen, die den Markt umweltfreundlicher gestalten wollen. Die sogenannten „Green Modder“ möchten ihren Kunden hochwertige Produkte bieten, zu denen sie ein langfristiges Verhältnis aufbauen. Denn bei Kreationen wie den LEGO-PCs von Schropp oder den handgefertigten, nachhaltigen Holzgehäusen von Volta V überlegt sich jeder Besitzer zweimal, ob er dieses Technikkunstwerk wirklich entsorgen will.

Micro Lego Computer Green Modding
Das von Mike Schropp handgefertigte Micro LEGO Computer-System bietet Platz zur Erweiterung durch zusätzliche LEGO-Module. Bild: Totalgeekdom – Mike Schropp

Der Richtungswechsel zu einem verantwortungsvolleren Umgang mit Elektronikprodukten kommt keine Sekunde zu früh. Laut der Universität der Vereinten Nationen belief sich die Menge an Elektroschrott bereits 2014 weltweit auf fast 41,8 Millionen Tonnen. Nachhaltiges Modding ist Teil einer größeren Bewegung, die auf das verschwenderische Verhalten in der Tech-Kultur aufmerksam machen will. Bereits 2007 hat Sony ein Rückgabeprogramm für Elektronikartikel eingeführt. Sprint und Dell haben sich 2011 auf ähnliche Weise mit der US-Umweltschutzbehörde (EPA) zusammengetan, um das Spenden und Recyceln von Elektronikartikeln zu fördern.

Die EPA hat 2012 die Sustainable Materials Management Electronics Challenge ins Leben gerufen, um mehr Elektronikhersteller und -händler dazu zu ermutigen, zertifizierte Aufbereiter und Recycler für Elektronikartikel einzusetzen. 2016 haben die Teilnehmer der Challenge über 256.822 Tonnen an Elektronik gesammelt. Die recycelte Menge an Elektronikartikeln reicht, um 90.000 US-Haushalte für ein Jahr mit Strom zu versorgen.

modder verbinden design mit technik

Die größte Herausforderung für die Green Modder besteht darin, die Sichtweise von Kunden auf umweltfreundliche PC-Designs zu verändern. Auch der PC-Künstler Jeffrey Stephenson alias Slipperyskip ist der Ansicht, dass der Weg zu einem nachhaltigeren Elektronikkonsum über handwerkliches Design führt. Er selbst fertigt formschöne Builds im Stil der 1950er Jahre an, die die Herzen vieler Retro-Fans höher schlagen lassen und nichts mit seriengefertigten PCs gemein haben.

Jeffrey Stephenson Green Modding
Custom-PCs von Jeffrey Stephenson sind Tech-Kunstwerke und runden das Design jedes Raums ab. Bild: Slipperyskip – Jeffrey Stephenson

Ty Underwood, Designer bei Volta V, ist ebenfalls der Meinung, dass nachhaltige Designs ansprechend aussehen sollten. Er und sein Team haben sich für die Verwendung von natürlichen Materialien entschieden, da diese mit zunehmendem Alter noch schöner werden. „Möbel aus hochwertigem Holz verändern mit der Zeit ihre Farbe und bekommen dadurch das gewisse Etwas“, erklärt Underwood. „Nachhaltigkeit heißt, einen Gegenstand zu schaffen, den der Benutzer für lange Zeit behalten möchte.“

Pc-gehäuse für die ewigkeit

Das Team von Volta V in Greenville, South Carolina, hat sich die Finger wund gearbeitet, um ein umweltfreundliches Material für den Prototyp zu finden. Das Holz musste nicht nur schön aussehen, sondern auch nachhaltig verfügbar sein, der Feinbearbeitung im CNC-Verfahren standhalten können und beständig gegen die erzeugte Wärme der Hardware sein. Nachdem sich Walnuss-, Bambus-, Kirsch-, Hickory-, Eschen- und Eichenholz sowie einige andere Holzarten als ungeeignet herausgestellt haben, entschied sich Volta V für Forstholz aus den USA.

Green Modder: Hölzernes PC-Gehäuse
Das Volta V-Gehäuse wird aus nachhaltigem Holz aus den USA handgefertigt. Bild: Volta V

Das Ergebnis? „Auch neue herkömmliche PCs lassen den diesjährigen Volt V-Look mit Sicherheit nicht blass aussehen, da dieser bis in alle Ewigkeiten eine einwandfreie Optik aufweisen wird“, so Underwood. Die Verwendung umweltfreundlicher Materialien schließt bei Volta V auch die Hardware ein, für die konfliktfreie Mineralressourcen verwendet werden. Für seine Modelle verwendet Underwood Mikroprozessoren von Intel, deren Rohstoffe in Minen im Ostkongo abgebaut werden, in denen sichere Arbeitsbedingungen für die Minenarbeiter herrschen.

Aufrüstung statt komplettAustausch

Hat eine Komponente das Ende seiner Lebensdauer erreicht oder wird mehr Leistung benötigt, lautet die Devise der Green Modder: aufrüsten statt neu kaufen. Denn Gehäuse wie etwa Schropps Modelle sind auf Langlebigkeit und Flexibilität ausgelegt. Je länger ein Käufer seinen vorhandenen PC aufrüstet, umso weniger Abfall landet im Müll. Mit den nostalgischen LEGO-Steinen, die von je her für Wandelbarkeit stehen, will Schropp seine Kunden dazu animieren, immer wieder kleine Modifikationen an ihren PCs vorzunehmen.

Auch wenn sie alle unterschiedliche Designansätze verfolgen, sind sich die Green Modder über ein grundlegendes Konzept umweltfreundlicher PCs einig: Die Leistung darf zugunsten der Nachhaltigkeit keinesfalls vernachlässigt werden. Denn auch hochwertige Hardware ist ein wichtiger Faktor für die Langlebigkeit von Geräten. Wird im Vorfeld etwas mehr investiert, können langfristig eine höhere Leistung, Funktionalität und Haltbarkeit erreicht werden.

Green Modding: Das Innenleben eines Custom-PCs
Die Verwendung hochwertiger Komponenten trägt zur Langlebigkeit der Custom-PCs bei. Bild: Volta V

Von Aufrüstbarkeit bis zu Ästhetik: Green Modding hebt PCs von der Masse der in Serie gefertigten Modelle ab. Durch Individualisierung und handwerkliche Hochwertigkeit möchten die Modder ein persönliches Verhältnis zwischen dem Benutzer und seinem Computer schaffen. „Je enger das Verhältnis der Menschen zu den Gegenständen in ihrer Umgebung ist, desto größer ist ihr Engagement dafür, eine bessere Zukunft für unseren Planeten zu schaffen“, sagt Underwood.

Cover-Foto: Volta V

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