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Greg Downing: Die Neuentdeckung der Welt in der virtuellen Realität

by Jason Johnson
Freelance writer and editor

Von den Sandsteinbauten in Petra bis zum Yosemite-Nationalpark: Fotograf Greg Downing bringt atemberaubende Orte in die virtuelle Realität.

Um den Weg zu den beeindruckenden Ruinen von Petra zu bewältigen, beschloss Greg Downing, einen Esel zu mieten. Denn der Aufstieg zu dem archäologischen Park in Jordanien ist steil und beschwerlich. Wer zum Kloster gelangen will, muss weitere 850 Stufen erklimmen.

Mit dieser Idee war das Tier leider ganz und gar nicht einverstanden und versuchte, Downing abzuwerfen. Um den Esel schließlich doch zum Laufen zu bewegen, lief ein Kind hinterher und trieb den Esel an. Von Fels zu Fels springend näherten sie sich der rosaroten Stadt, die vor Kurzem zu einem der neuen Sieben Weltwunder gekürt wurde.

auf den spuren von indiana jones

Die antiken Bauten von Petra umfassen tausende kleiner Wohnstätten und Gräber, die direkt in die Sandsteinfelsen geschlagen wurden. Downing unternahm diese Reise, um Bilder des sogenannten Schatzhauses zu machen, einem kunstvoll gemeißelten Denkmal. Freunden von Abenteuerfilmen dürfte es als Aufbewahrungsort des Heiligen Grals im Film Indiana Jones und der letzte Kreuzzug bekannt sein.

Esel sind beliebte Transporthelfer auf den engen Stufen, die nach Petra führen.
Esel sind beliebte Transporthelfer auf den engen Stufen, die nach Petra führen.

Ziel des Fotografen war es aber keineswegs, herkömmliche Fotos von der historischen Stätte aufzunehmen. Downing stellt aus einer ganzen Reihe an Aufnahmen spektakuläre Orte in der virtuellen Realität (VR) zusammen. „Als Künstler war ich schon immer daran interessiert, Fotografie in die dritte Dimension zu bringen“, erklärt er. Seine Arbeiten wurden bereits im American Museum of Natural History, dem Cincinnati Art Museum und dem Museum of Nature & Science in Denver ausgestellt.

Downings VR-Reisen eröffnen Betrachtern so beeindruckende Erfahrungen wie über Notre-Dame in Paris zu fliegen, in die San-Andreas-Verwerfung in Kalifornien hinabzusteigen oder sich zusammen mit Sängerin Björk in die Lavaströme von Islands Vulkanen zu wagen. Mit Fotos, in die Menschen regelrecht eintauchen können, weckt Downing das Bewusstsein für die Schätze unserer Erde. Er möchte, dass sein Publikum Sehenswürdigkeiten und besondere Landschaften aus neuen Blickwinkeln kennenlernt.

Superheldentechnik für das Wohl der Welt

Mit seinen Projekten möchte Downing zudem einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen. So wie Ansel Adams Fotos der Sierra Nevada Präsident Roosevelt dazu veranlassten, 1940 den Kings Canyon Nationalpark zu gründen, ist Downing der Überzeugung, dass VR-Technologie heute für den Umweltschutz eingesetzt werden kann. „Viele große soziale Veränderungen wurden durch die Fotografie bedingt“, so Downing. „Ich wollte eine Möglichkeit finden, mit visuellen Effekten wirklich etwas zu bewegen.“

Greg Downing bereist die Welt, um die Natur in VR zu erfassen.
Greg Downing bereist die Welt, um die Natur in VR zu erfassen.

Dieser Ansicht war er nicht immer. Viele Jahre hat Downing in Hollywood an Spezialeffekten für Kassenschlager wie Spider-Man 3, I Am Legend und Die Reise zur geheimnisvollen Insel gearbeitet. Nachdem er einmal zu oft eine virtuelle Version von New York City erstellt hatte, hatte er keine Lust mehr, dass noch ein Actionheld seine Arbeit in die Luft jagt.

fotos für den umweltschutz

Zusammen mit Eric Hanson, ebenfalls ein Experte für visuelle Effekte, gründete er 2006 das xRez Studio. Mit vereinten Kräften realisierten sie Projekte, die sich unter anderem für den Umweltschutz einsetzten. Dafür verwendeten sie Panorama-Aufnahmen in Gigapixel-Größe, Lidar-basierte digitale Landschaftsmodelle und 3D-Computer-Renderings, um den US-Nationalpark-Service bei der Untersuchung von Steinschlägen im Yosemite National Park zu unterstützen.

Für dieses Projekt kamen über 70 Fotografen zusammen, die aus über 10.000 Aufnahmen ein detailliertes Fotopanorama erstellten. Dieses nutzten Such- und Rettungsteams des Parkdienstes sowie Geologen anschließend, um Steinschläge im Tal zu erforschen. Ausgedruckt wäre das Panoramabild mit seinen 90.000 Pixeln knapp 16 Meter lang.

Des weiteren arbeitete Downing mit dem chinesischen Ausnahmekünstler Ai Weiwei und dem Navajo-Künstler Bert Benallyan zusammen. Für das Projekt Pull of the Moon nahm er sphärische Fotos des Antelope Canyon in Arizona und der Wüste New Mexicos auf. „Letzten Sommer waren wir sogar zusammen in einem Vulkan“, berichtet VR-Produzent Peter Martin. Martin arbeitete vor Kurzem mit Downing zusammen, um im Auftrag von Intel das Smithsonian American Art Museum in VR zu erfassen.

downing ist fotowissenschaftler

Heute konzentriert sich Downing in erster Linie auf Virtual Reality, wo er jahrzehntealte Fototechnik mit neuesten Technologien verbindet. „Greg ist Fotowissenschaftler“, erklärt Rajeev Puran, Business Development Manager bei Intel. „Er macht Standbilder von Orten, sei es mit einer Kamera oder mit Drohnen, und schafft daraus 3D-Umgebungen.“

Downings Wissenschaft nennt sich Photogrammetrie – eine Technik, die schon Leonardo da Vinci beschrieb und bei der Fotos mit Messwerten kombiniert werden, um 3D-Bilder zu erstellen. Per Computer wird eine Umgebung minutiös und Schritt für Schritt rekonstruiert. Durch ihre naturgetreue Abbildung sind Downings VR-Kreationen ein hilfreiches Mittel, um Menschen über die Ausmaße von Umweltproblemen aufzuklären. Vor Kurzem hat Downing etwa die Arbeit an einer Dokumentation über die schmelzenden Gletscher in Grönland für PBS abgeschlossen.

Für Downing waren diese Reisen seiner Jugend der Beginn seiner Faszination für die Welt. Heute möchte er diese Erfahrungen durch VR mit den Menschen teilen. „Je mehr ich über die besonderen Orte dieser Welt erfahre, desto unglaublicher erscheint mir das alles“, so Downing. Mit VR-Technologie kann fest jeder an diesen unfassbaren Abenteuern teilhaben.

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